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Futterplanze oder Energielieferant? Egal, zu welchem Zweck der Mais in Bayern angebaut wird, eines steht fest: Er wird immer mehr.

Lösungen für Monokulturen gefordert

München – Auf dem Grill mag ihn fast jeder, im Landschaftsbild sorgt er mittlerweile für Unmut. Für Biogasanlagen und Rindermast nimmt der Maisanbau in Bayern stetig zu. Folgen für Boden und Landwirte: nicht rosig. Die SPD will nicht weiter zusehen – und fordert Lösungsstrategien.

Vermaisung. Kaum einer kennt das Wort, doch fast jeder hat das Phänomen schon gesehen. Gestern hat sich der Landwirtschaftsausschuss im bayerischen Landtag mit einem Thema beschäftigt, das vielen längst sauer aufstößt. Die SPD beobachtet besorgt die Felder auf dem Land. Dabei fällt ihr eines besonders auf: Immer mehr Mais bestimmt das Landschaftsbild. Denn während die Nutzpflanze früher vor allem Rinder satt gemacht hat, wird sie heute in Energie verwandelt. Inzwischen wird der Mais zu großen Teilen für die Biogasanlagen angebaut. Tendenz steigend.

2002 wuchsen die Kolben noch auf 391 000 Hektar in Bayern. Nur neun Jahre später schon auf rund 32 Prozent mehr Fläche. 514 000 Hektar Mais prägen heuer die bayerische Landschaft – 25 Prozent davon werden für Energiegewinnung genutzt. Und wenn nur noch Mais auf Bayerns Feldern wächst, ist das schlecht für die Nährstoffe in den Böden, für die Bienen und die Vögel.

Dieser Entwicklung wollten die Sozialdemokraten nicht länger zusehen. Gestern stellten sie einen Antrag im Landwirtschaftsausschuss. Die Staatsregierung soll einen Bericht liefern, was sie gegen die zunehmende Vermaisung unternehmen will.

Maria Noichl (SPD) sieht bei Zunahme der Maisfelder ein zentrales Problem: Ohne brauchbare Alternativen wird die Pflanze weiter angebaut, so lange die Biogasanlagen zunehmen. Derzeit gibt es rund 2030 Anlagen – weitere 400 warten auf ihre Genehmigung. „Allein für den Betrieb der neuen Anlagen sind 25 000 Hektar Mais zusätzlich nötig“, sagte Maria Noichl. Für sie steht fest: „Wir müssen mehr in die Forschung investieren, um blühende Alternativpflanzen zu entwickeln.“

Zudem sollen künftig klare Regelungen für die Betreiber von Biogasanlagen dafür sorgen, dass weniger Mais verwendet wird. „Es sollen nur noch 50 Prozent Mais vergärt werden dürfen“, sagte Noichl. So sieht es ein Gesetzesentwurf für die Änderung des Europäischen Energiegesetzes vor.

Denn eines sei klar: Wenn die Energiewende kommen soll, gehören die Biogasanlagen dazu. „Sie müssen aber von der Bevölkerung akzeptiert werden“, sagte Noichl. Dazu müsse auf eine Vielfalt von Pflanzen gesetzt werden, „damit nicht jeder am Stammtisch schimpft, dass es wegen der Anlagen den ganzen Mais gibt“.

Deshalb unterstützte auch die FDP den Antrag der Sozialdemokraten. „Wir haben beschlossen die Energiewende einzuleiten, jetzt müssen wir uns auch mit den Folgen befassen“, sagte Thomas Dechant.

Dem kommt auch der Regierungspartner gerne nach. Der CSU ist das Thema ebenfalls wichtig. Gudrun Bendel-Fischer stellte fest, dass gerade dort, wo Biogasanlagen und Rinder zusammentreffen, auch die Maiskonzentration auffällig ist. Ihr ist wichtig, dass es mehr Forschungsprojekte gibt, die innovative Blühplanzen hervorbringen. „Dann freuen sich Imker, Landwirte und Bevölkerung“, sagte Bendel-Fischer.

Doch die Sozialdemokratin Maria Noichl sieht die Probleme nicht nur wegen der Monokultur oder des Landschaftsbildes, sie sorgt sich auch um die Landwirtschaft. „Das Geschäft mit dem Mais ist im Moment sehr lukrativ, wer etwas anderes anbaut, tut sich schwer, mit der Pacht mitzuhalten. Die Landwirtschaft darf sich keinesfalls selber auffressen.“

Die Staatsregierung wird nun vor dem Landwirtschaftsausschuss einen Bericht abgeben, wie sie die Vermaisung künftig verhindern will.

Christiane Breitenberger

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