Der Zeitungsartikel, der 1971 nach Martinas Mord in der Lokalpresse erschien.

39 Jahre nach der Tat: Neue Jagd auf Martinas Mörder

Theres - Mord verjährt nicht: Vor 39 Jahren wurde die elfjährige Martina in Unterfranken missbraucht und umgebracht. Jetzt hat die Suche nach dem Täter erneut begonnen. Rund 100 Männer müssen sich einem DNA-Test unterziehen

Der Fall wühlt die Bevölkerung in Obertheres, einem Ort in Unterfranken, auf. „Die meisten wollen natürlich eine Aufklärung“, sagt Winfried Stark, Mitarbeiter der Gemeinde Theres. Trotzdem ist vielen mulmig zumute, denn: Der Mann, der die elfjährige Martina im Mai 1971 sexuell missbraucht und ermordet hat, kann der nette Mann von nebenan, ja sogar der eigene Ehemann sein.

Das Verbrechen ist bis heute ungeklärt. Aber: „Mord verjährt nicht“, sagt Michael Zinner, Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken. Jetzt hat die Kripo Schweinfurt die Tat wieder aufgerollt. Rund 100 Männer müssen eine Speichelprobe im historischen Rathaus in Obertheres abgeben. Die DNA-Proben wertet das bayerische Landeskriminalamt aus. Es ist der bisher größte Massen-Gentest in der Region Unterfranken.

Am 17. Mai 1971 traf sich Martina mit Schulfreundinnen nachmittags am Baggersee bei Obertheres. Dort wurde sie zum letzten Mal lebend gesehen. Plötzlich verschwand sie. Zwei Tage später entdeckte die Polizei ihre Leiche in einem Gebüsch. „Ein Scheusal mordet mitten unter uns“, schrieb die Lokalpresse damals.

Gleich nach dem Verbrechen hatte die Polizei die Personalien aller Badegäste notiert. Aus diesen Daten wurden alle Männer, die zum Tatzeitpunkt mindestens 14 Jahre alt waren, heraus gefiltert. Rund 20 sind inzwischen gestorben. Die restlichen 100 haben bereits eine Vorladung im Briefkasten gefunden, in der sie aufgefordert werden, ihre Speichelproben abzugeben. Der genetische Fingerabdruck der Männer wird mit den Spuren verglichen, die damals auf der Kleidung des Mädchens hafteten. „Die Spuren, hat die Polizei damals sichergestellt und archiviert“, sagt Polizeisprecher Zinner. Allerdings seien die technischen Möglichkeiten damals noch nicht ausgereift gewesen. „Deshalb handelte es sich bei dem Mord bislang um ein offenes Tötungsdelikt.“ Das Erschreckende an der Geschichte: „Der Mensch, der meine Nichte ermordet hat, läuft seit 39 Jahren frei rum“, sagt Richard Schmidt, 83, der Onkel des Opfers. Er würde sich sehr darüber freuen, wenn der Fall endlich aufgeklärt wird. Er hat auch mit Männern aus dem Ort gesprochen, die eine DNA-Probe abgeben müssen: „Die haben keine Angst“, sagt Schmidt, „sie sagen, dass sie damit nichts zu tun haben.“

Marlene Kadach

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