Ludwig von Bayern (mit Janker), neben ihm fahnenschwingend Staatsminister Florian Herrmann.
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Ludwig von Bayern (mit Janker), neben ihm fahnenschwingend Staatsminister Florian Herrmann.

Der Löwe läuft auch in praller Sonne

„Löwenmarsch“ - Prinz Ludwig von Bayern läuft für ein großes Ziel

  • Katharina Haase
    vonKatharina Haase
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Wandern für den guten Zweck: Ludwig Prinz von Bayern sammelte am Wochenende mit einem 100 Kilometer langen Marsch Geld für ein Entwicklungsprojekt in Kenia.

Kaltenberg – Die Sonne knallt heiß vom weißblauen Himmel an diesem Samstagnachmittag. Kaiserwetter über Schloss Kaltenberg. Um 14.02 Uhr lässt ein lauter Böllerschuss die Luft glitzern. 200 Menschen setzen sich in Bewegung. Der Marsch beginnt.

Vornweg läuft Ludwig Prinz von Bayern, Ururenkel des letzten bayerischen Königs. In Lederhose, Karohemd und Janker wirkt der 37-Jährige, als wolle er mit Freunden einen Abend auf der Wiesn verbringen. Tatsächlich aber hat er heute Großes vor. Einen 100-Kilometer-Marsch. Den „Löwenmarsch“.

Prinz Ludwig von Bayern: Das steckt hinter seinem „Löwenmarsch“

Prinz Ludwig ist hauptberuflich natürlich nicht Prinz, sondern Entwicklungshelfer. Einen Großteil des Jahres verbringt er in Kenia für das Projekt „Learning Lions“, das er mitbegründet hat. In der Region Turkana im Norden des ostafrikanischen Landes wird damit jungen Menschen die kostenlose Ausbildung in den Bereichen IT-Dienstleistungen und Digitale Medien ermöglicht. In fünf Jahren haben bislang etwa 200 Schüler eine Lehre gemacht. Nun soll ein Campus entstehen, der 500 Schülern gleichzeitig Platz bietet. Dafür hat Prinz Ludwig den „Löwenmarsch“ auf die Beine gestellt.

„Löwenmarsch“: 100 Kilometer wandern mit Prinz Ludwig von Bayern - Bilder

„Löwenmarsch“ - Prinz Ludwig von Bayern wanderte mit rund 200 Menschen von Schloss Kaltenberg nach Schloss Hohenschwangau für den guten Zweck.
„Löwenmarsch“ - Prinz Ludwig von Bayern wanderte mit rund 200 Menschen von Schloss Kaltenberg nach Schloss Hohenschwangau für den guten Zweck.
„Löwenmarsch“ - Prinz Ludwig von Bayern wanderte mit rund 200 Menschen von Schloss Kaltenberg nach Schloss Hohenschwangau für den guten Zweck.
„Löwenmarsch“ - Prinz Ludwig von Bayern wanderte mit rund 200 Menschen von Schloss Kaltenberg nach Schloss Hohenschwangau für den guten Zweck.
„Löwenmarsch“: 100 Kilometer wandern mit Prinz Ludwig von Bayern - Bilder

Das Ziel: 100 Kilometer wandern in 24 Stunden. Von Schloss Kaltenberg bei Geltendorf bis nach Schloss Hohenschwangau im Ostallgäu. Pro gelaufenem Kilometer kommt für jeden Teilnehmer eine bestimmte Spendensumme zusammen. Freilich könnte der Prinz auch einfach einen Spendenaufruf starten. Doch das reicht ihm nicht. „Es ist heutzutage einfach wichtig, zu zeigen, dass einem die Dinge am Herzen liegen. Und dafür an die eigenen Grenzen zu gehen, ist in meinen Augen etwas sehr Positives.“, sagt er.

Ludwig Prinz von Bayern: „Ich hätte viel mehr trainieren müssen.“

Die eigenen Grenzen wird er wohl erreichen. Gut vorbereitet ist er nicht. „Ich hätte viel mehr trainieren müssen“, gesteht er und lacht. Bevor der Marsch startet, spricht Staatsminister Florian Herrmann (CSU), der im Namen des Freistaats Bayern 478.500

Ludwig Prinz von Bayern schnürt in der Arena Schloss Kaltenberg die Schuhe.

Euro spendet. „Der Löwenanteil des neuen Campus ist damit wohl gesichert“, sagt Herrmann, der eine Teilstrecke mit wandert. Wenn alles klappt, kann der Bau des Campus mithilfe des „Löwenmarsches“ noch diesen Herbst beginnen, sagt Prinz Ludwig.

Um kurz nach zwei öffnet sich das Tor der Kaltenberg-Arena. „Viele Legenden ranken sich darum, was wohl hinter dem Tor liegen mag. Heute wird das Geheimnis gelüftet“, sagt Prinz Ludwig.

Noch wirkt er fit, ebenso wie die anderen Teilnehmer, die mit etwa elf Kilometern pro Stunde der bayerischen Fahne hinterher laufen, die Florian Herrmann schwingt. Sie schreiten hinaus auf die Straßen Kaltenbergs, vorbei an Vorgärten mit unfreundlich dreinblickenden Gartenzwergen und dafür umso freundlicher winkenden Anwohnern. Nach einem Kilometer verwandelt sich der Pulk in eine lange Schlange.

Einige Teilnehmer marschieren voraus, als wollten sie die 100 Kilometer noch vor Einbruch der Dunkelheit hinter sich bringen. Auch ein Hund läuft mit. Er hat eine eigene Startnummer. Sein Frauchen traut ihm die 100 Kilometer locker zu: „Je nachdem wie es mit den Pfoten klappt. Aber das Ziel ist es schon.“ Der Hund schaut traurig.

In der Mitte der Menschenmenge läuft Prinz Ludwig. Mittlerweile hat er einen Hut aufgesetzt, zum Schutz vor der Augustsonne, welche die Wanderer auf offenem Feld gehörig ins Schwitzen bringt. Seinen dicken Janker trägt der Prinz allerdings noch immer.

„Löwenmarsch“ nach Hohenschwangau: „Gespendet wird auf jeden Fall“

Etwas mehr dem Wetter entsprechend gekleidet sind Christine Heim und Cornelia Marschall aus Mindelheim. Die beiden Frauen tragen Sportlerkleidung und leichtes Schuhwerk. Sie haben sich als Ziel gesetzt, 40 Kilometer bis nach Wessobrunn zu marschieren. „Dann schauen wir mal, ob wir weitermachen“, sagt Cornelia Marschall. Vom Löwenmarsch haben sie in der Zeitung gelesen. Dass man sportlich aktiv sein und dabei noch einen guten Zweck erfüllen kann, finden die beiden toll. „Und einen Prinzen trifft man auch nicht alle Tage.“

Der Prinz ist derweil vertieft in ein Gespräch mit Florian Herrmann über die Armut in Afrika. Noch wirkt er entschlossen und optimistisch. Seinen Janker hat er nach vier Kilometern in der Mittagssonne dann aber doch abgelegt.

Gleich 100 Kilometer vorgenommen haben sich Ben Freely aus England und Paulo Geusau aus Holland. Sie sind miteinander verwandt. Paulo war im Jahr 2018 als Volunteer bei den Learning Lions in Kenia und hat dort zwei Monate als Lehrer gearbeitet. „Das Ziel sind 100 Kilometer“, sagt Ben, „Aber wenn es nicht mehr geht, dann geht es nicht mehr. Es wird ja pro Kilometer abgerechnet. Also gespendet wird auf jeden Fall.“

Löwe Ludwig läuft für ein großes Ziel

Am Sonntagmorgen laufen die ersten Teilnehmer dann bereits um 7.15 Uhr in Schloss Hohenschwangau ein, bis es um 13.50 Uhr dann auch die letzten der rund 300 Wanderer geschafft haben. 44 der 102 dafür angemeldeten Teilnehmer haben 100 Kilometer zu Fuß hinter sich gebracht. Auch Prinz Ludwig von Bayern ist unter ihnen. Der Löwe hat seinen Marsch beendet. Wie viele Spenden dadurch zusammengekommen sind, lässt sich noch nicht sagen – in jedem Fall mehrere tausend Euro.* Prinz Ludwig ist seinem Ziel, endlich einen Campus in Kenia bauen zu können, ein großes Stück näher.

Vorfahrt für Wanderer: Beim Überqueren der Straßen mussten Autofahrer warten. Auch ein Hund lief mit.

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*Wie nach Redaktionsschluss bekannt wurde, kamen durch den „Löwenmarsch“ insgesamt “weit mehr als 50.000 Euro“ an Spenden zusammen.

kah

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