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50 Liter Bier und 50 Wurstsemmeln: Dies war der Preis dafür, dass die Lerchenfelder Feuerwehr ihren gestohlenen Maibaum wieder zurück bekam. Streng genommen hätten sie wegen des Diebstahls auch Anzeige erstatten können.

Rechtlich eine klare Sache

Wann wird der Maibaum-Klau zum Holzdiebstahl?

Dachau/Erding/Freising – Maibaum-Klau ist in Bayern seit Jahrhunderten Volkssport. Doch immer öfter schlagen die Diebe schon im Wald zu. Ein Bezirksheimatpfleger sagt: "Es gibt keine festen Regeln". Doch wann wird der Maibaum-Klau zum Holzdiebstahl?

Maibaumklau ist in Bayern seit Jahrhunderten Volkssport. Doch wo hört die Tradition auf? Beziehungsweise wann wird aus der Gaudi Diebstahl? Vier aktuelle Fälle aus den Kreisen Dachau, Erding und Freising bewegen sich akkurat in dieser Grauzone. Der Baumklau fand nämlich jeweils schon im Wald statt.

Der Verein „Frohsinn“ Lerchenfeld (Kreis Freising) hatte seinen frisch geschlagenen Baum im Wieswald abgelegt, als die Diebe aus Wolfersdorf zuschlugen. Erst nach Zahlung von 50 Litern Bier und 50 Wurstsemmeln gaben sie den Baum zurück.

Maibaum aus Ebersried schon zum zweiten Mal aus dem Wald gestohlen

Auch der Baum der Arnbacher Burschen (Kreis Dachau) lag noch im Wald, als ihn die Diebe aus Welshofen entdeckten und mitnahmen. Anstatt zu Auslöseverhandlungen kam es in diesem Fall aber zu wüsten Beschimpfungen und am Ende gar zu der Drohung, dass der Diebstahl angezeigt werde, wenn der Baum nicht unverzüglich nach Arnbach zurückgeführt werde. Bei dem gestohlenen Baum nämlich, so behauptete der Besitzer, habe es sich nämlich nicht um einen Maibaum, sondern um Langholz gehandelt, das bald in den Verkauf gehen soll.

Dem „Maibaum-Team“ aus Ebersried (ebenfalls Kreis Dachau) erging es noch schlimmer: Deren Baum wurde binnen weniger Tage nun sogar schon zum zweiten Mal aus dem Wald gestohlen, weshalb der Baumbesitzer wegen Holzdiebstahls tatsächlich Strafanzeige stellte. In Kirchberg (Kreis Erding) schließlich wurde der Baum-Klau ebenfalls ein Fall für die Polizei. Die 30 Meter lange und bereits entrindete Fichte der „Königlich Bayerischen Moosburger“ war von einer Koppel gestohlen worden.

Maibaum-Klau: Rechtlich gesehen wurde in allen Fällen Diebstähle begangen

Die bestohlenen Vereine berufen sich jeweils auf das (ungeschriebene) Gesetz, wonach ein Baum erst gestohlen werde dürfe, wenn er sich innerhalb des Ortes befindet, in dem er aufgestellt werden soll. Die Diebe geben dagegen unisono zu Protokoll, dass die Hölzer eindeutig als Maibäume zu erkennen gewesen seien. Wer hat nun Recht?

Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler weiß darauf keine eindeutige Antwort. Klar, rechtlich gesehen seien in allen Fällen Diebstähle begangen worden. In Richtung der bestohlenen Vereine kann er sich die Bemerkung jedoch auch nicht verkneifen, dass zumindest „eine gewisse Souveränität dazugehört, zuzugeben, dass einem der Baum gestohlen wurde“.

Die Maibaumfreunde Schwabniederhofen (Kreis Weilheim-Schongau) sind gebrannte Kinder, was den Baumklau aus dem Wald angeht. Vor vier Jahren hatten Diebe ihnen den Baum kurz nach dem Schlagen entwendet. Heuer gehen sie daher auf Nummer sicher: Um ihren Baum herum errichteten sie eine Schutzhütte samt Rund-um-die Uhr-Bewachung. Fort Knox dürfte leichter einzunehmen sein.  

af/cc/ham

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