+
Nicht überall macht Fasching nur Spaß, mancherorts ist es der reinste Hindernilauf.

Mancherorts ist Fasching der reinste Hindernislauf

München - Der Fasching steuert auf seinen Höhepunkt zu. Doch während es viele Narren kaum noch erwarten können, ihre aufwändig gestalteten Wagen auf die Straße zu schicken, ist manchen Narren die Freude am Feiern fast vergangen.

Herbert Zeilinger aus Haag in Oberbayern (Kreis Mühldorf/Inn) ist noch gar nicht in Feierlaune. Der Organisator des örtlichen Faschingsumzugs musste lange um seinen Umzug am Faschingsdienstag bangen. Beinahe drohte dieser zu einer Faschingsdemo zu werden. Grund: Die Behörden hatten die Auflagen für die Faschingswagen drastisch erhöht. Mittlerweile ist zwar Entspannung in Sicht, dennoch ist der Chef der Faschingsgemeinschaft Haag enttäuscht: „Heuer versuchen uns die Verantwortlichen den Faschingsumzug madig zu machen.“ Zeilinger ist sich sicher: Die Verschärfung der Regeln sind die Konsequenzen einer Auseinandersetzung im vergangenen Jahr.

Dabei wurde einem Besucher das Nasenbein gebrochen. „Das wurde alles hochgespielt“, kommentiert er den Vorfall. Die Behörden sehen das allerdings ganz anders. So wird von dem Veranstalter heuer verlangt, die Sicherheitskräfte von elf auf 16 Personen zu erhöhen. Beim Kehraus sollte nach Wunsch der Polizei bereits um 20 Uhr Schluss sein, und alle Wagen sollten vorher von einem Sachverständigen überprüft werden. „Ich bin fast aus den Latschen gekippt, als ich den Bescheid bekommen habe“, empört sich Zeilinger. Die Sicherheitskräfte hat er mittlerweile organisiert, und die Zusatzkosten von rund 1000 Euro werde nun die Gemeinde tragen.

Erfolg hatte Zeilinger auch bei Punkt zehn des Bescheides – die Sache mit dem Sachverständigen. Rund 70 Euro plus Fahrtkosten verlangte der Gutachter. Bei bis zu 30 teilnehmenden Umzugswagen hätten sich die Kosten auf mehr als 2100 Euro summiert. Finanziell hätte der Verein das nicht stemmen können. Zeilingers unermüdlicher Kampf hat sich nun gelohnt: Das Landratsamt hat den Punkt aus der Liste der Auflagen gestrichen. Nur der Zapfenstreich bereitet dem Organisator weiterhin Kopfschmerzen. Nach Verhandlungen mit Polizei und Verwaltung konnte er diesen auf 22 Uhr verlängern.

Gasthäuser spielen nicht mit

Vor Problemen ganz anderer Art stehen dagegen die Narren in Dachau. Sie fragen nicht bis wann, sondern wo sie nach dem großen Umzug am Faschingssamstag weiterfeiern können. Grund: Die Gaststätten im engeren Altstadtbereich, wo sich die Faschingswagen durchschlängeln, haben an diesem Tag geschlossen. „Wir sind ein reines Speiserestaurant. Da verträgt es sich nicht, wenn Gäste zum Mittagessen kommen, und gleichzeitig teils betrunkene Faschingsnarren hier ausgelassen feiern“, erklärt Renate Eisenreich, Pächterin des Kochwirts.

Derselben Meinung ist ihr Kollege Christian Simon, Besitzer des Zieglerbräus. Vor zwei Jahren hat er entschieden: Sein Restaurant bleibt am Tag des Faschingsumzuges geschlossen. Schäden, die durch betrunkene Narren verursacht werden, möchte er so vermeiden. Laut Claudia Stöhr, die zusammen mit ihrem Mann den Dachauer Faschingsumzug organisiert, gebe es aber „genügend andere Möglichkeiten, nach dem Umzug in der Altstadt weiter zu feiern“. Zahlreiche Cafés und Bars hätten zwar geöffnet. Trotzdem sorgt die Diskussion um die geschlossenen Lokale für einigen Zündstoff in der Stadt.

Andere hatten noch nie Probleme

Dass nach dem Umzug am Faschingsdienstag in den umliegenden Wirtshäusern kräftig gefeiert wird, ist in Benediktbeuern (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) seit Jahren selbstverständlich. „Wir hatten noch nie Probleme oder gar Randale nach dem Faschingsumzug“, erklärt der Organisator Matthäus Hammerl. Er ist froh, dass auch die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt gut klappt. „Die Mitarbeiter dort sind alle sehr kulant.“ Über zusätzliche Auflagen kann er sich nicht beschweren. „Wir müssen zwar alles erfüllen. Aber das ist es uns wert, schließlich wollen wir die Tradition fortführen“, sagt Hammerl. Auch für Manfred Kufer, 1. Präsident der Narrhalla Moosburg (Kreis Freising), ist die Organisation des Festzuges „relativ unkompliziert“ abgelaufen. „Die Arbeit lohnt sich auf jeden Fall, wir wollen ja die Traditionen wahren.“

Am Faschingstreiben in der Stadt beteiligen sich auch die Wirte, „die sind froh, wenn was los ist“. Herbert Zeilinger aus Haag ist nach zahlreichen schlaflosen Nächten inzwischen nun wieder etwas entspannter. Dennoch wird er sich heute nochmals mit allen Beteiligten – Sicherheitsdienst, Rotes Kreuz, Feuerwehr, Polizei und Gemeinde – an einen Tisch setzten, denn „glücklich bin ich mit der Zehn-Uhr-Regelung nicht.“ In den vergangenen Jahren wurde immer bis 24 Uhr gefeiert. Zeilinger kämpft weiter für eine Feier bis Mitternacht: „Aber wir lassen uns nicht unterkriegen und wollen eine Lösung, mit der alle Beteiligten zufrieden sind.“

Von Simone Werner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bereits vorbestraft: Mann lockt Kinder in Auto und vergeht sich an ihnen
Ein 62-Jähriger wird verdächtigt, zwei Kindern in sein Auto gelockt zu haben - mit der Aussicht auf Süßigkeiten und Spielsachen. Danach soll er sich an den beiden …
Bereits vorbestraft: Mann lockt Kinder in Auto und vergeht sich an ihnen
Stau zum Beginn der Herbstferien: Auf welchen Straßen man länger braucht
Die Herbstferien in Bayern stehen vor der Tür. Wer sich über die Feiertage auf den Weg zu Verwandten oder in einen Kurzurlaub macht, sollte genug Zeit einrechnen - der …
Stau zum Beginn der Herbstferien: Auf welchen Straßen man länger braucht
Die letzten zwei Wölfe: Parkverwaltung ist den Tieren auf der Spur
So wie es aussieht, neigt sich die Wolfssuche dem Ende zu: Von den insgesamt sechs entlaufenen Wölfen sind nur noch zwei nicht gefasst. Über den Aufenthaltsort der Tiere …
Die letzten zwei Wölfe: Parkverwaltung ist den Tieren auf der Spur
Zwei Splitterbomben in Neutraubling gefunden
Nach dem Fund von vier zehn Kilogramm schweren Splitterbomben vergangene Woche, wurden bei einer weiteren Absuche in Neutraubling im Landkreis Regensburg erneut zwei …
Zwei Splitterbomben in Neutraubling gefunden

Kommentare