Biblische Szene in moderner Deutung

Ausstellung: Gottesmutter Maria am Laptop

Bamberg - Im Bamberger Diözsesanmuseum darf die Gottesmutter Maria an einer versifften Bushaltestelle sitzen oder eine Schlafanzughose tragen.

Maria am Laptop in Schlafanzughose, Maria wartend an einer versifften Bushaltestelle, Maria fast kokett mit einer Lilie im Haar: Wie würde sie heute ablaufen, die biblische Erzählung von der Verkündigung? Das ist eine Frage, die eine neue Sonderausstellung im Bamberger Diözesanmuseum seit Freitag stellt. 53 zeitgenössische Kunstwerke von 53 Künstlern sind zu sehen; Kuratorin ist die Berliner Kunsthistorikerin Sabine Maria Hannesen, die sich schon seit zehn Jahren mit dem Thema „Das Ave Maria in der Kunst“ befasst.

Die Kunstgeschichte kennt zahlreiche berühmte Darstellungen jener Szene, in der der Erzengel Gabriel Maria die Botschaft überbringt, sie werde die Mutter des Herrn. Aber wie verhalten sich moderne Künstler zu dieser Geschichte, die keinen historischen Beweis hat, aber doch zum Glaubensgut des Christentums gehört?

Die Antworten der Kunst sind vielfältig. Da sei es eben Thema, wie Verkündigung heute geschehen könne, sagt Hannesen. Aber da gibt es auch abstrakte Auseinandersetzungen - Kollagen, Fotografien, Installationen. Auf einer Fotomontage sind beispielsweise zwei Handys zu sehen, in der der Dialog zwischen Engel und Maria in zwei SMS gepresst wird. Und es gibt verstörende Anblicke. In einem Werk wirkt Maria wie ein Sack Müll. Eine Passage aus dem „Magnificat“ wird hier auf die Spitze getrieben; Maria sagt über Gott: „Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.“

Ganz schön mutig für ein katholisches Haus. „Es gibt bei uns keine Berührungsängste mit der modernen Kunst“, sagt Museumschef Holger Kempkens. Man verfolge zwar keine eigene Sammlertätigkeit auf diesem Feld, versuche aber mit Sonderausstellungen, zeitgenössische Werke ins Haus zu holen. Im vergangenen Jahr gab es zur 1000-Jahr-Feier des Doms sogar moderne Kunst im Gotteshaus zu sehen. Und nun also Maria. „Nicht jedes gezeigte Werk wird jedem Besucher gleich gut gefallen, aber sicher kann man ohne Übertreibung sagen, dass man den ausgestellten Werken die tiefe, ja existenzielle Auseinandersetzung der Kunstschaffenden mit einer bestimmenden Wirklichkeit ansieht“, sagt Norbert Jung, der die Hauptabteilung Kunst und Kultur im Ordinariat der Erzdiözese leitet. Die modernen Kunstwerke korrespondieren mit historischen Exponaten, die meist aus den Beständen des Museums kommen oder aus Kirchen des Erzbistums Bamberg. Zu sehen sind etwa spätmittelalterliche Arbeiten aus der Werkstatt von Veit Stoß oder ein altes Messgewand, auf das die Verkündigungsszene gestickt ist.

Die Mutter Jesu erfährt in der katholischen Kirche besondere Verehrung. Die Verkündigung markiert den Beginn der Menschwerdung Christi. Wenn der Papst in Rom am Sonntag zum Angelus bittet, dann beginnt das alte katholische Gebet mit der Betrachtung über die Verkündigung: „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft (...).“ Klar wird bei der Ausstellung, die am 28. Juli endet: Die Verkündigungsszene lässt sich ganz unterschiedlich deuten. Ist Maria ängstlich? Ist sie mutig? Wer hat das Heft des Handelns überhaupt in der Hand? Der Künstler Heimo Ertl zeigt in einer Skulptur die Angst Mariens, wenn der Engel naht. „Sie wehrt erst ab, sie ist mit dem Rücken zur Wand“, sagt er. Der Engel ist nicht weihnachtlich-niedlich mit Goldhaar, sondern „ein kraftvoller Bote. Es ist der Einbruch Gottes in die Welt“.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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