Massen-Gentest führt nicht zum Mörder der "Schwalben"-Wirtin

Burgau - Fehlanzeige bei einem Massen-Gentest mit rund 3000 Männern: Im schwäbischen Burgau hat die Polizei gehofft, einem brutalen Mörder auf die Spur zu kommen.

Doch sie tappt weiterhin im Dunkeln, das Verbrechen von 2006 ist immer noch nicht aufgeklärt. Die Polizei sucht den Mörder einer beliebten Burgauer Gastwirtin. Dazu folgten die Männer freiwillig der Aufforderung der Kripo Neu-Ulm zu einem Massen-Gentest. Von den Ergebnissen der DNA-Reihenuntersuchung erhoffte sich die Sonderkommission “Schwalbe“ Hinweise auf die Aufklärung des gewaltsamen Todes der Wirtin. Alle bisher untersuchten Speichelproben waren nach Angaben der Ermittler aber negativ. “Wir bedauern das sehr, da wir den Fall gerne abgeschlossen hätten“, sagt Soko-Chef Reinhard Witt.

Am 23. Januar 2006 war die 71-Jährige in ihrem Lokal überfallen und brutal niedergestochen worden. Ein Maler, der ihre Gaststube renovieren sollte, hatte die Wirtin blutüberströmt gefunden. Wenig später starb sie an dem hohen Blutverlust, den sie durch mehrere Messerstiche in den Oberkörper erlitten hatte. Die Kriminalpolizei Neu-Ulm ging nach eigenen Angaben bei den Ermittlungen rund 2000 Hinweisen nach, doch vom Täter und der Tatwaffe fehlen bis heute jede Spur.

Konrad Barm, Bürgermeister von Burgau (Landkreis Günzburg), ist hin- und hergerissen über das negative DNA-Ergebnis der Untersuchungen. Es wäre zwar gut gewesen, wenn der Mordfall nach knapp vier Jahren endlich hätte aufgeklärt werden können, sagt er. “Aber so wissen wir, dass der Täter nicht aus Burgau kommt. Das beruhigt die Menschen sehr.“ Der Tod der “Schwalben“-Wirtin beschäftige die Bürger der 9500 Einwohner zählenden Stadt bis heute, sagt Barm. “Sie war ein Burgauer Urgestein. Eine sehr beliebte Dame, die jeder kannte.“

Der Handwerker hatte damals unmittelbar nach der Tat beobachtet, wie ein etwa 30 Jahre alter maskierter Mann durch ein Fenster der Gaststätte flüchtete. Aus diesem Grund wurden Männer zum Gentest gebeten, die zur Tatzeit zwischen 15 und 40 Jahre alt waren und in Burgau und den umliegenden Gemeinden wohnten. “Die Tatsache, dass der Täter so unproblematisch abtauchen konnte, spricht für seine Ortskenntnis“, begründet der Leitende Oberstaatsanwalt Johann Kreuzpointner in Memmingen die Aktion. Die Speichelproben der Testpersonen wurden in der Rechtsmedizin in München mit einem am Tatort gesicherten DNA-Muster abgeglichen. Sämtliche Daten sind nach Polizeiangaben bereits gelöscht und die DNA-Proben vernichtet worden. Die Untersuchung, die an mehreren Wochenenden in einer Turnhalle in Burgau über die Bühne ging, war freiwillig. Dennoch hatten einige Testpersonen ein mulmiges Gefühl, als sie zum aufgeforderten Termin dort erschienen. “Solch eine polizeiliche Maßnahme stellt jeden ein bisschen unter Verdacht. Und der eine oder andere wird sich gefragt haben: Warum muss ich da hin, wenn ich es doch nicht war?“, sagt der Bürgermeister. Die hohe Beteiligung habe jedoch gezeigt, dass die meisten Männer diesen Gentest befürworteten.

Von der regen Teilnahme ist auch Soko-Chef Witt überwältigt. “Man merkt, dass die Burgauer sehr daran interessiert sind, diesen Fall aufzuklären.“ Das negative Ergebnis der Untersuchungen spreche nicht zwingend dafür, dass der Täter von weiter weg stammt. “Der Aufwand für eine DNA-Reihenuntersuchung ist enorm, deshalb mussten wir den Kreis der Testpersonen räumlich eingrenzen. Wenn der Täter jetzt nur eine Ortschaft weiter wohnt, haben wir ihn schon nicht mehr erfasst.“

Noch ist der Massen-Gentest nicht abgeschlossen. Von rund 3200 angeschriebenen Personen haben nach Polizeiangaben bislang knapp 3000 teilgenommen. Noch fehlende DNA-Proben etwa von Männern, die inzwischen weggezogen sind, sollen von den jeweils zuständigen Polizeidienststellen eingeholt werden. Etwa 80 Männer hätten ihre Teilnahme bislang verweigert. “Wenn es keinen Anfangsverdacht gibt, können wir niemanden zwingen, bei der Untersuchung mitzumachen“, sagt Witt. In diesen Fällen werde das Alibi der Männer überprüft.

dpa

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