Sarah auf dem Schoß ihres Vaters - auf diesem älteren Foto zeigte sich Patrick R. als stolzer Familienvater. Doch zusammen mit seiner Frau Angela hat der 29-Jährige offenbar seinte tochter verhungern lassen.

Eltern lassen Mädchen (3) verhungern

Thalmässing/Nürnberg - Schon wieder erschüttert uns ein schrecklicher Fall von Kindesmisshandlung: Die kleine Sarah (3) starb am Montag völlig entkräftet im Nürnberger Klinikum.

Sie war offenbar über Wochen nicht mehr ausreichend ernährt worden. Das verantwortliche Jugendamt war zwar über Auffälligkeiten in der Familie aus Thalmässing (Kreis Roth) informiert, stellte die Überwachung aber im April 2007 ein! Am Dienstag Nachmittag wurde Vater Patrick R. (29) dem Ermittlungsrichter vorgeführt, der Haftbefehl wegen Totschlags durch Unterlassen erließ. Ein vierjähriger Bruder des Mädchens wurde inzwischen bei den Großeltern untergebracht. Dort soll er vorerst bleiben.

Angela R.: Bereits im Jahr 2004 wurden ihr und Patrick R. zwei Kinder entzogen.

Am Samstag hatte der Lkw-Fahrer selbst den Rettungsdienst verständigt, nachdem sich der Gesundheitszustand des Mädchens bedrohlich verschlechtert hatte. Zugleich musste auch Mutter Angela R. (26) auf die Intensivstation gebracht werden. Nachbarn hatten die ehemals übergewichtige Frau immer mehr Gewicht verlieren sehen. Eine Zeugin: „Sie war total abgemagert.“ Nach dem Tod des Kindes schaltete das Klinikum die Nürnberger Kripo ein. Die stellte rasch fest: Der Familie waren 2004 bereits zwei Kinder entzogen worden, Jugendamts-Mitarbeiter besuchten deshalb zwischen Januar 2005 und April 2007 regelmäßig ihre Wohnung.

Nun wurde Patrick R. festgenommen. Die Mutter, gegen die ebenfalls Haftbefehl erlassen wurde, blieb unter Bewachung in der Klinik. Während Angela R. keiner Arbeit nachging, war Patrick R. häufig mit seinem Laster durch halb Europa unterwegs. Im Internet präsentierte er sich als liebenswerten Brummbären: „Ich bin Familienvater von einer großen Familie. Ich bin ein aufgeschlossener Mensch, man kann mit mir sehr viel Spaß haben. Allerdings sollte man mich nicht verarschen, da ich sonst sehr schnell sauer werden kann.“ Er sei glücklich verheiratet und habe mit seiner Frau vier hübsche Kinder, auf die er sehr stolz sei. Sein Leben beschränkte sich laut eigenen Angaben offenbar aufs Computer-Spielen, Couch-Rumhängen, Pornos schauen und Wodka-Redbull-Trinken.

Dennoch, so sagte der erschütterte Jugendamtsleiter Dr. Manfred Korth (54), sei die Unterbringung der Kinder „adäquat und hygienisch in Ordnung“ gewesen. Er war 2005 auf die Familie aufmerksam gemacht worden. „Es gab Entwicklungsschwierigkeiten und Erziehungsprobleme, da dachten wir, es wäre gut, die Familie zu unterstützen.“ Als das Amt zwei Jahre später den Eindruck hatte, die Familie habe sich stabilisiert, sei die Hilfe eingestellt worden. Korth: „Es war keinerlei Kindeswohlgefährdung erkennbar.“ Bis November 2008 habe es dennoch weiter losen Kontakt gegeben. Bei aller Betroffenheit wies das Jugendamt jede Mitverantwortung zurück: „Das ist der GAU, den niemand will. Doch für uns gab es keine Möglichkeiten, da einzuschreiten.“ 

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