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Wird immer mehr zur Ausnahme: Der Herr Lehrer gehört in bayerischen Schulen heute viel weniger dazu als früher. Das Personal ist überwiegend weiblich. 

Trend setzt sich weiter fort

Männer-Misere an den Schulen: Der Herr Lehrer ist heute die Ausnahme

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Die Benachteiligung von Frauen wird oft beklagt, zuletzt nach der Landtagswahl. An einer Arbeitsstelle sind sie jedoch eindeutig überrepräsentiert: den Schulen. Der Herr Lehrer wird zum Randphänomen.

München – Die Zahlen lassen wenig Spielraum für Interpretationen: Im zurückliegenden Schuljahr waren 72,8 Prozent der 121 000 Lehrer in Bayern weiblich. An den Grundschulen ist die Frauenquote am höchsten: 89,9 Prozent. Auch die weiterführenden Schulen sind überwiegend in weiblicher Hand, am stärksten die Realschulen: 67,3 Prozent. Da erstaunt es kaum, dass auch beim Nachwuchs ein deutlicher Frauenüberhang bemerkbar ist. An der Ludwig-Maximilians-Universität München sind von 7570 Lehramtsstudenten derzeit nur 2083 männlich. Das entspricht einer Quote von 27 Prozent.

Die Entwicklung ist nicht neu, erstaunlich ist allenfalls, dass der Trend trotz aller Bemühungen der Politik, mehr männliches Lehrpersonal zu rekrutieren, unvermindert anhält. Möglichkeiten zur direkten Einflussnahme – etwa über eine Männerquote – gebe es nicht, bedauert das bayerische Kultusministerium. „Die Berufsfreiheit ist ein sehr hohes Gut.“

An Gymnasien mit Verzögerung dieselbe Entwicklung

Stand bei der Feminisierung des Lehrberufs früher vor allem die Grundschule im Fokus, so wird der Männermangel seit einigen Jahren auch an den weiterführenden Schulen immer ausgeprägter. An den Gymnasien „bekommen wir mit einiger Verzögerung dieselbe Entwicklung“, sagt Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Der Frauenanteil bewege sich auf 70 bis 75 Prozent zu, prognostiziert er. Zurzeit sind es 59,3 Prozent. Einzig der hohe Anteil naturwissenschaftlicher Fächer am Gymnasium verhindere eine ähnliche Frauendominanz. Fächer wie Physik oder Chemie sind die letzte Männerdomäne.

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Es war nicht immer so. Als der heutige BLLV-Vorstand Gerd Nitschke 1992 als Hauptschullehrer anfing, war er umgeben von männlichen Kollegen. „Das hat sich nach einer Pensionierungswelle seit Anfang 2000 geändert“, erinnert sich Nitschke. Für alternde Männer rückten junge Frauen nach. Eine Ursache ist nach Ansicht des BLLV das Gehaltsgefälle: Obwohl Grundschullehrer seit etwa zehn Jahren eine Aufstiegsmöglichkeit haben, sind sie in der Regel eine Stufe schlechter bezahlt als ihre Kollegen an den Realschulen und Gymnasien. Hinzu kämen tradierte Rollenbilder. Eine Stelle in einer Grundschule, unken vor allem die Kollegen am Gymnasium, sei für Frauen nach wie vor die beste Möglichkeit, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen – unter anderem deshalb, weil es an den Grundschulen meist wenig Nachmittagsunterricht gibt.

Entwicklungspsychologen warnen

Gänzlich unproblematisch ist die Verweiblichung nicht. Entwicklungspsychologen warnen vor dem Fehlen männlicher Identifikationsfiguren in einer wichtigen Phase der Adoleszenz. Auch gibt es Studien, dass Lehrerinnen möglicherweise unbewusst Mädchen bevorzugen. Dass Schüler im Vergleich zu Schülerinnen häufiger Sitzenbleiben und es weniger oft bis zum Abitur schaffen, könnte eine der Folgen sein.

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Dass die rare Spezies männlicher Grundschullehrer unheimlich wertvoll ist, wird unisono betont. „Das bringt sofort ein anderes Klima ins Team“, sagt Ingeborg Bruns, Leiterin der Grundschule Erding-Klettham. Doch den größten Vorteil hätten die Kinder. In einer Zeit mit vielen alleinerziehenden Müttern komme den Schülern die Vaterfigur abhanden. Der Mann in der Klasse beschere einen Aha-Effekt. „Das merkt man. Viele Kinder springen sofort an, wenn sie ein Mann unterrichtet“, berichtet die Schulleiterin.

Dann fügt sie an: Männlicher Lehrer gebe es an ihrer Schule leider nur in einem Fach: Religion. Die Klassenlehrer sind allesamt Lehrerinnen.

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