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Marcel Huber, Bayerns Umwelt- und Gesundheitsminister.

Umstrittene Erdgas-Bohrung "tickende Zeitbombe"

München - In Bayern formiert sich Widerstand gegen aufwändige Erdgas-Bohrungen. Der Münchner Merkur sprach mit Bayerns Umweltminister Marcel Huber über das umstrittene Verfahren.

Beim „Fracking“ wird das Gas mit extrem hohem Druck, Wasser und Chemikalien („Giftcocktails“) aus tiefen Gesteinsschichten gepresst. In den USA ist das Verfahren üblich. Das bayerische Wirtschaftsministerium hat keine grundsätzlichen Vorbehalte. Nun aber prescht Bayerns Umweltminister Marcel Huber (CSU) vor: Er will ein komplettes Fracking-Verbot.

Unter Bayern könnten große Erdgasvorkommen schlummern. Sie schränken die Bohrungen ein. Wieso?

Bayern verfügt nur noch über geringe Erdgas-Reserven. Mit Fracking könnte unter Umständen noch unbedeutend mehr erschlossen werden. Gegen dieses riskante Verfahren habe ich aber massive Bedenken. Hier sind über 100 chemische Substanzen im Einsatz, die unser Wasser gefährden könnten.

In den USA funktioniert’s offenbar auch.

In Deutschland haben wir damit wenig Erfahrung. Ich sehe eine hohe Unsicherheit, ob man die giftigen Substanzen punktgenau einbringen kann. Mich alarmiert, dass davon etwas in unser Grundwasser gelangen könnte – das wäre eine tickende Zeitbombe für Bayern. Unsere großen Vorkommen an hochwertigem Wasser sind zu wertvoll für solche Experimente.

Andere Länder planen ein Fracking-Verbot nur in Trinkwasser-Zonen.

Das ist das Mindeste. Wir gehen aber weiter. Ich will Fracking-Bohrungen nirgends in Bayern haben. Ich traue der Technologie nicht. Der Bund muss jetzt das Risikopotenzial in einem Gutachten klar darlegen.

Gilt das auch für staatliche Bohrungen oder solche unter strengster Aufsicht? Spielt Ihr Chef Seehofer nicht mit dem Gedanken, wieder einen staatlichen Energieversorger zu gründen?

Strenge staatliche Aufsicht besteht grundsätzlich bei Bohrungen. Nichts geht ohne Genehmigungen. Ich bleibe dabei: Als Umweltminister habe ich grundsätzliche Bedenken gegen Fracking. Gefährdungen der Umwelt und besonders des Trinkwassers müssen ausgeschlossen werden.

Zugespitzt gesagt: Weil eh keiner die nötigen Gaskraftwerke baut, brauchen wir auch kein Gas?

(lacht) Das ist eine unzulässige Verkürzung. Wir brauchen Kraftwerkskapazitäten für den Lastfolgebetrieb, das wird mit regenerativen Energien alleine vorerst nicht funktionieren. Für die Grundlastfähigkeit brauchen wir vorübergehend noch Gaskraftwerke. Da muss der Staat auch die nötigen Investitionsanreize bieten.

Seehofer spricht von der Alternative Biomasse. Mit Verlaub: Mit verdauenden Kühen werden wir in Bayern die Energiewende nicht stemmen.

Nein. Der erste Ansatz ist der Bau von etwa vier bis fünf großen Gaskraftwerken. Ein zweiter Ansatz, der dem Ministerpräsidenten von der Wissenschaft empfohlen wurde und der ergebnisoffen geprüft wird: Schauen, ob man Biogasanlagen auch als Regelkraftwerke nutzen kann. Ein Bündel solcher Anlagen auf der Basis Gülle aus normaler Viehhaltung könnte bayernweit möglicherweise ein bis zwei Gaskraftwerke ersetzen.

Könnte, sollte, dürfte – glauben Sie noch an den Zeitplan des Atomausstiegs?

Mir scheint nicht das Problem zu sein, die regenerative Energie hochzufahren. Entscheidend wird sein, dass man die Produktion vernünftig steuert und die Energie dorthin verteilen kann, wo sie gebraucht wird

Interview: Christian Deutschländer

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