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Corona-Mutation in Tirol: Söder schlägt Alarm - Notfalls schließen wir die Grenze

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Von: Christian Deutschländer

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Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern
Für Markus Söder dürfen Grenzschließungen zu Tirol „kein Tabu“ mehr sein. © Matthias Balk/dpa/dpa-Bildfunk

Der Ärger über Österreichs Corona-Politik wächst in Bayern: zu viel Lockerung, zu wenig Schutz? Bayerns Ministerpräsident Markus Söder schlägt im Gespräch mit unserer Redaktion Alarm.

München - Markus Söder legt nach: Der CSU-Chef kritisiert die österreichische Politik für ihre Öffnungsschritte in der Corona-Politik. Er halte es für „diskussionswürdig, dass Österreich in dieser unsicheren Situation weitgehende Öffnungen erlaubt, obwohl die Inzidenz dort deutlich höher als in Bayern ist“, sagte Söder unserer Redaktion.

Corona in Bayern: Söders Sorge vor Tirol - „Diese Mutation würde uns wieder weit zurückwerfen“

„Das kann innerhalb weniger Wochen zu einem neuen Lockdown führen und wäre genau das, was wir alle nicht wollen: ein Stop and Go.“ Vor Söder hatten sich schon mehrere CSU-Politiker warnend, teils zornig Richtung Wien und Innsbruck geäußert – weitgehend vergeblich.

Söder sagte nun, er habe große Sorgen wegen der Virus-Mutationen generell. „Viele Virologen befürchten, dass sich die ansteckendere britische Variante bei uns durchsetzen wird. Für weitaus gefährlicher ist nach Einschätzung von Experten allerdings die südafrikanische Mutation, die jetzt in Tirol nachgewiesen wurde: Der Krankheitsverlauf soll schwerer und die Resilienz gegen Impfungen höher sein. Diese Mutation würde uns wieder weit zurückwerfen.“

Gegenüber Merkur.de zeigte sich auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (das ganze Interview am Dienstag auf Merkur.de) sehr besorgt: „Was Österreich hier macht, ist schlicht sehr gefährlich für Deutschland. Grenzkontrollen sind zwingend notwendig und im Bedarfsfall sind Schließungen das richtige Mittel. Wir müssen mit aller Macht die südafrikanische Variante fernhalten, weil die aktuellen Impfungen nur wenig helfen. Ich habe größte Sorge, dass wir in eine schwer beherrschbare Situation reinkommen. 

Corona in Bayern: Söder exklusiv - „Grenzschließungen zu Tirol dürfen kein Tabu sein“

Nun könne es sein, „dass für Bayern aus Tirol wieder größere Infektionsgefahr droht. Leider sind dort Infektionen beim Skifahren übertragen worden. Skipisten sind eben doch gefährlicher, als mancher denkt.“ Söder bekräftigte, man werde auf deutscher Seite „die Grenzkontrollen massiv verstärken. Da sind wir uns mit der Bundeskanzlerin und dem Bundesinnenminister einig.“

Jeglicher Grenzverkehr zum Einkaufen oder aus touristischen Zwecken müsse unterbleiben. Ausnahmen seien nur das Berufspendeln und zwingend erforderliche Familienbesuche. Söder: „Mit Grenzkontrollen und Schleierfahndung wird das dichter kontrolliert. Sollte die Gefahr wachsen, dürfen auch Grenzschließungen zu Tirol kein Tabu sein.“

Grenzkontrolle zwischen dem Tiroler Kufstein und dem deutschen Oberaudorf in Bayern.
Grenzkontrolle zwischen dem Tiroler Kufstein und dem deutschen Oberaudorf in Oberbayern. Wird die Grenze bald dicht gemacht? © Matthias Balk/dpa

Corona in Bayern: Kritik am Kurs der Landesregierung - „Aber es ist leider noch nicht vorbei“

Eine Lockerungsdebatte gibt es allerdings nicht nur in Österreich – sondern auch in Deutschland, und da steckt Söder mittendrin. Auch in der CSU gibt es Stimmen, die schlankere und mildere Regeln verlangen. Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) mahnte jüngst sogar zweimal einen bayernweiten Stufenplan für Lockerungen an. Die Münchner CSU fordert ein Ende der Ausgangssperre in der Stadt; ein Ruf, der sich vor allem an den Oberbürgermeister und die Regierung von Oberbayern richtet.

Söder wiederum äußert sich mit Blick auf Lockerungen der Corona-Regeln in Deutschland gegenüber unserer Redaktion sehr zurückhaltend. „Das Gute ist: Alles hat gewirkt, was wir auf den Weg gebracht haben. Ohne die Summe der Maßnahmen hätten wir wohl dramatische Folgen erlebt“, sagte er vor dem Gipfel am Mittwoch mit Kanzlerin Merkel. „Der Trend macht Hoffnung, aber es ist leider noch nicht vorbei.“

Corona in Bayern: Söder gegen „verlockende Stufenpläne“

Söder stellte sich explizit gegen Forderungen, Lockerungen an bestimmte Inzidenzen und Zeitpunkte zu knüpfen. „Feste Stufenpläne klingen verlockend, können aber rasch zu Enttäuschung führen. Corona ist schwer planbar. Heute alles in Ordnung und morgen ein Hotspot. Daher ist es klüger, lieber vorsichtig als leichtsinnig zu sein.“ Söder sagte, man werde natürlich erleichtern, „wenn die Zahlen stimmen. Schritt für Schritt. Priorität muss dabei das Thema Familie und Kinder haben.“

Am Mittwoch werde man nun „über Grundschulen und Kitas reden und Perspektiven geben. Wir bleiben aber bei einem vernünftigen und vorsichtigen Kurs.“ Zu anderen Schularten und höheren Klassen zeigte Söder keine Lockerungsperspektive auf. Er warnte: „Die Schule darf kein Versuchslabor werden: An oberster Stelle steht weiterhin der Schutz der Lehrkräfte und der Schüler.“ (Christian Deutschländer)

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