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Lotto: Neues Spiel – neues Glück?

München - Ein europäisches Lottospiel soll bald Millionen von Tippern locken. Der Jackpot ist riesig – Experten warnen vor dem Suchtpotential.

Nicht nur das Lottospiel an sich ist ein wenig in die Jahre gekommen, auch viele der Spieler sind nicht mehr die Jüngsten. Den Lotterieverwaltungen ist es in den letzten Jahren nicht gelungen, eine junge Zielgruppe fürs Kreuzchensetzen zu begeistern. Das ergaben Markterhebungen von Lotto Bayern. „Der gesamte Glücksspielmarkt stagniert“, sagt Erwin Horak, Chef der bayerischen Lotterieverwaltung.

Das könnte sich jetzt ändern. Ab 23. März soll „Eurojackpot“, ein neues, internationales Lottospiel, verstärkt junge Menschen zum Tippen bringen. Neben Deutschland führen noch Dänemark, die Niederlande, Finnland, Estland, Slowenien und Italien das neue Angebot ein. Die Zahlen werden in Helsinki (Finnland) gezogen. Jede Woche sollen zehn Millionen Euro locken, der Jackpot kann auf einen Maximalgewinn von 90 Millionen Euro anwachsen. Der höchste Lottojackpot Deutschlands betrug bisher im Vergleich magere 38 Millionen Euro.

50 Prozent werden an die Spieler ausgeschüttet, 37 Prozent sollen in Bayern in den Staatshaushalt fließen. Der Rest geht an die jeweiligen Unternehmen. „Wir erwarten uns 90 Millionen mehr Umsatz“, sagt Erwin Horak. Beim „6 aus 49“-Spiel rechnet er mit einem Rückgang um bis zu 15 Prozent. Der Mindesteinsatz beim „Eurojackpot“ soll zwei Euro plus Bearbeitungsgebühr betragen. Pro Spielfeld müssen 5 aus 50 Zahlen angekreuzt werden, zusätzlich 2 sogenannte Eurozahlen aus 8. Um den Jackpot zu gewinnen, müssen alle Zahlen stimmen. Diese Wahrscheinlichkeit liegt bei 1 zu 59 Millionen. Horak hat auch das Internet im Visier. Der Glücksspielstaatsvertrag verbietet derzeit zwar ein Lottoangebot dort. „Wir sind zuversichtlich, dass sich das ab 1. Juli ändert“, sagt der bayerische Lotto-Chef. Bis dahin wird über Änderungen des Vertrags verhandelt. Die Lotterieverwaltung erhofft sich dann auch eine Lockerung bei den Regeln zur Werbung.

Neu ist bei dem Spiel zudem, dass es mehr Kleingewinne als etwa beim Lotto „6 aus 49“ geben wird. Die Wahrscheinlichkeit eines Gewinns von acht Euro liegt bei 1:35. An dieser neuen Strategie übte der Fachbeirat Glückspielsucht bereits 2010 Kritik. „Es werden nur sehr wenige mittlere Gewinne ausgeschüttet. Kleingewinne machen hingegen einen großen Anteil aus. Der Jackpot ragt mit seinem hohen Ausschüttungsanteil besonders hervor“, heißt es in einer Erklärung. Mehr Menschen als bisher gerieten so in den Glücksspielsektor. Der Fachbeirat setzt sich aus Suchtexperten zusammen und spricht den Bundesländern Empfehlung hinsichtlich des Glücksspiels aus. Weniger problematisch sieht es Daniel Matasic, Experte der bayerischen Landestelle für Glücksspielsucht. „Ein großer Gewinn wird einen sicherlich dazu bringen, eher zu spielen. Die Zeitspanne zwischen Ausfüllen und Ziehung ist aber relativ groß.“ Spielautomaten etwa hätten deswegen ein weit größeres Suchtpotential, da man einen Knopf drücke und das Ergebnis sofort sehen könne. „So steigt der Druck auf die Spieler“, sagt Matasic.

Patrick Wehner

Rubriklistenbild: © dapd

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