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Gehört der gemeinsame Unterricht für Mädchen und Buben bald der Vergangenheit an?

Geschlechtertrennung im Unterricht

Mädchen-Physik und Buben-Physik

München – Mit Bundesforschungsministerin Annette Schavan hat die Geschlechtertrennung im Unterricht eine prominente Fürsprecherin gewonnen. In Bayern gab es, abgesehen von reinen Buben- oder Mädchenschulen, bislang nur einzelne Versuche. Das könnte sich ändern.

Dass Physik bei Mädchen „mit Abstand das unbeliebteste Fach ist“, hat Walter Scharl lange Zeit gewurmt. Schließlich ist der Direktor des Max-Planck-Gymnasiums München-Pasing gelernter Mathematik- und Physiklehrer. Dann aber kam er auf den Gedanken, an seiner Schule die Geschlechtertrennung auszuprobieren. In den 8. Klassen saßen Buben und Mädchen in Physik fortan getrennt – am „MPG“ hatte die sogenannte reflexive Koedukation Einzug gehalten.

Geschlechtertrennung ist in Bayern eher die Ausnahme. In München experimentiert neben dem „MPG“ nur noch das St.Anna-Gymnasium damit – ebenfalls in naturwissenschaftlichen Fächern. Daneben gibt es eine ganze Reihe von reinen Buben- oder Mädchen-Schulen, zumeist kirchliche Einrichtungen. Staatliche Schulen setzen selten auf Geschlechtertrennung, etwa die Staatliche Knabenrealschule in Schondorf am Ammersee, oder (ein städtisches Beispiel) das Sophie-Scholl-Gymnasium in München, eine reine Mädchenschule.

Bundesforschungsministerin Schavan hält getrennten Unterricht in einzelnen Fächern und bestimmten Altersstufen für „durchaus sinnvoll“. Aber ob die Aufgabe der Koedukation nun gut oder schlecht ist – „dazu gibt es keine eindeutigen Erkenntnisse“, sagt Klaudia Schultheis. Die Pädagogik-Professorin an der Uni Eichstätt wird am 6. März zusammen mit dem Kultusministerium einen Kongress über „Geschlechtergerechten Unterricht“ veranstalten. Eigentlich sollte das Thema „Bubenförderung“ heißen, doch davon ist Schultheis abgekommen. Auch Mädchen brauchen bestimmte Förderung, Schultheis redet daher lieber von „Geschlechtergerechtigkeit“. Spezielle Buben-Förderung (etwa in Deutsch oder Fremdsprachen) und die Erweckung schlummernder Talente bei Mädchen in unbeliebten Fächern ist allerdings eine Frage des Wie. Buben etwa, sagt Schultheis, lesen nicht so gerne Literatur, dafür mehr „Gebrauchstexte“ bis hin zu Gebrauchsanweisungen, sie haben ein größeres Bewegungsbedürfnis und einen anderen Lernstil. „Das sind die Eckpfeiler, die man im Unterricht beachten sollte, dann wären wir ein großes Stück weiter.“

Auch Schulleiter Walter Scharl entschied sich für ein differenziertes Vorgehen. Die reine Aufspaltung der Klassen nach Geschlecht ohne gleichzeitige Änderung der Unterrichtsmethodik „bringt gar nichts“. Anders sei es, wenn in Physik das Thema „Druck“ bei Buben am Beispiel des Reifendrucks, bei den Mädchen anhand des Blutdrucks unterrichtet werde. Warum Blutdruck? „Von biologischen Themen fühlen sich Mädchen angesprochen“, sagt Scharl.

In diesem Jahr allerdings gibt es an seinem Gymnasium gar keine Geschlechtertrennung. Der Grund: Es mangelt – wie so oft – an Fachräumen und Physiklehrern. „Vor diesen zwei Hauptproblemen haben wir erst einmal kapituliert.“

von Dirk Walter

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