Die Angeklagten im Steuerprozess.

Lukratives Auto-Karussell: Steuerhinterzieher vor Gericht

Rosenheim - Drei Geschäftsführer von Autohäusern in Rosenheim und Burgkirchen (Kreis Altötting) sollen mit einem Gehilfen Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben. Jetzt stehen sie vor Gericht.

Die Angeklagten im Steuerprozess.

Sie alle liebten teure Autos. Schnittige Wagen aus deutschen und italienischen Edelschmieden. Und sie glaubten, eine raffinierte Methode gefunden zu haben, wie sie sich mit Hilfe der Autos am Fiskus bereichern können. So schoben vier Männer aus Südostbayern Autos über europäischen Grenzen, hin und her, kassierten die Umsatzsteuer und gaben sie nicht weiter. Millionenbeträge blieben hängen. Im Mai nahm die Polizei drei von ihnen fest, einer blieb frei, weil er nur Gehilfe war. Seit gestern stehen sie alle wegen Steuerhinterziehung vor dem Landgericht München II. Die beiden mutmaßlichen Haupttäter haben größtenteils gestanden.
Durch ihr System sollen die Männer beim Kauf jedes Fahrzeugs 19 Prozent des Kaufpreises vom Finanzamt bekommen haben. Laut Staatsanwaltschaft haben drei der Angeklagten rund 820 000 Euro Umsatzsteuer hinterzogen. Geplant waren weitere zwei Millionen, doch das ging schief. Einer von ihnen, ein 51-jähriger Autohändler aus Burgkirchen (Kreis Altötting), soll außerdem Steuern in Höhe von mehr als 2,8 Millionen verkürzt haben. Der vierte Mann, ein 31-Jähriger aus dem Kreis Altötting, soll den dreien geholfen haben, indem er seine österreichische Autofirma zur Verfügung stellte, damit die anderen Autos durch vermeintliche Liefer-ungen nach Österreich und wieder zurück umsatzsteuerfrei kaufen konnten.

Die Angeklagten im Steuerprozess.

Der Autohändler aus Burgkirchen, der auch wegen vorsätzlichen Bankrotts angeklagt ist, räumte die Vorwürfe weitgehend ein. Er habe rund 200 000 Euro damit verdient. „Ich habe Autos besorgt und abgeholt.“ Er habe das Ganze mitgemacht, weil er finanziell in einer „sehr, sehr schwierigen Situation“ gewesen sei - Geschäftspartner hätten ihn betrogen und unter Druck gesetzt. Rädelsführer sei aber der 34-jährige Geschäftsführer eines noblen Autohauses in Rosenheim gewesen. Dieser gab einen Teil der Steuerhinterziehungen über seinen Verteidiger zu. Nur bei der Schadenshöhe bestünden „Zweifel“.

Die beiden anderen Angeklagten werden im Laufe des Prozesses aussagen.

von Nina Gut

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