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Erzbischof Marx kritisierte die Äußerungen von Bischof Williamson als "unsäglich".

Marx kritisiert Holocaust-Leugner: "Äußerungen sind unsäglich"

München - Mit scharfen Worten hat der Münchner Erzbischof und Vorsitzende der katholischen Bischöfe in Bayern, Reinhard Marx, die Holocaust-Leugnung des umstrittenen britischen Bischofs Richard Williamson zurückgewiesen.

“Die Äußerungen von Williamson sind unsäglich, inakzeptabel und auf das Schärfste zu verurteilen“, erklärte Marx am Montag in München laut Mitteilung. “Jede Leugnung des Holocaust muss mit aller Härte geahndet werden.“ Erst vor wenigen Tagen hatte Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation des Bischofs Williamson von der erzkatholischen Bruderschaft Pius X. rückgängig gemacht. Der Zentralrat der Juden in Deutschland und andere jüdischen Organisationen reagierten darauf wegen der antisemitischen Haltung Williamsons mit Bestürzung.

Der Geistliche hatte in einem Fernsehinterview die Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nationalsozialisten bestritten. Das Interview soll vor knapp drei Monaten in der Nähe von Regensburg aufgezeichnet worden sein. Nachdem der TV-Beitrag mittlerweile von verschiedenen Sendern ausgestrahlt wurde, ermittelt die Regensburger Staatsanwaltschaft gegen Williamson wegen Volksverhetzung.

Wie Marx gingen auch die katholische Deutsche Bischofskonferenz und der Vatikan auf Distanz zu Williamson. Nach Angaben des Vatikans steht die Rücknahme der Exkommunikation von Williamson und drei anderen Bischöfen der Piusbruderschaft in keinem Zusammenhang mit dem Interview. Der Zentralrats-Vizepräsident Dieter Graumann hatte hingegen erklärt, mit dem Papstdekret werde der Kurs der Versöhnung zwischen Juden und Katholiken “nun um Jahrzehnte, fast schon in die Steinzeit von kirchlichem Antijudaismus, zurückgeworfen“.

Nach Angaben des Leitenden Regensburger Oberstaatsanwalts Günther Ruckdäschel stehen die Ermittlungen gegen Williamson noch ganz am Anfang. “Wir müssen erst einmal das Interview übersetzen.“ Die Kriminalpolizei müsse auch noch klären, ob die Fernsehaufzeichnung tatsächlich in dem Priesterseminar der Bruderschaft in Zaitzkofen, einem Ortsteil der Gemeinde Schierling im Landkreis Regensburg, aufgezeichnet wurde. Daneben gebe es weitere Schwierigkeiten bei der Klärung des Falls. “Es gehört zu Ermittlungen auch, den Beschuldigten zu vernehmen, und der befindet sich ja wohl nicht in Deutschland“, erklärte der Chefermittler.

Williamson ist in London geboren, arbeitet als Geistlicher allerdings seit Jahrzehnten in Nord- und Südamerika. Der 67-Jährige war Anfang November 2008 in Zaitzkofen, um dort einen Diakon aus Stockholm zu weihen. Dort soll der Bischof dann einem schwedischen TV-Journalisten das Interview gegeben haben.

Die konservative Piusbruderschaft hatte sich einst im Streit um die Kirchenreformen des Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) von Rom distanziert, die Kritiker scharrten sich um den französischen Erzbischof Marcel Lefebvre. Die Traditionalisten kritisierten unter anderem die angestrebte Versöhnung mit den Juden. Lefebvre und vier von ihm geweihte Bischöfe, darunter Williamson, wurden später exkommuniziert, Lefebvre starb 1991.

Der Vatikan hat nun die Exkommunikation der vier Bischöfe aufgehoben, um die Piusbruderschaft wieder in die Kirche zurückzuführen. “Der Heilige Vater will in einen Dialog mit dieser schismatischen Bewegung treten. Das Anliegen der Kirche wird immer sein, die Einheit der Christen herzustellen“, zeigte Marx Verständnis für den Schritt des Vatikans. Es gebe aber keinen Zweifel, dass dafür die Beschlüsse des Konzils bindend seien.

dpa


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