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Das magische Datum

München – Die Elf ist eine besondere Zahl. Der 11.11.11 ein besonderer Tag. Das finden nicht nur einige Mathematiker, sondern auch Paare, die sich heute trauen lassen. Und viele werdende Mütter, die prompt entbinden wollen – sorgfältig geplant per Kaiserschnitt. Über die Magie des 11er-Datums.

Die Anrufe häuften sich. Immer wieder wählten Schwangere die Nummer von Zahra Shabani, der Inhaberin der Münchner Hebammenpraxis „Mein Baby“. Knapp 20 Frauen, in kürzester Zeit. Alle mit einem sehr speziellen Wunsch: „Können Sie etwas machen, damit mein Kind früher kommt?“ Um genau zu sein: am 11.11.11 – per Kaiserschnitt. Shabani bremste alle aus. „Sie müssen die Natur machen lassen“, wiederholte sie gebetsmühlenartig. Babys nach Terminkalender? Das findet sie nicht gut. Aber der Trend geht schon lange dahin – vor allem, wenn es um „magische Daten“ geht.

Der 11.11.11 ist so ein Datum. Eine Schnapszahl. „Überzeugend, schön, faszinierend“, findet Mathematikprofessor Albrecht Beutelspacher. Das Entscheidende sei jedoch: „Die Elf ist eine wichtige Zahl mit sehr charakteristischen Eigenschaften.“ Eine Primzahl – nur durch eins oder sich selbst teilbar. „Damit ist sie eine der widerständigsten Zahlen überhaupt.“ Und dann gebe es noch dieses Experiment. „Nehmen Sie die Drei, Vier und Fünf. Dann spiegeln Sie diese und heraus kommt 345 543. Nun wird diese durch elf geteilt – und es kommt eine ganze Zahl heraus, ohne Rest. Das funktioniert immer. Egal welche und wie viele Zahlen Sie auswählen.“ Beutelspacher kann viel erzählen von „seiner“ Elf. Und es scheint so, als würde er die Paare fast ein bisschen verstehen, die ihr Glück auf eine Schnapszahl setzen.

Dabei kann sich – statistisch gesehen – eine Schnapszahl-Hochzeit schnell als Schnapsidee entpuppen: Viele Standesämter berichten, Ehen, die an solchen Tagen geschlossen werden, würden oft schnell geschieden. Aber ist das wirklich so ungewöhnlich? Immerhin heiraten an diesen Tagen überdurchschnittlich viele. Auch heute haben sich in Oberbayern zahlreiche Paare angemeldet, um „Ja, ich will“ zu hauchen – die Chancen stünden gut, dass der Mann den Hochzeitstag am 11.11. nicht gleich wieder vergisst, prophezeien Ehe erprobte Frauen. Jedenfalls wird nun vielerorts im Akkord getraut: zum Beispiel auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze in Garmisch-Partenkirchen, auf der Fraueninsel am Chiemsee, in Rosenheim – und natürlich in München. Hier herrscht ein 15-Minuten-Takt an den Standesämtern. 67 Paare – fast doppelt so viele wie an einem normalen Freitag.

„Die Menschen glauben, eine Schnapszahl bedeutet Glück“, sagt die Münchner Hebamme Zahra Shabani. Und Glück, nun ja, das wünscht sich auch jede Mutter für ihr Kind. „Aber Glück kann man nicht planen!“ Schon gar nicht per Kaiserschnitt – und künstlicher Einleitung der Geburt.

Fast alle Krankenhäuser in Oberbayern lehnen diese Wunsch-Operationen ab – trotz „verstärkter Nachfrage“, wie zum Beispiel am Rotkreuzklinikum in München oder in der Frauenklinik Dr. Geisenhofer nahe des Englischen Gartens. Die Deutsche Hebammenzeitschrift schrieb kürzlich, dass ein Kaiserschnitt kein ungefährlicher Eingriff sei: „Innere Organe können beschädigt werden, häufig verlieren Frauen mehr Blut als bei einer natürlichen Geburt.“ Außerdem müssten die Mütter nach einem Kaiserschnitt länger im Krankenhaus bleiben.

„Man soll die Natur einfach nicht einbremsen“, sagt Hebamme Zahra Shabani. Doch genau das fällt vielen Frauen immer schwerer – vor allem denen, die im Berufsleben stehen und Karriere machen. „Diese Frauen sind daran gewöhnt, dass alles nach ihrem Kommando läuft“, erzählt Zahra Shabani. Und wenn sie dann schwanger werden, stellen sie plötzlich fest: „Hoppla, zum ersten Mal in meinem Leben richtet sich etwas nicht nach dem Terminkalender.“

Planung passt zum Zeitgeist unserer Zeit – und der 11.11.11 ist ein schönes Datum, leicht zu merken. Zahra Shabani sagt nicht viel dazu, nur: „Die Kinder sollen kommen, wenn sie es wollen.“

Barbara Nazarewska

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