Marx soll im Fall Mixa vermitteln

Augsburg - In der Debatte um die Misshandlungsvorwürfe gegen Bischof Walter Mixa wird Münchens Erzbischof Reinhard Marx aufgefordert, sich einzuschalten. Es sei höchste Zeit.

Der Augsburger Diözesanrat hat den Vorsitzenden der bayerischen Bischofskonferenz, den Münchner Erzbischof Reinhard Marx, zur Vermittlung im Konflikt um den Augsburger Bischof Walter Mixa aufgefordert. Marx habe eine gewisse Fürsorgepflicht. Mit großer Sorge sei festzustellen, dass die Kirchenaustritte im Zusammenhang mit den Misshandlungsvorwürfen gegen Mixa und finanziellen Unregelmäßigkeiten seitens des Bischofs drastisch zunähmen, sagte Mangold. Es sei höchste Zeit, auch mit personellen Konsequenzen eine “neue Basis im Augsburger Bistum“ zu finden.

Mangold fordert von Mixa völlige Offenheit zu den seit Wochen erhobenen Anschuldigungen. “Wir erwarten, dass der Bischof vor allem auch die finanziellen Dinge offenlegt, die ihm als Stadtpfarrer von Schrobenhausen angelastet werden.“

Warum wurde Wein für über 5300 Mark gekauft?

In der Zeit zwischen 1975 und 1996 soll Mixa nach Erkenntnissen des Sonderermittlers Sebastian Knott eine Vielzahl von Quittungen über größere Geldbeträge unterschrieben haben, bei denen der Verdacht der “satzungswidrigen Verwendung von Stiftungsmitteln“ vorliege. “Das muss geklärt werden“, sagte Mangold.

Mixa müsse sagen, warum für über 5300 Mark Wein gekauft wurde. Beim Ankauf eines völlig überteuerten Piranesi-Stichs für 43.000 Mark sei der Bischof mit einer “gewissen Naivität“ wohl einem Hochstapler in Rom auf den Leim gegangen. “Bisher ist alles sehr unglücklich gelaufen“, sagte Mangold bezogen auf das späte Geständnis des Bischofs.

Mixa gab zu, Heimkinder geohrfeigt zu haben

Mixa hatte zunächst kategorisch bestritten, jemals Gewalt gegen Kinder und Jugendliche angewendet zu haben. Nach zwei Wochen räumte er dann ein, Heimkinder in Schrobenhausen geohrfeigt zu haben. Nach wie vor werden Mixa in eidesstattlichen Erklärungen Betroffener auch noch brutale Prügelattacken vorgeworfen, die er aber weiterhin bestreitet.

In Reihen der Priesterschaft im Bistum ist durch die Debatte um Mixa von “erheblichem Vertrauensverlust“ die Rede. Für Montagabend war eine außerordentliche Sitzung des Priesterrates angesetzt, in der mit Mixa über die Vorwürfe gesprochen werden sollte. “Wenn es sich Mixa mit den Priestern verscherzt, dann kann er gleich zurücktreten“, war im Vorfeld des Treffens zu erfahren.

Chronologie der Missbrauchsfälle

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Auch das Domkapitel sei inzwischen “völlig frustriert“ und ziehe sich auf seine seelsorgerische Arbeit zurück, hieß es in Kirchenkreisen. Schockiert zeigte sich Mangold über Absagen von Mitgliedern des Diözesanrates beim Festakt des Gremiums an diesem Wochenende. Sie hätten ihr Fernbleiben mit der Anwesenheit des Bischofs begründet, mit dem sie “nichts mehr am Hut“ hätten. Mixa wird den Angaben zufolge der Vollversammlung am Freitag fern bleiben und nur am Samstag am Festakt teilnehmen.

Anwaltskanzlei soll Vorwürfe klären

Mixa selbst will jetzt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe finanzieller Ungereimtheiten prüfen lassen. Nach Angaben des Ordinariats habe der Bischof eine Münchner Anwaltskanzlei und die bischöfliche Finanzkammer Augsburg beauftragt, die fraglichen Sachverhalte vollständig aufzuklären. Dies soll in enger Zusammenarbeit mit der Regierung von Oberbayern als Aufsichtsbehörde erfolgen. Mixa will den Angaben zufolge selbst aktiv zur Klärung der Sachverhalte beitragen.

dpa

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