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Kein Blitzer: Kamerasäulen wie diese an der B 12 bei Hohenlinden (Kreis Ebersberg) sollen ab dem 1. Juli kontrollieren, ob Lastwagen ihre Maut bezahlt haben.

Sie sollen Sünder erwischen, jedoch keine Raser

Diese neuen Säulen am Straßenrand sind Kameras, aber KEINE Blitzer

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Ab Sommer müssen Lkw auf allen deutschen Bundesstraßen Maut bezahlen. Kontrollieren sollen das unter anderem automatische Kamerasäulen am Straßenrand. Temposünder haben von den neuen Geräten dagegen nichts zu befürchten.

München – Mancher Autofahrer dürfte gelegentlich auf die Bremse steigen, wenn er demnächst auf einer bayerischen Bundesstraße unterwegs ist. Sicherheitshalber, man weiß ja nie. Der Grund: kamerabewehrte Vier-Meter-Säulen, die in den kommenden Monaten am Straßenrand quasi wie Pilze aus dem Boden schießen werden.

Doch Angst haben müssen vor den Kamerasäulen nur Mautsünder: Toll Collect, die Firma, die für den Bund die Lkw-Maut eintreibt, bereitet sich darauf vor, dass die Abgabe ab 1. Juli neben den Autobahnen auch auf allen Bundesstraßen gilt. „Das sind keine Blitzer“, sagt Toll-Collect-Sprecherin Antje Schätzel. Obwohl sie so aussehen. Von den festen Radarfallen-Säulen sind sie durch die einheitliche Farbgebung zu unterscheiden: blau mit grünem Streifen.

Rund 100 solcher Kontrollsäulen stellt Toll Collect bis zum Sommer im Auftrag des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) bayernweit auf. Deutschlandweit werden es 600 Stück. Wo, bestimmt das Amt. Sie sind vollgepackt mit Technik, um zu kontrollieren, ob Lkw ab 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht brav ihre Maut bezahlt haben.

Die Säule arbeitet dabei wie die Mautbrücken über den Autobahnen: Sie fotografiert jedes vorbeifahrende Fahrzeug dreimal. Komplettansicht, von der Seite und das Kennzeichen.

Im Video: Dieser selbstgebauter Blitzer ist völlig legal

Identifiziert sie per Bilderkennung einen Lastwagen, wird abgeglichen, ob die Maut bezahlt ist – über das Kennzeichen oder per Funk mit dem Bordgerät, das in vielen Lastern verbaut ist. Fotos von Pkw oder von Lastern, die bezahlt haben, werden sofort gelöscht, verspricht die Toll-Collect-Sprecherin. Nur bei Unstimmigkeiten haken Kontrolleure nach.

Zwischen 8,1 und 21,8 Cent müssen Lkw je gefahrenem Kilometer bezahlen – abhängig von Achszahl und Schadstoffausstoß. Ertappte Mautsünder blechen pro unbezahlter Fahrt pauschal für 500 gefahrene Kilometer, auch kann es Bußgelder bis zu 20.000 Euro setzen. Die Säulenstandorte zu meiden, bietet dagegen keine Sicherheit: Zusätzlich kontrolliert das BAG bundesweit mit 300 mobilen Teams und stichproben- und verdachtsbasiert auch direkt in Betrieben.

Für den Bund wirft die Lkw-Maut 4,5 Milliarden Euro jährlich ab. Bisher wird sie auf Autobahnen und 2300 Kilometern Bundesstraße kassiert. Ab 1. Juli, wenn deutschlandweit sämtliche 39.000 Bundesstraßenkilometer mautpflichtig sind, sollen weitere zwei Milliarden jährlich hinzukommen.

Wer den Mautbetrieb künftig managen wird, ist übrigens derzeit noch unklar. Der laufende Vertrag mit Toll Collect – einem Gemeinschaftsunternehmen von Telekom, Daimler und der französischen Cofiroute – endet zum 31. August. Vorübergehend wird dann der Bund die Anteile kaufen und laut Verkehrsministerium „an den erfolgreichen Bieter, der im Vergabeverfahren den Zuschlag erhalten hat“ weiterverkaufen – wohl im Frühjahr 2019. Das ist später als geplant, offenbar wegen noch immer nicht beendeter Schiedsverfahren zwischen dem Bund und den Toll-Collect-Gesellschaftern. Dabei geht es um Milliardenforderungen wegen der verspäteten Einführung des Systems im Jahr 2005.

Auch interessant:

Video: 4000 Blitzer in der BRD

von Josef Ametsbichler, mit dpa

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