Uwe Böhm seit 2005 Landeschef der GDL

„Lokführer haben keine Pilotengehälter“

München - Uwe Böhm (40) war 16 Jahre lang Lokführer, zuletzt bei der S-Bahn München. Im Interview spricht der bayerische GDL-Vorsitzende über die Verhandlungen mit der Bahn.

Uwe Böhm (40) war 16 Jahre lang Lokführer, zuletzt bei der S-Bahn München. Seit 2005 führt er den Landesvorsitz bei der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer.

-Können Bahnkunden jetzt aufatmen?

Die Kunden der Deutschen Bahn müssen nur mit den üblichen Verspätungen rechnen. Während der Verhandlungen streiken wir nicht. Anders ist es mit den Privatbahnen. Streiks bei der Vogtlandbahn, also den Allgäu-Express-Zügen, der Berchtesgadener Landbahn und der Bayerischen Regiobahn sind vorprogrammiert.

-Worum geht es bei den jetzt vereinbarten Gesprächen mit der DB?

Wir haben zwei Ziele. Zum ersten kämpfen wir weiter für einen Rahmentarifvertrag für Lokomotivführer, der für alle Privatbahnen und alle Unternehmen der Deutschen Bahn - also auch die DB-Töchter gilt. Zum zweiten wollen wir den Abschluss eines Haustarifvertrags mit der DB. Die Deutsche Bahn hat uns, bezogen auf die Laufzeit eines Kalenderjahres, faktisch eine Minusrunde angeboten. Sie will zum Beispiel die Arbeitszeit erhöhen, was Gehaltssteigerungen kompensieren würde. Wir fordern fünf Prozent eine Steigerung, die dann eben in Form eines mehrgliedrigenTarifvertrags in der Fläche auf die ganze Branche übertragen werden müsste.

-Fünf Prozent? Mit den privaten Güterverkehrsunternehmen haben sie gerade nur zwei Prozent Steigerung vereinbart.

Richtig, das war ein Kompromiss. Zwei Prozent sind eine Zielmarke. Wichtig waren uns aber auch viele zusätzlich vereinbarte Einzelbestimmungen, zum Beispiel Qualifizierungsmaßnahmen für die Lokführer. Da geht es letztlich um die Sicherheit, das müsste jedem einleuchten.

-Allgemein heißt es, die Deutsche Bahn zahle besser als Privatunternehmen. Die florierende Bayerische Oberlandbahn zum Beispiel bestreitet das jedoch.

Vorsicht. Richtig ist sicher, dass die BOB, die ja zum französischen Veolia-Konzern gehört, ihr Personal besser bezahlt als die Bayerische Regiobahn, die ja ebenfalls zur Veolia gehört. Hier gibt es konzerninterne Unterschiede.

-Woran liegt das?

Die BRB wurde weit später gegründet als die BOB, die Bedingungen für die Lokführer haben sich zudem über die Monate immer weiter verschlechtert. Das ist sicherlich ein Grund. Deswegen ist uns ja auch eine ausformulierte Regelung beim Betreiberwechsel ganz wichtig. Es kann nicht sein, dass die Lokomotivführer alle zehn Jahre auf der Straße stehen - so lange läuft in der Regel der Verkehrsvertrag. Sie müssen bei einem neuen Betreiber zu den Konditionen unseres Rahmentarifvertrags weiterbeschäftigt werden können. Die Frage stellt sich gerade auch in Oberbayern, wo ja Veolia 2013 das E-Netz Rosenheim von der DeutschenBahn übernimmt. Nur: Was passiert mit den knapp 200 DB-Mitarbeiter? Dazu schweigt die bayerische Politik.

-Ist das nicht geregelt?

Ganz klar nein. Die Politik, auch das bayerische Wirtschaftsministerium, haben sich bei der Liberalisierung des Regionalverkehrs darum bisher nicht gekümmert. Das führt zum Beispiel dazu, dass Agilis, die jetzt das Bahnnetz rund um Regensburg betreibt, Lokomotivführer vom Arbeitsamt geholt hat und auch Leiharbeiter. Ich habe von früheren Infineon-Mitarbeitern gehört, die jetzt Lokführer sind zu Konditionen, zu denen Sie nicht arbeiten würden.

-Wie viel verdient eigentlich ein Lokführer?

Im Schnitt 2700 Euro brutto, die Zulagen sind da schon eingerechnet. Lokomotivführer haben keine Pilotengehälter. Dass unser Streik für die Fahrgäste unangenehme Auswirkungen hat, bedauern wir . Aber es lässt sich nicht vermeiden.

Das Interview führten Dirk Walter und Philipp Vetter

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