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Kultusminister Ludwig Spaenle reagierte mit neuerlichen Maßnahmen auf die Kritik an der zu schwierigen G 8-Oberstufe.

Schüler dürfen Fächer nachträglich abwählen

Spaenle bessert G 8-Oberstufe nach

München - Kurskorrektur am achtjährigen Gymnasium: Kultusminister Ludwig Spaenle reagiert mit neuerlichen Maßnahmen auf die Kritik an der zu schwierigen G 8-Oberstufe. Die Eltern sind nur zum Teil zufrieden.

Thomas Lillig hat lange verhandelt. Drei Mal war der Landeschef der Elternvereinigung für die Gymnasien in den vergangenen Wochen beim Kultusminister. Die Abschaffung von Mathe als Abitur-Pflichtfach, leichteres Vorrücken auf Probe, Niveaureduzierung in den Fächern – das waren die Kernforderungen, mit denen Lillig quasi hausieren ging. Spaenle, so Lillig, „nimmt die Forderungen ernst“. Nur erfüllt hat er sie mit einem am Freitag präsentierten Maßnahmenpaket bestenfalls teilweise.

Wichtigste Korrektur: Ausnahmsweise bis zum Schulhalbjahr Mitte Februar soll es für den ersten G 8-Oberstufen-Jahrgang die Möglichkeit zur Ab- und Umwahl von Fächern geben. Wer etwa Wirtschaft und Geographie gewählt habe, obwohl nur ein Fach Pflicht sei, könne jetzt eines abwählen, um die Belastung zu reduzieren. Einzelne Schüler hätten derzeit bis zu 38 Schulstunden in der Woche, sagte Spaenle. Im Schnitt müssten es 33 Stunden in der Woche sein, nur sehr gute Schüler dürften sich mehr zumuten. Eine Umfrage unter den Gymnasien ergab zudem, dass die Hälfte der G 8-Oberstufen-Schüler an zwei bis drei Tagen Nachmittagsunterricht habe, der Rest sogar an vier Tagen. Dies sei zu viel.

Außerdem verfügte Spaenle, „dass jede 11. Klasse auf die Möglichkeit zur persönlichen Stundenplanberatung angesprochen wird“. Das Niveau der G 8-Oberstufe sei das der „Grundkurse des alten G 9“, stellte Spaenle klar. „Der alte Leistungskurs ist tot.“ Die Anforderungen in Pflichtfächern wie etwa Englisch seien durch den neuen Lehrplan definitiv reduziert worden, ohne dass dies in den Schulen ausreichend vermittelt worden sei. Am 18. Januar startet mit einer Veranstaltung in Weilheim eine Informationskampagne zum G 8 – eingeladen werden Schulleitungen, Lehrer, Eltern und Schüler.

Der Bayerische Philologenverband begrüßte die Neuerungen. Insbesondere die Abwahlmöglichkeit sei „eine gute Lösung“, sagte Verbandschef Max Schmidt. Selbstkritisch fügte er hinzu, viele Schulen hätten den Schülern zu viele Wahlmöglichkeiten gelassen. Aus organisatorischen Gründen habe der Unterricht daher in die Nachmittage verlagert werden müssen. Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, warnte: „Ich habe eher Angst vor der Benachteiligung von G 9-Schülern.“ Diese würden im Vergleich zu G 8-Schülern schlechter abschneiden, da hier schriftliche und mündliche Noten im Verhältnis 1:1, beim G 9 jedoch im Verhältnis 2:1 gewichtet würden. Traditionell fielen mündliche Noten besser aus.

Elternvertreter Lillig indes will weiter vorfühlen: Die Abschaffung von Mathe als Abipflichtfach müsse auf Bundesebene geklärt werden – eine Forderung, die auch die Landtags-Grünen unterstützen. Und beim Vorrücken auf Probe „erwarten wir massive Erleichterungen“.

Dirk Walter

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