Betrugsprozess gegen zwei Männer im Rentenalter

Luxusleben mit fremden Millionen

München - Das Verlesen der Anklage dauert Stunden. Zwei mutmaßliche Schwindler sollen Investoren um Millionen betrogen haben. Sie gönnten sich von dem Geld ein Luxusleben.

Mehrere Stunden haben am Freitag vor dem Münchner Landgericht zwei Staatsanwältinnen abwechselnd die Betrugsanklage gegen zwei Geschäftsleute vorgelesen. Den zwei mutmaßlichen Schwindlern im Rentenalter wirft die Staatsanwaltschaft vor, in zwölf Jahren 577 Investoren für die Beteiligung an der Entwicklung nicht existierender Projekte gut 25 Millionen Euro abgeknöpft zu haben, in 44 weiteren Fällen wird ihnen versuchter Betrug angelastet. Die weißbärtigen alten Männer sollen sich von dem erschwindelten Geld ein Luxusleben gegönnt haben.

Von den Firmen der 70 und 68 Jahre alten Angeklagten wurde der Staatsanwaltschaft zufolge keine einzige Geschäftsidee entwickelt. Die Kaufleute boten ihre „seeds“ (englisch für Samen) in den Hochglanzbroschüren als einmalige Neuheiten an, zum Beispiel einen „Wasser-Explosions-Motor“ und ein pflanzliches „Voll-Heil-Präparat“ als Perpetuum Mobile der Heilkunst. Die Geldgeber sollten mit ihren Anlagen die Ausarbeitung der „seeds“ und ihre Vermarktung ermöglichen, mit einer versprochenen Verdreifachung ihrer Einzahlungen oder Jahresgewinnen bis zu 172 Prozent.

Tatsächlich haben die Angeklagten das Geld für sich verbraucht, so die Staatsanwaltschaft - „für diverse Luxusfahrzeuge und zur Aufrechterhaltung ihres Geschäftsbetriebes, insbesondere für Mietzahlungen ihrer repräsentativen Geschäftsräume“. Mit den eingehenden Mitteln wurden außerdem Vermittler bezahlt und, in sehr geringem Umfang, Altanleger ruhig gestellt.

Als durch eine Anzeige das Verfahren in Gang kam und die Männer Anfang 2014 verhaftet wurden, haben sie sich unterschiedlich verhalten. Der Jüngere behauptet noch immer, die Geschäftsidee sei gewinnträchtig. Man müsse ihn nur aus dem Gefängnis entlassen, dann werde er es beweisen. Sein Mitangeklagter will zwar zunächst auch an die „seeds“ geglaubt haben, die Sache sei aber aus dem Ruder gelaufen. - Der Prozess ist auf 13 Tage angesetzt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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