Idylle in den roten Zahlen: das Fünf-Sterne-Hotel am Obersalzberg.

Luxushotel bleibt Defizitgeschäft

Berchtesgaden - Auch sieben Jahre nach der Eröffnung bleibt das Fünf-Sterne-Luxushotel auf dem Obersalzberg ein Verlustgeschäft. Über drei Millionen Euro musste die Landesbank, der das Objekt gehört, zuletzt ausgleichen.

450 erlesene Weine, moderne französische Küche, jede Menge Extras wie etwa ein arrangierter Gleitschirmflug vor den Traualtar mit anschließender Hochzeit im Hotel-Restaurant – das Intercontinental Berchtesgaden Resort spart an nichts. Und das hat seinen Preis. Seit der Eröffnung im Jahr 2005 muss die Bayerische Landesbank das Haus jährlich mit Millionenbeträgen bezuschussen. 2011 musste die Berchtesgaden International Resort Betriebs GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Landesbank, ein Defizit von 3,18 Millionen Euro verkraften, wie BayernLB-Sprecher Florian Ernst berichtet. Auch in den Jahren zuvor war das Defizit ähnlich hoch. Insgesamt summieren sich die Verluste bis jetzt auf rund 26 Millionen Euro – und ein Ende ist nicht absehbar.

Denn das Haus ist nicht ausgelastet, wenngleich es in den vergangenen Jahren langsam aufwärts geht. 2009, während der Finanzkrise, betrug die Belegungsrate des 138-Betten-Hotels nur 48 Prozent. 2010 waren es 53,5 Prozent, 2011 dann 55,7 Prozent. „In diesem Jahr werden wir 58 Prozent schaffen“, sagt der neue Hoteldirektor Michael Caspar (51). Vor allem mit US-Amerikanern und Russen sei das Geschäft ausbaufähig. In der internationalen Spitzenhotelerie gelten Belegungsraten von 70 Prozent als erreichbar.

Der finanzielle Verlust ist – politisch – durchaus gewollt und einkalkuliert. Er ist gewissermaßen der Preis, der für die NS-Vergangenheit des gesamten Areals zu zahlen ist. Eingefädelt hatte den Bau des Hotels Ex-Finanzminister Kurt Faltlhauser. Er verfolgte ein Zwei-Säulen-Konzept – den Bau eines Museums zur NS-Geschichte des Obersalzbergs (inzwischen mit 160 000 Besucher im Jahr sehr erfolgreich), und daneben den Bau des Hotels, das andere Touristengruppen anziehen soll als die früher oft gesehenen braunen Ewiggestrigen.

Dieses Konzept ist, betriebswirtschaftlich gesehen, durchaus rentabel. Interconti selbst weist mit dem Hotel Jahr für Jahr relativ respektable Gewinne aus. 311 000 Euro waren es im Jahr 2011. Für dieses Jahr erwartet Hotelmanager Caspar über 400 000 Euro plus. Dass indes die Landesbank Jahr für Jahr Verluste ausgleichen muss, wird auch damit erklärt, dass die Betriebsgesellschaft neben dem Hotel auch andere Objekte auf dem Obersalzberg verwalten muss: die sogenannten Hintereck-Häuser, das Gutshofareal und das Haus Antenbichl, insgesamt knapp eine Million Quadratmeter.

von Dirk Walter

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