Interview mit dem Lotto Bayern-Chef

Lotto Bayern im Internet - Das müssen Sie wissen

München - Seit Dienstag darf in Bayern wieder Online-Lotto gespielt werden. Auch wenn die Internet-Seite für die Anmeldung noch so ihre Macken hatte und stundenlang gewartet wurde. Wir sprachen mit Erwin Horak, dem Lotto Bayern-Chef, über Kontrollverfahren und die Zukunft der 3700 Annahmestellen in Bayern.

Herr Horak, können die Menschen in Südkorea nun bei Lotto Bayern ihr Kreuzchen setzen?

Nein, nur Menschen, die in Bayern wohnen, können auch in Bayern spielen. Seit Ende letzter Woche haben wir dazu die Genehmigung des bayerischen Innenministeriums. Die Leute verbringen viel Zeit im Internet, die Länder haben diesem Verhalten mit der Änderung des Glücksspielstaatsvertrags Rechnung getragen. Über allem steht der Schutz von Minderjährigen und die Suchtprävention.

Wie wird kontrolliert?

Erwin Horak

Man meldet sich online an, dann wird mit den im Internet üblichen Verfahren die Identität überprüft. Daraufhin bekommt man eine E-Mail, mit der man dann in die Anmeldestelle geht und sich dort noch einmal mit seinem Personalausweis registriert. Zusätzlich wird jeder Tipper mit einer Sperrdatei abgeglichen. Vor Abschluss der persönlichen Identifikation kann ein registrierter Kunde bis 25 Euro spontan Einsätze machen.

Wie sehen denn die im Internet üblichen Verfahren aus?

Wir werden über entsprechende Dienstleister anfragen, ob der Anmelder 18 Jahre alt ist.

Wird auch überprüft, ob der Antragsteller verschuldet ist?

Das Einholen einer Bonitätsauskunft erfolgt unsererseits erst dann, wenn der Kunde das Lastschriftverfahren akzeptiert hat.

2009 wurde Online-Lotto verboten. Das Bundesverfassungsgericht monierte, dass die Länder privaten Anbietern den Markt verwehren, aber gleichzeitig aggressiv Werbung machen. Wie sieht es nun aus mit der Werbung?

Da wird es bis Ende des Jahres Erleichterungen geben, die Länder arbeiten gerade an den Richtlinien. Künftig wird es wohl unter anderem erlaubt sein, auf Dinge hinzuweisen, die mit Lottoeinnahmen finanziert wurden.

Hält der neue Glücksspielstaatsvertrag einer weiteren richterlichen Überprüfung stand?

Ich rechne damit, dass der Vertrag von vielen Konkurrenten gerichtlich angegriffen werden wird.

Wie viel Geld ist Lotto Bayern seit dem Verbot 2009 entgangen?

Das bewegt sich im dreistelligen Millionenbereich.

Betreiber von Lottoannahmestellen fürchten nun um ihre Umsätze.

Grundsätzlich ist der Internetkunde keine Kunde der Annahmestellen. Trotzdem wollen wir die Annahmestellen in unser Internetangebot, die ja weiterhin unser bestes Vertriebssystem sind, integrieren. Zum Beispiel bei den Kontrollen der Personalausweise, den Face-to-Face-Kontrollen.

Wird es Provisionen für die Betreiber geben?

Für die Kontrollen wird es fünf Euro pro Kunde geben. Wir verhandeln mit deren Verband über eine Auszahlung der Internetgewinne in den Annahmestellen. Auch hier könnte es Provisionen geben.

Wie hoch könnten diese sein?

Das wird derzeit verhandelt, sie gehören aber zu den höchsten in Deutschland.

Mit welcher Umsatzsteigerung rechnen Sie durch das Internetangebot? Klingelt jetzt die Kasse?

2011 haben wir mit unseren Lotto-Produkten etwas mehr als eine Milliarde Euro Umsatz gemacht. Wir rechnen mit einem Anteil des Internetangebots am Gesamtumsatz, wie er in den Nachbarländern üblich ist. In Österreich liegt der Anteil bei 3,3 Prozent, in Frankreich bei 3,9 Prozent.

30, 40 Millionen Euro mehr also. Klingt verhältnismäßig wenig.

Das ist es auch. Es ist ein Zusatzgeschäft für uns und ein Angebot für Leute, die bisher nicht Lotto gespielt haben.

Sie sagen, mit dem Internetangebot will man den Spielanbietern, die ihre Seiten im Ausland betreiben, die Stirn bieten. Wechseln deren Kunden nun zu Ihnen?

Wenn einer bislang Lotto im Internet spielen wollte, musste er auf illegale Angebote zurückgreifen. Wir bieten ihm eine legale Möglichkeit. Bei den Sportwetten bin ich zuversichtlich, dass wir im Markt bestehen werden. Wir werden uns mit Oddset um eine der 20 Konzessionen bemühen. Dann wird für alle Anbieter der gleiche Steuersatz von fünf Prozent gelten.

Interview: Patrick Wehner

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