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Der ehemalige Thyssen-Manager Winfried Haastert steht am Montag (22.02.2010) im Gerichtssaal des Landgerichtes Augsburg (Schwaben) im Zeugenstand.

Zeuge: Schreiber hat mir freiwillig Geld geschenkt

Augsburg - Der wegen Steuerhinterziehung angeklagte Ex- Lobbyist Karlheinz Schreiber soll einem früheren Thyssen-Manager zwischen 1988 und 1993 rund zwei Millionen D-Mark geschenkt haben.

Dies sei trotz eines damals laufenden Leichtpanzer-Projekts zwischen Thyssen und Schreiber “ohne Gegenleistung“ erfolgt, sagte ein früheres Vorstandsmitglied der Thyssen Industrie AG am Montag als Zeuge im Augsburger Prozess gegen Schreiber. Im November 1991 habe ihm Schreiber in der Schweiz einen Umschlag mit rund 1,2 Millionen D-Mark (rund 613 550 Euro) gegeben und habe gesagt, “ich soll mir davon was Schönes kaufen“. Die gesamte Summe habe ihm Schreiber in mehreren Beträgen als “guter Freund“ gegeben.

Schreiber ist angeklagt, in den Jahren 1988 bis 1993 für Panzer- und Flugzeuggeschäfte Provisionen von insgesamt rund 64 Millionen D- Mark (rund 32,72 Millionen Euro) über Scheinfirmen in Panama und Liechtenstein auf ein Schweizer Tarnkontensystem erhalten zu haben. Dadurch soll er rund elf Millionen Euro Steuern hinterzogen haben. Schreiber bestreitet die Vorwürfe und hat erklärt, er habe die Gelder auf den Schweizer Konten nur für Dritte verwaltet. Für die Scheinfirmen sei er nicht der wirtschaftlich Berechtigte gewesen. Der Ex-Thyssen-Manager erklärte vor Gericht, es habe mit Schreiber in Verbindung mit einem Leichtpanzerprojekt in Kanada Beziehungen und auch von ihm unterschriebene Verträge mit Provisionsvereinbarungen gegeben.

Die ihm von Schreiber geschenkten Millionen hätten aber niemals Bezug zu irgendwelchen Projekten gehabt. Der Zeuge ist im Zusammenhang mit Geldzahlungen Schreibers wegen Untreue und Steuerhinterziehung rechtskräftig zu einer Bewährungsstrafe von 20 Monaten verurteilt worden. Zurzeit ist gegen ihn bei der Staatsanwaltschaft Augsburg ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage anhängig. Ab Mittag sollte auch Ex-Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls (67) als Zeuge vernommen werden. Pfahls hatte als beamteter Politiker der Regierung von Helmut Kohl (CDU) von Schreiber Geld angenommen. Er war 2005 vom Landgericht Augsburg wegen Steuerhinterziehung und Vorteilsnahme zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden.

dpa

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