Reisegruppe verpasste Flieger 

Lufthansa lässt Ex-Polizisten in Paris sitzen

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Paris - 55 Bayern hasten zum Pariser Flughafen. Sie kommen zu spät, ihre Maschine hebt ohne sie ab. Jetzt stehen die Urlauber da, ohne Flug, ohne Unterkunft – das Bodenpersonal hilft nicht weiter.

Als Hauptkommissar und Dienststellenleiter in München Solln hatte Josef Hundegger gut 100 Leute unter sich. Er weiß, was es heißt, sich zu kümmern. Umso weniger kann der 61-Jährige nachvollziehen, was ihm und seinen 54 Mitreisenden am vergangenen Montagabend passiert ist.

Die Gruppe, alles ehemalige Polizisten und ihre Frauen, hat gerade fünf Tage Frankreich hinter sich. Ihr Rückflug, LH 2237 nach München, soll um 20.55 Uhr starten, es ist der letzte an diesem Abend. Doch wegen eines Staus auf der Autobahn kommt die Gruppe viel zu spät im ziemlich weitläufigen Flughafen Charles de Gaulle an. Raus aus dem Bus, rein in die Halle. „Alle rannten wie die Verrückten“, sagt Hundegger. Eine halbe Stunde vor dem Start sind die Urlauber – alle zwischen 60 und 75 Jahren – am Lufthansa-Schalter. Und die Misere beginnt.

Der Mann am Schalter lässt die Passagiere nicht zusteigen. Nach den Richtlinien seiner Airline darf er das gar nicht. Wer Economy-Klasse fliegt, muss bis 45 Minuten vor Start eingecheckt haben. Nur Business-Flieger dürfen sich noch 15 Minuten länger Zeit lassen. Als sich die Reiseleiterin heftige Diskussionen mit dem Schalter-Bediensteten liefert, dürfen vier Mitglieder der Gruppe, die am nächsten Tag wichtige Termine haben, doch noch in den Flieger. Ohne Gepäck. Dann macht der Lufthansa-Mitarbeiter, was er ohnehin vorhatte: nach Hause gehen.

"Wir standen da wie der Ochs vom Berg"

Die Reisegruppe, jetzt noch 51 Männer und Frauen, ist auf sich gestellt. Und nun?

„Wir standen da wie der Ochs vorm Berg“, sagt Hundegger. „Niemand war bereit, sich um uns zu kümmern.“ Dass der Lufthansa-Mitarbeiter ihn und seine Gruppe einfach stehen ließ, macht ihn auch ein paar Tage nach dem Vorfall ein wenig sprachlos. Was sie gerne gehabt hätten: Hilfe bei der Suche nach einer Unterkunft. Informationen zu Flügen am nächsten Tag. Was sie bekamen: nichts.

Bei der Lufthansa hat man eigentlich Erfahrung mit Notfällen. Ein paar Hotelzimmer sind immer auf Halde reserviert, um die Passagiere unterzubringen. Heißt: Hilfe gibt es schon, vorausgesetzt, der Fehler liegt beim Unternehmen. In diesem Fall war das offenbar nicht so. „Die Gruppe hätte von unterwegs anrufen müssen“, sagt eine Sprecherin der Airline. Hundegger sagt, die Reiseleiterin habe genau das versucht. Ohne Erfolg.

Aufzuklären ist das kaum. Hundegger fragt sich allerdings, wie genau man es in einem solchen Fall mit den Vorschriften nehmen muss. Anders die Lufthansa-Sprecherin: Schon die vier Reisenden mitgenommen zu haben, sei „eine große Ausnahme, ein großes Entgegenkommen“ gewesen. Außerdem sei der Mitarbeiter am Check-in der letzte an diesem Abend gewesen. Ein Hotel hätte er ohnehin nicht mehr buchen können.

Hundeggers Gruppe musste sich also selbst helfen. Sie riefen ihren Reisebus zurück, der schon wieder auf dem Weg nach Schweinfurt war, setzten sich in den Bus, kamen aber nicht weit, weil der Fahrer nach zwei Stunden abbrechen musste. Ein anderer Fahrer kam dem Bus mit seinem Privat-Pkw entgegen und löste den Kollegen ab. Abgekürzt: Am Dienstag, 10 Uhr, war die Gruppe in München – zwölf Stunden, nachdem Flug LH 2237, ihr Flug, gelandet war.

Ein finanzieller Schaden ist Hundegger und seinen Mitreisenden nicht entstanden. Für den Bus kommt der Reiseveranstalter auf. Fragt sich nur, ob die Polizisten-Gruppe bei der nächsten Reise noch Lufthansa fliegt.

Marcus Mäckler

Rubriklistenbild: © dpa

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