„Placebo“-Effekt befürchtet

Alles nur heiße Luft? Filter für Schulen sind beschlossen - Doch die Zeit wird knapp

Bayerns Schulen sollen nach den Sommerferien Luftfilter in allen Klassenräumen bereitstellen. Es folgt eine hitzige Debatte um Realisierung und Kosten der Corona-Schutzmaßnahme.

München - Die aktuellen Corona-Inzidenzzahlen in Bayern sind beruhigend, doch am Horizont taucht eine neue Bedrohung auf: Was passiert, wenn die Infektionszahlen durch Urlaubsrückkehrer wieder steigen und im September das neue Schuljahr beginnt? Auch anderthalb Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie ist nur ein kleiner Teil der Schulräume mit modernen Luftreinigungssystemen ausgestattet. Heißt es dann wieder: Präsenzunterricht ade – zurück ins Homeschooling? Die Staatsregierung will das unbedingt verhindern – doch die Kommunen schlagen Alarm: So schnell wird das nix mit der Nachrüstung.

Bayern: Luftreiniger sollen Schüler vor Corona schützen - Hälfte müssen Kommunen aufbringen

Immerhin beschloss das bayerische Kabinett am Dienstag, den Schulen 190 Millionen Euro für die Ausstattung von Klassenzimmern mit Luftreinigungsgeräten zur Verfügung zu stellen. Laut Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) sollen mit dem Geld rund 60.000 Klassenzimmer und 50.000 Räume in Kindertagesstätten mit mobilen Luftreinigern versorgt werden. Die Geräte sollen die Virenlast in der Raumluft verringern und damit einen Beitrag leisten, die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus, insbesondere die Ausbreitung der Delta-Variante, zu senken. Herrmann rief die Kommunen – die eigentlich für die Schulen zuständig sind – auf, das Geld abzuschöpfen. Die Geräte seien vom Land bis zu 50 Prozent förderfähig. Den Rest, etwa für Betrieb und Wartung, müssen die Kommunen selbst aufbringen.

Luftfilter sind ein probates Mittel gegen die Verbreitung des Corona-Virus in Schulen. Ob alle Klassenzimmer bis Herbst damit ausgestattet sind, ist fraglich.

Bayern: Kritik an Staatsregierung - Luftfilter in Schulklassen nur ein „Placebo“-Effekt?

Doch damit ist Gemeindetagspräsident Uwe Brandl (CSU) alles andere als zufrieden. Er kritisiert das „Schnellverfahren“ der Politik. Es gehe immerhin um die Beschaffung von insgesamt 110.000 Einzelgeräten. Dabei gelte es Ausschreibungsvorschriften zu beachten. Zudem gebe es noch gar keine klaren technischen Vorgaben für die Geräte. Es heiße lediglich, sie müssten sechsmal pro Stunde die Luft im Raum umwälzen, so Brandl.

Die Kommunen fühlten sich deshalb vor vollendete Tatsachen gestellt, der Druck von außen, etwa durch die Eltern, diese Aufgabe bis zum Beginn des neuen Schuljahres zu meistern, sei sehr groß. „Wir werden in die Beschaffung gedrängt“, schimpft Brandl, die Kommunen seien teilweise überfordert, weil ihnen die Expertise fehle. Überhaupt ersetze die Anschaffung der Geräte das Lüften nicht – „Placebo“-Politik sei das, so der Gemeindetagspräsident. Diese These stützt auch eine Studie des Bundesumweltamtes. (aw) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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