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Blumen am Balkon: das Pflegeheim in Inzell.

Gravierende Mängel: Amt will Seniorenheim schließen

Inzell - Das Landratsamt Traunstein beabsichtigt die Schließung eines Seniorenheims in Inzell nachdem dort gravierende Mängel aufgedeckt wurden. Erst im Mai war der selbe Betreiber wegen seines Heims in Schliersee ins Visier der Behörden geraten.

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Eklatante Mängel in Seniorenresidenz

136 Heimplätze in Ein- und Zweibettzimmern, alle mit Nachttisch, TV- und Telefonanschluss, und „selbstverständlich kann der Wohnraum individuell mit eigenen Möbeln und Bildern gestaltet werden“ – so präsentiert sich das erst 2007 eröffnete Seniorenheim Inzell im Internet. Doch die Wirklichkeit ist offenbar eine andere: Bei mehreren Kontrollen hielten die Fachstelle für Qualitätsentwicklung und Aufsicht sowie der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) „gravierende Mängel u.a. bei der Pflege und Betreuung der Bewohner“ fest, erklärte jetzt das Landratsamt Traunstein in Schreiben an die Angehörigen, die dem Internetportal Rosenheim24 vorliegen. „Das Wohl der Bewohner steht im Vordergrund“, heißt es in dem Schreiben. Das Landratsamt will daher zum 22. August eine sogenannte Betriebsuntersagung aussprechen. Bis zu diesem Zeitpunkt müssten die derzeit 74 Bewohner in anderen Heimen untergebracht werden. Eine Liste über momentan freie Plätze in Pflegeheimen der angrenzenden Landkreise hat das Landratsamt gleich mit angefügt.

Die Mängel waren offenbar schwerwiegend. In dem Schreiben ist unter anderem von Dekubitus, dem „Liegen in Exkrementen von morgens bis abends“ sowie nicht dokumentierter Medikamenten-Verabreichung die Rede. Immer wieder hatten sich Bewohner, Angehörigen, ehemaliges Personal und Ärzte beschwert – zwischen Februar und Oktober 2010 durfte das Heim auf amtliche Anordnung zeitweise keine neuen Patienten mehr aufnehmen, weil der Pflegeschlüssel nicht eingehalten worden war. Nach mehreren Mahnungen, auf die der Heimbetreiber nach Darstellung des Landratsamtes nur unzureichend reagiert hat, droht jetzt die Schließung.

Der Münchner Pflegekritiker Claus Fussek war über die Ermittlungen informiert. Er sagte gegenüber unserer Zeitung, die Kontrollen ausgelöst hätten Hilferufe „von engagierten, mutigen, verzweifelten Pflegekräfte, die gesagt haben, unter diesen Bedingungen könnten sie nicht mehr arbeiten“.

Die Behörden seien also durch zunächst anonyme Hinweise von Pflegekräften auf die Missstände im Heim aufmerksam geworden. Dies werfe die Frage auf: „Wo war das Frühwarnsystem?“, so Fussek.

So alarmiert der Pflegekritiker ist, so entsetzt sind offenbar manche Angehörige über die Anordnung der Behörde. „Man kann doch die Leute nicht innerhalb von wenigen Wochen rausschmeißen“, klagte eine Angehörige aus Dießen am Ammersee gegenüber dem „Traunsteiner Tagblatt“. Sie hat Vater und Mutter (95 und 92 Jahre) in dem Heim untergebracht. Die Heimleitung in Inzell wollte sich auf Nachfrage von „Rosenheim24“ zu den Vorwürfen nicht äußern. Bis gestern, 24 Uhr, hatte das Heim Gelegenheit, gegenüber dem Landratsamt Stellung zu nehmen. Die „H & R Senioren Heimbetriebsgesellschaft mbH“ mit Sitz in Berlin ist erst im Mai in die Schlagzeilen geraten – wegen Missständen in der „Seniorenresidenz Schliersee“. Damals war ebenfalls von wundgelegenen Bewohnern die Rede. Das Heim habe sich stabilisiert, unterliege aber weiterhin engmaschigen Kontrollen, hieß es gestern beim MDK

dw

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