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Linus Förster

Ehemaliger SPD-Abgeordneter verhaftet

Linus Förster: Seltsame Botschaft bei Facebook 

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Augsburg - Der Fall des Abgeordneten Linus Förster spitzt sich weiter zu. Nur einen Tag, nachdem seine Immunität aufgehoben wurde, ist der 51-Jährige verhaftet worden. Die Vorwürfe gegen ihn sind schwerwiegend.

„Freiheit ist das, was die anderen nicht über dich wissen“ – in dicken gelben Buchstaben steht dieser Satz auf der Collage von Passfotos, die das Titelbild von Linus Försters Facebook-Profil ist. Die Bilder zeigen ihn als kleinen Bub, als Jugendlichen, als jungen Mann, als SPD-Politiker. Er hat das Bild am Donnerstagnachmittag hochgeladen. Wenige Stunden, bevor er in einer therapeutischen Klinik in Passau verhaftet wurde. Und bevor neue schwerwiegende Vorwürfe gegen ihn bekannt wurden. Noch irritierender als die seltsame Titel-Botschaft ist das Profilfoto, das Förster im Mai online stellte. Es zeigt ihn vor einer Gefängnistür. „Eine Prophezeiung?“ kommentiert ein Facebook-Nutzer auf Försters Seite. Zumindest vorerst ist aus dem gestellten Bild Realität geworden.

Die Anschuldigungen gegen den ehemaligen schwäbischen SPD-Chef sind schwerwiegender als zunächst bekannt war. Der 51-Jährige ist wegen des Besitzes von Kinderpornos im Visier der Ermittler. Außerdem wird ihm schwerer sexueller Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person vorgeworfen. Diese juristische Formulierung wird gewählt, wenn die Missbrauchsopfer eine Behinderung haben oder durch Drogen oder Alkohol widerstandsunfähig gemacht wurden. Das Strafmaß liegt zwischen zwei und 15 Jahren, sagt der Augsburger Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai.

Förster in Untersuchungshaft wegen Fluchtgefahr

Linus Förster hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Er ist in einer Augsburger Justizvollzugsanstalt untergebracht. Er bleibt auf nicht absehbare Zeit in Untersuchungshaft, laut Staatsanwaltschaft bestehe Flucht- und Verdunklungsgefahr.

Bisher wurde gegen Förster ermittelt, weil er heimlich Sex mit einer Prostituierten gefilmt haben soll. Auch Körperverletzung wird ihm vorgeworfen. Die Auswertung beschlagnahmter Unterlagen und weitere Ermittlungen hätten den dringenden Verdacht auf die neuen Straftaten ergeben, sagte Nickolai. Im Hinblick auf die laufenden Ermittlungen wollte er sich zu den Vorwürfen nicht detaillierter äußern.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem auf Grundlage eines Paragrafen, der sich auf voyeuristische Spannerfotos oder Aufnahmen von hilflosen Personen bezieht. Details zu den illegalen Aufnahmen werden bislang von den Ermittlern nicht bekanntgegeben. Nach SPD-Angaben soll Förster aber gesagt haben, dass es um Bilder einer erwachsenen Frau gehe. Zu den schwerwiegenden neuen Vorwürfen äußert sich die Partei nicht.

Noch bezieht Förster Abgeordneten-Bezüge

Unmittelbar nach Bekanntwerden der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen Mitte November hatte Förster seine Posten als Bezirksvorsitzender der SPD in Schwaben und als Vize-Vorsitzender des Europa-Aussschusses im Landtag ruhen lassen. Später trat er aus der SPD aus und kündigte auch an, zum Ende des Jahres sein Landtagsmandat niederzulegen. Bis dahin erhält er weiterhin seine Bezüge als Abgeordneter. Bei der letzten Plenarsitzung des Jahres in dieser Woche war er bereits nicht mehr anwesend. Bis zur Aufhebung seiner Immunität am Mittwochabend durfte die Staatsanwaltschaft nur eingeschränkt ermitteln.

Sein Anwalt Walter Rubach sagte, mit dem Haftbefehl habe Förster nicht gerechnet. „Es geht ihm nicht gut im Moment.“ Auf das irritierende Facebook-Titelbild ist Försters Verteidiger gestern mehrmals angesprochen worden. Dazu sagt er nur: „Ich kann nicht erklären, was er uns damit sagen will.“

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