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Ein Plädoyer für die Dunkelheit: Manuel Philipp aus Rimsting setzt sich gegen Lichtverschmutzung ein.

Einsatz für weniger Werbebeleuchtung

Projekt gegen Lichtverschmutzung: Paten der Nacht

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Im Rahmen des Artenschutz-Volksbegehrens hat die Staatsregierung auch Maßnahmen gegen die Lichtverschmutzung beschlossen. Doch Manuel Philipp geht das nicht weit genug. Deshalb sucht der Physiker nun nach „Paten der Nacht“.

München/Rimsting – Dass die Nacht in Bayern schon längst nicht mehr dunkel ist, fiel Manuel Philipp zum ersten Mal auf, als er durch sein Teleskop blickte – und vor lauter Helligkeit kaum mehr Sterne zu sehen bekam. Seitdem kämpft der Physiker, Astronom und Gründer des Sternenparks Winklmoos-Alm gegen die sogenannte Lichtverschmutzung, also die übermäßige Beleuchtung in der Nacht, der nach einer Schätzung von Mainzer Forschern jährlich Billionen von Insekten zum Opfer fallen. Mit einem neuen Projekt will der 49-Jährige aus Rimsting im Kreis Rosenheim nun die breite Masse für einen schonenderen Umgang mit künstlichem Licht sensibilisieren.

Die Idee für die „Paten der Nacht“ kam Philipp bei einem Vortrag über Lichtverschmutzung an der Freien Waldorfschule Chiemgau in Prien. Auf die Frage, warum bei dem Astronomie-Abend keine Sterne zu sehen seien, lautete seine Antwort: „Da seid ihr auch selbst mit schuld.“ Denn die Schule beleuchtete vor dem Gebäude eine mehrere Meter hohe Fahne die ganze Nacht über. Nach Philipps Hinweis reagierte die Schule und installierte eine Zeitschaltuhr. Seitdem ist die Beleuchtung ab 22 Uhr abgeschaltet. Und Philipp dachte sich: „Wenn das hier funktioniert, warum nicht auch woanders.“

Ursprünglich hatte Manuel Philipp große Hoffnungen in das Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Denn darin sind auch Maßnahmen gegen die Lichtverschmutzung enthalten. So muss seit August die Fassadenbeleuchtung an öffentlichen Gebäuden ab 23 Uhr abgeschaltet werden. Sogenannte Himmelsstrahler sind für unzulässig erklärt worden. Und im Außenbereich ist die Beleuchtung von Werbeanlagen untersagt. Für Umweltminister Thorsten Glauber (FW) ein wichtiger Schritt, um die Trendumkehr beim Artenschwund zu erreichen: „Die Auswirkungen von künstlicher Beleuchtung in der Nacht auf die Tierwelt sind enorm“, sagt er. „Die neuen Regelungen sollen wertvolle Ruheräume für nachtaktive Tiere schaffen. Damit minimieren wir Lichtquellen in der Nacht und sparen gleichzeitig Energie.“ Bayern wolle hier mit gutem Beispiel vorangehen.

Doch Manuel Philipp ist mit den Neuerungen noch nicht zufrieden. „Dass die Beleuchtung bei öffentlichen Gebäuden nachts ausgeschaltet werden soll, ist ein gutes Zeichen“, sagt er. „Aber leider wird in vielen Gemeinden nach wie vor nachts der Kirchturm angestrahlt“, hat Philipp beobachtet. „Offenbar sind die neuen Regeln in der Breite noch nicht angekommen.“ Und dass die Beleuchtung für Werbeanlagen nur im Außenbereich eingeschränkt wurde, ist dem Rimstinger zu wenig. „Meine Wunschvorstellung wäre ein grundsätzliches Verbot von Werbebeleuchtung ab 22 Uhr.“ Dafür will Philipp kämpfen. Und mit seinem Projekt „Paten der Nacht“ sucht er nach Mitstreitern.

Die Initiative richtet sich an Privatleute wie an Unternehmen. Philipp hat gemeinsam mit befreundeten Sternwartenbetreibern einen Flyer erstellt, in dem er über die Folgen der hellen Nächte aufklärt – und beschreibt, wie jeder Einzelne gegensteuern kann. Zum Beispiel, indem man rund um das eigene Haus Lampen mit geringer Watt-Zahl und gelben Farben nutzt und Zeitschaltuhren einbaut. „20 000 Flyer haben wir schon verbreiten können.“

Um diese Informationskampagne zu finanzieren, braucht Philipp Partner. Die Paten der Nacht. Sie können einfach nur als Sponsoren einsteigen, als Unterstützer die Flyer aktiv verteilen oder als Umrüster mit gutem Beispiel vorangehen. So wie die Chiemgauer Waldorfschule, an der die Aktion geboren wurde. Oder wie Philipps Heimatgemeinde Rimsting, wo die Kirchenbeleuchtung (mit Ausnahme der Weihnachtszeit) komplett abgeschaltet wird. „Wir wollen eine Sogwirkung erzeugen.“ Und wenn die Zahl der Unterstützer weiter wächst, so Philipp, könne man auch über ein Volksbegehren gegen die Lichtverschmutzung nachdenken. Mit dem Ziel, die Nacht wieder ein bisschen dunkler zu machen.

Mehr Informationen unter: www.paten-der-nacht.de

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