Ein Scanner registriert die vorbeifahrenden Fahrzeuge.

Zu wenig Stellplätze für Brummis

Parkplatznot: Leitsystem für Laster 

München – An deutschen Autobahnen gibt es zu wenige Lkw-Stellplätze – ein echtes Sicherheitsproblem. Weil Neubau oft schwierig ist, will man die bestehenden Plätze effektiver nutzen. Auf der A 9 wird deshalb ein neues Parkleitsystem getestet.

Not macht erfinderisch – und vielleicht auch ein wenig rücksichtslos. Immer wieder kommt es vor, dass Fernfahrer sich, sofern sie keinen freien Parkplatz mehr finden, einfach einen schaffen. Manchmal steht so ein 40-Tonner dann in der Ausfahrt zum Rastplatz, manchmal auf einem Standstreifen oder in der Nothaltebucht einer Autobahn. Dass das für den nachfolgenden Verkehr gefährlich ist, versteht sich von selbst. Wildes Parken fordert immer wieder Tote.

Man muss sagen: Die Situation für Lkw-Fahrer ist verzwickt. Einerseits müssen sie alle viereinhalb Stunden eine Pause von 45 Minuten machen – so will es das Gesetz. Andererseits ist es zunehmend schwierig, genau zur Pausenzeit einen Platz zu finden. Allein an bayerischen Autobahnen fehlen nach Angaben des Innenministeriums rund 2000 Stellplätze (deutschlandweit sind es etwa 11 000). „Der Fahrer muss dann schauen, wo er unterkommt“, sagt Alexander Kreipl, Verkehrsexperte beim ADAC Südbayern.

Das Problem verschärft sich auf viel befahrenen Strecken wie der A 9. Genau dort testet der Freistaat im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums zur Zeit ein neues System, das es Lkw-Fahrern ermöglichen soll, freie Parkplätze schneller zu finden. Seit Mitte des Jahres ist es in Betrieb: Von Neufahrn im Kreis Freising bis Nürnberg sind inzwischen 17 von 21 Parkanlagen mit der neuen Technik ausgestattet. Wenn im kommenden Jahr alle Raststätten und Autohöfe angeschlossen sein werden, umfasst das Leitsystem etwa 1000 Stellplätze.

Der Grundgedanke ist einfach: Wenn es schon an Parkplätzen mangelt, sollen die vorhandenen 12 000 im Freistaat wenigstens effizient genutzt werden. Bedenkt man, dass der Güterverkehr bis 2025 allein auf Bayerns Straßen um 50 Prozent zunehmen wird, klingt das nach vergeblicher Mühe. Aber ein wenig Linderung ist besser als gar keine.

Entwickelt wurde das elektronische Leitsystem von Siemens. Es besteht aus zwei Mess-Komponenten: Sowohl in der Fahrbahn als auch auf Masten sind so genannte Scanner-Sensoren installiert. Sie registriert ein- und ausfahrende Fahrzeuge. Aus der Differenz berechnet es dann die Zahl an freien Parkplätzen. Außerdem kann das System zwischen Lastern und normalen Personenwagen unterscheiden. Die Informationen laufen bei der Verkehrs- und Betriebszentrale Nordbayern zusammen; von dort aus gehen sie über verschiedene Kanäle an den Laster-Fahrer, etwa über eine Smartphone-App oder über das Navigationssystem.

Ob das System tatsächlich für Besserung sorgt, lässt sich nach Auskunft des Innenministeriums erst Ende des Jahres sagen. Zumindest technisch funktioniere es bislang einwandfrei, erklärte eine Sprecherin unserer Zeitung. Außerdem sei das Interesse der Fernfahrer groß. Der Freistaat plant bereits, weitere Streckenabschnitte mit dem Leitsystem auszurüsten: darunter die A 3 zwischen Aschaffenburg und Biebelried sowie die A 7 von der Landesgrenze zu Hessen bis zum Kreuz Feuchtwangen/Crailsheim bei Ansbach.

Auch beim ADAC hält man das für sinnvoll. Kreipl sagt, das sei „ein Weg, die Plätze, die man hat, intelligent zu organisieren“. Im rheinland-pfälzischen Montabaur, sagt er, habe man auch schon positive Erfahrungen mit einem ähnlichen System gemacht. Allerdings betont Kreipl auch, dass der Neubau von Parkplätzen unbedingt nötig ist. „In den letzten Jahren ist da schon einiges passiert.“

Derzeit wird zum Beispiel der Parkplatz Fürholzen West bei Neufahrn erweitert. Statt bisher sechs soll es Ende 2017 hier 110 Lkw-Stellplätze geben. Ab nächstem Jahr soll es auf der Rastanlage Fürholzen Ost weitergehen. Das Ziel: von jetzt 19 auf 132 Parkplätze zu kommen.

So einfach ist es aber nicht immer und überall. Oft stehen Eigentums- und Baurechte der Erweiterung im Weg. Außerdem ist ein neuer Stellplatz teuer. Das Innenministerium spricht von je 30 000 bis 50 000 Euro. Das läppert sich. Und plötzlich erscheinen die sechs Millionen, die für das Parkleitsystem veranschlagt sind, gar nicht mehr so viel.

Im Übrigen gibt es auch noch andere Pilotprojekte, um die bestehenden Stellplätze möglichst gut zu nutzen. Auf der Rastanlage Jura an der A 3 bei Neumarkt testet der Freistaat gerade das so genannte Kompaktparken. Dabei wird ein Teil der Fahrgasse zum Parkplatz umfunktioniert. Unterm Strich sollen 50 Prozent mehr Lkw dort parken können als zuvor.

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