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Der Jahresabschluss im Presseclub: Traditionell tritt der Münchner Erzbischof als letzter Gesprächspartner auf. Presseclub-Vorsitzender Ruthart Tresselt (r.) mit Kardinal Marx.

Marx warnt vor Populismus in der Kirche

München - Kardinal Marx warnt im Presseclub vor Populismus in der Kirche. Der Dialogprozess soll weiter fortgesetzt werden. Doch der 58-Jährige ließ auch durchblicken, dass er es derzeit nicht leicht hat.

„Die Herde Christi zusammenzuführen, zusammenzuhalten und auf das Wesentliche – nämlich Christus – zu konzentrieren, ist nicht immer einfach.“ Ein katholischer Bischof hat es wirklich nicht leicht zur Zeit – das ließ der Münchner Kardinal Reinhard Marx gestern im Münchner Presseclub durchblicken. Tags zuvor war eine neue Studie des Heidelberger Sinus-Instituts bekannt geworden, nach der beide großen Kirchen vor einem weiteren Mitgliederschwund stehen. Laut Umfrage sind 9,9 Prozent der befragten Katholiken entschlossen oder denken darüber nach, auszutreten.

„Es sind schwierige Zeiten, denen man sich als Bischof stellen muss. Ich tue es weiter mit Zuversicht“, fügte Marx kämpferisch hinzu. Baustellen gibt es wahrlich genug in Kirche und Gesellschaft. Marx erwähnte den Reformprozess innerhalb der Erzdiözese, räumte ein, dass er wegen der Missbrauchsfälle ins Stocken geraten sei und versprach, dass er weitergehe. Unter den drei Problemfeldern, die als erste angepackt werden sollen, ist der Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen: „Das bedrückt mich auch selber sehr.“ Er habe da keine einfache Lösung anzubieten. Man müsse in die Tiefe schauen, wie man hier verfahren kann. Das große Problem für diese Eheleute ist, dass sie nicht mehr zur Kommunion zugelassen sind.

Ebenso schmerzlich ist die Situation in konfessionsverschiedenen Ehen, weil evangelische Partner nicht zur Kommunion gehen dürfen. „Hier muss man den Einzelnen in seiner Situation sehen“, deutete Marx eine seelsorgliche Lösung im Einzelfall an.

Besorgt zeigte sich der Kardinal über populistische Tendenzen auch in der Kirche. „Populismus nach dem Motto ,Einfache Antworten auf schwierige Fragen’ ist in kirchlichen Kreisen durchaus anzutreffen“, räumte er ein. Im Internet könne man sehen, wie heftig gestritten werde – auch über die Bischöfe und Reformen. Trotzdem werde der Dialog zwischen Bischöfen und Laien weitergehen.

Auch gesamtgesellschaftlich warnte Marx vor Populismus: „Tendenzen sind da, die Sorgen bereiten. Vor allem, wenn die wirtschaftliche Krise in Europa noch schwieriger wird.“ Als Beispiel nannte Marx die ablehnende Haltung mancher gegenüber Griechen. Der Satz „Und wir müssen die faulen Griechen durchfüttern“ sei eine Vorstufe von Nationalismus. Ein solches Denken sei nicht christlich. Die Kirche habe eine universale Botschaft: „Bei uns gibt es keine Ausländer, sondern Menschen.“ Besorgt zeigt sich Marx über eine Zunahme von rechtsradikalen Tendenzen unter jungen Menschen. Hier helfe nur Bildung.

Zu den Vorwürfen gegen Bundespräsident Christian Wulff wollte sich Marx, anders als sein Kölner Amtsbruder Joachim Meisner, nicht äußern. „Ich glaube nicht, dass sich ein Bischof in diese Diskussion einschalten sollte“, sagte er und übte indirekt Kritik an Meisner, der Wulff den Rücktritt nahegelegt hatte.

Betroffen wies er den Vorwurf zurück, ihn interessiere das Schicksal der 6400 Mitarbeiter des Weltbild-Verlages nicht. Die Bistümer wollen sich von dem Unternehmen trennen. Die Sorge der Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz sei eine hochmoralische Frage, „nicht nur die Diskussion über das ein oder andere Buch“. Die Bischöfe hätten Verantwortung für die Menschen: „Dass das im Blick bleibt, das kann ich versprechen.“

cm

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