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„Viele Betroffene schämen sich unendlich“, sagt Michael Schröter. Der 66-Jährige hat 2016 eine Messie-Akademie in Gauting gegründet. Nun will er in die Politik.

1,8 Millionen Betroffene bundesweit 

Der Mann, der den Messies bei der Politik Gehör verschaffen will

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Splitter-Parteien gibt es in Deutschland schon für viele Spezialthemen. Jetzt wird das Spektrum noch größer - mit einer eigenen Partei, die für die Belange von  Messies eintritt.

1,8 Millionen Messies leben Schätzungen zufolge in Deutschland – mehrere Hunderttausend sollen es im Freistaat sein. Der Oberbayer Michael Schröter will diesen Menschen „ein Sprachrohr geben“. Er hat deshalb gerade die Messie-Partei gegründet.

Herr Schröter, tun die bestehenden Parteien zu wenig für die nach Schätzungen fast zwei Millionen Messies hierzulande?

In keinem Programm der politisch relevanten Parteien steht auch nur ein Satz zum Messie-Syndrom. Das ist für die in den Parlamenten vertretenen Parteien bislang kein Thema.

„Messies sind für die Parteien kein Thema“

Ihre Mini-Partei fordert, dass das Messie-Syndrom als eigenständige Krankheit anerkannt wird. Warum ist dies nicht längst der Fall?

Es gibt viele Messies, die überhaupt nicht therapiert werden. Andere bekommen eine Verhaltenstherapie. Das Ganze läuft dann beim Psychologen oft als Depression. Schließlich muss die Therapie ja für die Abrechnung begründet werden. Aber eine Depression ist ja nur ein Teil des Messie-Syndroms. So lange dieses offiziell nicht als eigenständige Krankheit anerkannt ist, wird die Krankheit in vielen Fällen unzureichend therapiert. In den USA ist das Messie-Syndrom dagegen schon lange als Krankheit anerkannt.

Welche anderen Ziele verfolgt ihre Partei?

Dass die Eigenständigkeit der Krankheit anerkannt wird, ist das Wichtigste für uns. Erst wenn dies der Fall ist, wird das Messie-Syndrom in das Studium der Psychologie und in die Ausbildung von Heilpraktikern als Fachgebiet aufgenommen. Darüber hinaus wollen wir uns für eine stärkere Forschungsförderung in dem Bereich sowie die Schaffung bundesweiter Beratungsstellen für die Betroffenen einsetzen. Zudem geht es uns darum, das Bild der Gesellschaft über Messies durch eine Anerkennung von deren Krankheit zu verbessern. Derzeit rangieren Messies ja nur knapp über dem alkoholkranken Obdachlosen. Sie gelten in der öffentlichen Wahrnehmung als schmutzig und faul. Viele schämen sich unendlich.

Wichtige Anliegen – aber, wenn es nur noch Parteien geben würde, die sich um bestimmte Interessensgruppen kümmern, droht dann nicht das politische System zusammenzubrechen? Würden in einer Koalition der Hundehalter-, Bauern- Messie- und Rentnerparteien nicht die Interessen der Münchner Familien zu kurz kommen?

Wir haben die Messie-Partei gegründet, um den Betroffenen eine Stimme zu geben. Das Thema findet in der Politik nicht statt. Wenn sich eine andere Partei dem Thema annehmen würde, dann würde es unsere Partei nicht mehr brauchen. Es geht uns vor allem darum, dass unsere Anliegen von anderen Parteien in ihren Programmen und ihrer Politik aufgegriffen werden. Geschieht das, haben wir ganz viel gewonnen. Wir wollen Aufmerksamkeit für das Thema schaffen.

Bei der Europawahl gilt keine Prozenthürde. Mehrere Splitterparteien wie die Tierschutzpartei schafften 2014 den Sprung nach Straßburg. Sie haben also eine theoretische Chance auf den Einzug, aber glauben Sie wirklich, dass Sie als Einzelkämpfer etwas erreichen würden?

Was man als Einzelkämpfer erreichen kann wäre etwa in eine Fraktionsgemeinschaft aufgenommen zu werden und dann das Messie-Thema in diese Fraktionsgemeinschaft hineinzutragen.

Sie brauchen 4000 Unterschriften, um für die Europawahl zugelassen zu werden. Wie wollen Sie die mit einem Dutzend Mitgliedern sammeln?

Jetzt gilt es uns bekannt zu machen. Berichte wie dieses Interview helfen uns. Wir stehen erst ganz am Anfang. Das Problem betrifft wohl mehrere Millionen Menschen. Denn zu den Messies kommen ja auch noch Familien, Nachbarn und Helfer hinzu. Sie haben jetzt eine Chance, sich für das Thema zu engagieren.

Interview: Tobias Lill

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