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Besorgte Eltern holen ihre Tochter vom Gymnasium Carolinum ab.

Mädchen nach Axt-Attacke in Lebensgefahr

Ansbach - Die Schülerin, die am Donnerstagvormittag von dem 18-jährigen Amok-Täter am Gymnasium Ansbach verletzt wurde, schwebt weiter in Lebensgefahr. Sie wurde von der Axt getroffen.

Lesen Sie dazu:

Amok-Täter mit fünf Schüssen niedergestreckt

Abiturient stürmte Schule mit Axt und Molotow-Cocktail

Schüler verbarrikadierten sich in Klassenzimmer

Lehrer für mehr Sicherheit an Schulen

Der Amokläufer vom Gymnasium Carolinum in Ansbach hat seine Tat offenbar kühl geplant. Der Täter habe einen Molotow-Cocktail ins Klassenzimmer geworfen und dann vor der Tür mit einer Axt auf die flüchtenden Jugendlichen gewartet, sagte der Schüler der 10. Klasse dem Radiosender “Antenne Bayern“. “Wir haben zuerst gedacht, das war ein Scherz, aber dann hat alles gebrannt.“ Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks soll der Amokläufer schon seit längerem in psychotherapeutischer Behandlung gewesen sein.

Er selbst habe sich gerade noch sein T-Shirt ausziehen können, das ebenfalls Feuer gefangen habe. Vor der Tür des Klassenzimmers habe der Täter das Mädchen aus der 11. Klasse mit der Axt am Kopf getroffen. Die Lehrer hätten das verletzte Mädchen dann nach draußen getragen. Eine weitere Schülerin erlitt schwere Brandverletzungen. Den Täter selbst beschrieb der Schüler als Einzelgänger. “Er ist in der Klasse alleine gesessen.“

Polizisten stoppten den Täter schließlich mit fünf Schüssen aus einer Maschinenpistole und verletzten ihn schwer. Die Staatsanwaltschaft beantragte Haftbefehl wegen versuchten Mordes gegen den 18-Jährigen. In seinem Zimmer hätten die Ermittler Briefe gefunden, in denen von einer bevorstehenden Apokalypse die Rede war, berichtete der Bayerische Rundfunk.

Der in Ansbach lebende Schüler warf jeweils einen Brandsatz in eine 9. und eine 11. Klasse im dritten Stock; es brach aber nur in einem Raum Feuer aus. Nach der Attacke rannten zwei Schüler ins Direktorat und alarmierten die Schulleitung, die die Polizei rief. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an, zahlreiche Mannschaftswagen rasten zum Einsatzort.

Hintergrund:

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Das Gymnasium Carolinum

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Elf Minuten nach dem ersten Notruf, um 8.46 Uhr, wurde der Täter in der Toilette der Schule überwältigt. Weil er sich nicht sofort ergab, eröffneten eine Polizistin und ihr Kollege das Feuer. Der 18-Jährige wurde von fünf Kugeln in den Körper getroffen und später in einer Klinik operiert. “Es gelang mit dem schnellen Einsatz, eine schlimmere Eskalation zu verhindern“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Er bezeichnete den Zustand des Täters als kritisch. Der junge Mann hatte keine Vorstrafen und war der Polizei bis dahin unbekannt.

Nach Angaben von Schulleiter Franz Stark trugen Lehrer nach der Attacke die Verletzten aus der Schule. Die meisten der vom Feueralarm auf den Schulhof geholten Jugendlichen hätten zuerst an eine Übung geglaubt, berichtete Stark sichtlich bewegt. “Es fällt mir schwer, dazu Stellung zu nehmen.“ Der Unterricht am Freitag wurde abgesagt. Die Schüler sollen aber Gelegenheit erhalten, mit Fachleuten über das Erlebte zu sprechen. Thüringen und Baden-Württemberg boten nach ihren Erfahrungen mit den Amokläufen in Erfurt und Winnenden ihre Hilfe an.

Die verletzten Schüler wurden zunächst in der Turnhalle untergebracht. Seelsorger und Psychologen betreuten in der nahegelegenen Arbeitsagentur auch die übrigen Kinder und Jugendlichen. “Die Schüler helfen sich gegenseitig vorbildlich“, berichtete Oberbürgermeisterin Carda Seidel (parteilos).

Kritik äußerten hingegen Schülerinnen im lokalen Hörfunksender “Radio 8“: Das Gymnasium verfüge nicht wie andere Schulen über einen speziellen Amokalarm. “Wir haben nicht mal eine Sprechanlage, nur so ein Feueralarmteil, diese Glocke“, sagte ein Mädchen. Eine andere Schülerin unterstrich: “Wir waren total ahnungslos.“ Innenminister Herrmann verteidigte hingegen das Auslösen des Feueralarms, auch wenn die Schüler dadurch ins Freie geholt wurden, statt sich in ihren Klassenräumen zu verbarrikadieren.

“So etwas lässt sich nicht vermeiden: Eine Schule ist kein Hochsicherheitstrakt“, betonte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Deshalb müsse es Präventionsmaßnahmen geben. Das Motiv des Täters blieb zunächst im Dunkeln. Amokläufer werden häufig von einer “Mischung aus kalter Wut und Verzweiflung“ getrieben, sagte der Kriminalpsychologe Jens Hoffmann der Deutschen Presse-Agentur dpa. “Wir sehen in solchen Fällen immer wieder Zurückweisungen von Mädchen und persönliche Krisen.“

Der niedersächsische Kriminologe Christian Pfeiffer hofft nun, dass die Vernehmung des Jungen Aufschluss über die Motive von Amokläufern gibt: “Das ist der erste überlebende Amokläufer, an den ich mich überhaupt erinnern kann“, sagte der Wissenschaftler im Fernsehsender n-tv. “Er hat die Chance, uns Auskunft zu geben, was in ihm vorgegangen ist.“ Die bayerische Polizei habe “offensichtlich alles richtig gemacht“: “Sie waren ungeheuer schnell da und haben den Täter kampfunfähig geschossen, ohne ihn zu töten.“

dpa/mm

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