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Ludwig Erhard im Original:
Kurioses vom Kanzler

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Von: Dirk Walter

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Nachlass von Ludwig Erhard im Ludwig-Erhard-Haus
„Geld ist noch verborgen ...“ – eine Ausstellung zeigt Gegenstände aus dem Erhard-Nachlass. © Bernd Nußnätter/Stftung Ludwig-Erhard-Haus

Er ist das personifizierte Wirtschaftswunder, hatte aber auch weniger bekannte Seiten: Zum 125. Geburtstag des einstigen Bundeskanzlers Ludwig Erhard (1897 – 1977) zeigt ein Museum unbekannte Stücke aus dem Nachlass – unter anderem einen geheimnisvollen Notizzettel.

München/Fürth – Jahrelange zogen sich die Verhandlungen hin. Teils standen astronomische Summen im Raum. Letztendlich aber hat sich Evi Kurz, Leiterin des Ludwig-Erhard-Hauses in Fürth, mit ihrer Verhandlungstaktik durchgesetzt. Sie konnte von einem Privatmann in Kapstadt/Südafrika den Privatnachlass von Ludwig Erhard erwerben. 250 Einzelstücke für einen insgesamt niedrigen sechsstelligen Betrag. Möbel, Porzellan, den Frack, in dem Ludwig Erhard 1963 als Bundeskanzler vereidigt wurde, aber auch einige Kuriositäten.

Als das Inventar aus dem einstigen Bonner Wohnsitz von Erhard in acht verplompten hellblauen Übersee-Containern in Fürth eintraf, war Evi Kurz froh. „Es handelt sich um ein kulturpolitisches Erbe“, sagt die Vorstandsvorsitzende der Stiftung Ludwig-Erhard-Haus. „Und es ist die Abrundung und Krönung unserer Sammlung.“ Am heutigen Montag wird die Sammlung im Rahmen eines Festakts im Fürther Stadttheater (mit Ministerpräsident Markus Söder und Ex-IZB-Mitglied Otmar Issing) präsentiert.

Der Verbleib des Privatnachlasses von Ludwig Erhard ist eine Geschichte für sich. Erhard, geboren 1897 in Fürth, war 1945 und 1946 zunächst Wirtschaftsminister in Bayern, ehe er in die nationale Politik wechselte – erst als Direktor für Wirtschaft in den westlichen Besatzungszonen, ab 1949 dann als Bundeswirtschaftsminister und Vater des deutschen „Wirtschaftswunders“ in den Kabinetten von Konrad Adenauer. Von 1957 bis 1963 schon Vizekanzler, war er (bis 1966) natürlicher Nachfolger des knorrigen Alten aus Rhöndorf.

Obwohl in Bayern sozialisiert, zog es Ludwig Erhard nie in die CSU, sondern zur CDU – wobei er, wie Evi Kurz betont, nie offiziell Parteimitglied war. „Es gibt jedenfalls kein Beitrittsformular.“ Gelebt hat Ludwig Erhard bis zu seinem Tod in der Johanniterstraße 6 in Bonn, wobei er auch in Gmund am Tegernsee ein Privathaus besaß. Dort wurde er nach seinem Tod 1977 auch beigesetzt.

Ludwig Erhard
Mit obligatorischer Zigarre: Ludwig Erhard. © dpa/picture-alliance

Im Juni 1993 schaltete der damalige Verein Ludwig-Erhard-Stiftung in Bonn ein kleines Inserat über eine „Wohnungsauflösung“ – Ludwig Erhards Antiquitäten, Silberbesteck, teures Geschirr, Ehrendoktormäntel und persönliche Geschenke wurden aus unerfindlichen Gründen verhökert. Keiner war sich damals bewusst, was da verloren gehen würde. So wanderte der Nachlass nicht in ein Museum, sondern nach Kapstadt, wo ihn „ein Privatmann mit adligem Hintergrund“ (Evi Kurz) in Kisten verwahrte und schließlich für zwei Millionen Euro anbot.

Das 2018 eingeweihte Ludwig Erhard Zentrum, in dem eine Dauerausstellung die Biografie Erhards und sein Konzept der sozialen Marktwirtschaft vermittelt, finanzierte nun den Ankauf. Das Zentrum wird dafür um die Abteilung „Ludwig Erhard im Original“ erweitert. Mit dabei auch ein kleiner handschriftlicher Zettel,auf dem Erhard auf zwei Geldverstecke in seinem Privathaus hinwies. „Geld ist noch verborgen“, so hatte der Senior es für seine Angehörigen notiert, „a) in der großen Kommode hinter dem alten Kaffeeservice“ und „b) in dem Kleiderschrank (in der Nische des Korridors) links unter dem Papier.“ Ob und wie viel Geld die Erben damals gefunden haben, ist nicht bekannt.

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