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Tatort Bergbach: Alexander Donninger an der Stelle, an der die Schwarzfischerei stattgefunden haben soll.

Mann angelt Tiefkühlfisch: Prozess

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Kiefersfelden - Es ist der skurrilste Angelvorfall des Jahrzehnts: Die Donningers aus Kiefersfelden gehen bei Kufstein an einen Bach. Der Papa hängt eine Tiefkühlforelle an die Angel und ruft: Hurra, wir haben was! Jetzt steht der Bayer in Österreich vor Gericht.

Alles beginnt mit einer Lüge. Alexander und Stefanie Donninger aus Kiefersfelden im Kreis Rosenheim wollen ihren siebenjährigen Zwillingen Enya und Arthur mal so ein richtiges Naturerlebnis bieten. Was Abenteuerliches. Nicht weit weg auf österreichischer Seite bei Kufstein, das wissen sie, gibt es einen Bergbach. Dorthin zum Angeln, das wär’s, denken sich die Eltern. Also packen sie die Badehose, die Zwillinge und ihre Angel ein. Mit im Gepäck, das sollte man jetzt vielleicht sagen, haben sie auch noch einen Zweierpack Tiefkühlforellen, bereits ausgenommen, hundertprozentig tot und grillfertig. „Wir haben sie am Vortag bei Lidl gekauft“, wird Alexander Donninger später erzählen.

Aber erst einmal wirft der Vater die Angel in den Bach. Allerdings ohne Haken und ohne Köder. Braucht’s ja auch nicht, als die Kinder grad nicht hinschauen, knotet Donninger einfach seinen Tiefkühlfisch an die Schnur, zieht die Angel aus dem Bach. Tatatata, wir haben einen Fisch gefangen! So weit, so lustig. Das böse Ende kommt noch. Denn: Vor zwei Wochen standen die Donningers vor dem Bezirksgericht Kufstein. Der Vorwurf: Schwarzfischerei. „Eingriff in fremdes Jagd- und Fischrecht“ heißt das Delikt im Strafgesetzbuch des Nachbarlands. Höchststrafe: sechs Monate Gefängnis. Die Donningers haben ihre Geschichte schon im österreichischen Fernsehen erzählt, die ORF-Sendung „konkret“ hat einen langen Beitrag gesendet. Der Bayer, der wegen eines schwarzgefischten Tiefkühlfischs vor Gericht stand, Streitwert drei Euro, ist im Nachbarland bereits schwer bekannt.

Beim Richter landete die Sache übrigens so: Noch bei ihrer Angel-Gaudi trifft die Familie aus dem Kreis Rosenheim einen Passanten, man plaudert, die Familie ahnt nichts Böses. Doch wenig später flattert eine Anzeige ins Haus: Der Spaziergänger hatte die Donningers beim Inhaber des Fischereirechts, einem prominenten Kufsteiner Anwalt, verpetzt. Der erstattete Anzeige, die Staatsanwaltschaft erhob Anklage. Der Innsbrucker Anwalt Thaddäus Schäfer vertritt die Donningers. Er habe schon viele David-gegen-Goliath-Causen ausgetragen, sagte er, „aber ein wohlhabender, angesehener Anwalt, der wegen ein paar Euro mit dem ganzen Justizapparat über eine Familie aus bescheidenen Verhältnissen drüberfährt, das schlägt alles.“ Beim ersten Gerichtstermin jedenfalls gab es noch keine Einigung. Der Spaziergänger, der einzige Zeuge der mutmaßlichen Schwarzfischerei, ist gerade im Urlaub.

Nach seiner Rückkehr wird weiterverhandelt.

Stefan Sessler

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