Unfallfahrer fuchtelt mit Gewehr herum: Kopfwunde

Altdorf - Es war ein Bagatell-Unfall, eine jener Begegnungen, wo jeder Vernünftige nie und nimmer die Polizei rufen würde – und doch entwickelte sich dieser Mini-Unfall zum Großeinsatz.

Mittwochnachmittag kurz hinter Haag in Oberbayern, wo sich die beiden berüchtigten Bundesstraßen 12 und 15 kreuzen, kommt es vor einem Kreisel zu einer verhängnisvollen, vielleicht aber am Ende auch glücklichen Berührung zweier Autos. Ein paar Schrammen an der Seite, ein verbogener Spiegel, mehr nicht. Der 29-jährige Fahrer eines Volvos ist auf die Gegenfahrbahn geraten. Hat er kurz zuvor auf sich selbst geschossen? Beide Fahrer halten jedenfalls an, bei einer Abzweigung kurz vor dem Kreisel.

B15: Unfall-Beteiligter hantiert mit Waffe

Der geschädigte Fahrer des Audis steigt aus und geht auf den Volvo zu. Auf das, was er nun zum Sehen bekommt, ist er aber ganz und gar nicht vorbereitet. Der Sprecher der Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Franz Sommerauer, Mittwochabend am Einsatzort: „Als sich der Fahrer dem Wagen näherte, erkannte er eine Langwaffe auf dem Schoß des anderen Fahrers.“ Das heißt: Gegen 16 Uhr fährt auf der Bundesstraße 15, einer der bayerischen Hauptachsen in den Süden, jemand durch die Gegend, der ein geladenes Gewehr in Griffweite hat!

Für den Audi-Fahrer ist klar: Hier geht es nicht mehr um einen normalen Unfall. Er bringt sich in Sicherheit und alarmiert die Polizei, die wegen einer möglichen Gefährdungslage sofort mit starken Kräften anrückt. Zugleich wird der Kreisel mit mehreren Lkw abgesperrt.

Der Mann mit dem Gewehr lässt sich von den ganzen Aktivitäten kaum beeindrucken. Sommerauer: „Er blieb mal im Auto, stieg mal aus, stieg mal ein.“ Nun entwickelt sich ein Nervenkrieg, den die Polizei zunächst mit Vermittlungsteams führt. Gleichzeitig ist aber schon der Spezialeinsatzkommando aus München unterwegs nach Haag. Da sich die Lage nicht entspannt, entschließt sich die Einsatzleitung zum Zugriff. Der Mann lässt sich gegen 18 Uhr widerstandslos festnehmen.

Der 29-Jährige, der übrigens aus dem Landkreis Mühldorf stammt, weist bei seiner Festnahme laut Polizei eine schwere Kopfverletzung auf. Allerdings „stammt diese definitiv nicht vom Polizeizugriff und dürfte auch nicht unfallbedingt sein“, so die Polizei weiter, „möglicherweise steht die Verletzung mit der von dem 29-Jährigen im Fahrzeug mitgeführten Langwaffe in Zusammenhang“.

Wegen der Verletzung und seines mysteriösen Verhaltens schlossen Beobachter am Abend nicht aus, dass sich der Volvo-Fahrer das Leben nehmen wollte und zufällig in einen Unfall verwickelt wurde. Der junge Mann wurde jedenfalls sofort in ein Krankenhaus eingeliefert. Mittlerweile ist der Mann wieder entlassen, aber noch nicht vernehmungsfähig, so die Polizei am Donnerstag.  

M.Christandl/M. Dürr

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