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37 Bayern sind für ihre Zivilcourage ausgezeichnet worden. Unter ihnenSiegmund Burkart, Anton Reiser, Emil Scholz und Helmut Leichinger (von links). Sie haben einen großen Beitrag geleistet, damit die Polizei den brutalen Serienräuber aus dem Kreis Fürstenfeldbruck schnappen konnte.

Vom Innenminister ausgezeichnet

Bayerns Helden bekommen Medaille für Zivilcourage

München - Manchmal reicht ein einziger Augenblick, um zum Helden zu werden. Ein Moment, in dem die Courage größer ist als die Angst. Bayerns Innenminister lernte am Freitag 37 Helden auf einmal kennen. Er hat Menschen ausgezeichnet, die nicht weggeschaut haben, als andere in Not gerieten.

Siegmund Burkart ist noch nicht oft auf der Bühne gestanden. Der 27-jährige Landwirt hat nicht viele Urkunden zu Hause – und eines ist sicher: So viele Fotos wie diesen Freitag hat noch nie jemand von ihm gemacht. All das reicht, um ausnahmsweise ein bisschen nervös zu werden. Viel nervöser, als damals – an dem Februartag im Jahr 2010, als er einen Augenblick lang nur auf sein Bauchgefühl vertraute. Es war ein Augenblick, von dem Siegmund Burkart danach viele Wochen lang geträumt hat. Keine guten Träume. „Sobald ich die Augen geschlossen hatte, sah ich wieder diesen Mann mit der Pistole vor mir“, erzählt er.

Siegmund Burkart ist einer von vier Männern, die der Polizei geholfen haben, den brutalen „Waldläufer“ zu schnappen – ein Serienräuber, der nach seinen Überfällen immer ins Dickicht flüchtete. Jahrelang hat er Supermärkte und Tankstellen im Kreis Fürstenfeldbruck überfallen. Siegmund Burkart stand damals an diesem Februartag direkt vor dem Supermarkt in Greifenberg, aus dem der Mann stürmte. Der Landwirt hatte seinen dreijährigen Sohn auf dem Arm, als er seine Frau von der Arbeit abholte. Es war ein Moment für Zivilcourage.

"Ganz impulsiv reagiert"

„Ich hab damals nicht viel nachgedacht, sondern ganz impulsiv reagiert“, sagt Burkart heute. Er drückte seiner Frau Kamila den Sohn in die Arme und rannte dem Räuber hinterher. Dann ging alles ganz schnell. Der Waldläufer drehte sich um, schrie „Hast Du ein Problem?“ – und schoss. Die Kugel traf Burkart in den Oberschenkel, ein glatter Durchschuss. Er musste notoperiert werden – und wochenlang mit Alpträumen schlafen. Aber er konnte der Polizei eine genaue Beschreibung des Waldläufers geben.

Am Freitag im Innenministerium hat Siegmund Burkart drei weitere Männer kennengelernt, die einen Beitrag geleistet haben, um den gefürchteten Serienräuber zu fassen. Auch Helmut Leichinger (53) und Emil Scholz (63) haben den Waldläufer nach Überfällen verfolgt und die Polizei verständigt.

Die Medaille für Zivilcourage.

Anton Reiser war es, der der Polizei im Mai 2013 den entscheidenden Tipp gab. Ihm fiel ein verdächtiges Fahrzeug auf, der Räuber begann sofort, auf die Polizisten zu schießen, verletzte einen Beamten schwer. Anton Reiser ging in Deckung – aber blieb in Rufweite, half den Beamten mit seinen Beobachtungen weiter. Der Räuber kam damals bei dem Schusswechsel ums Leben. Auch Reisers Auto hatte Kugeln abbekommen. Es wurde quer durch Geltendorf abgeschleppt, der Dorffunk setzte ein – und schon nach ein paar Tagen wusste jeder von der Heldentat des 50-Jährigen. „Das war mir eigentlich gar nicht recht“, erzählt er verlegen. „Es war schließlich eine Selbstverständlichkeit, zu helfen – wo kommen wir denn sonst hin.“ Aber Anton Reiser gibt zu: „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mich über die Ehrung heute nicht gefreut habe.“

Einer der jüngsten Helden kommt aus Arnbach

Damit spricht er vermutlich den 36 anderen Männern und Frauen aus der Seele, die neben ihm im Innenhof des Innenministeriums stehen und von Herrmann eine Medaille und eine Urkunde für ihre Zivilcourage überreicht bekommen. „Durch Ihr beherztes Einschreiten haben Sie den Gegenbeweis zur Wegschau-Mentalität erbracht“, sagte Herrmann. „Sie stehen für eine bürgerliche Tugend, die nicht genug geschätzt werden kann.“

Alexander Thoma.

Einer von Bayerns jüngsten Helden ist der 16-jährige Alexander Thoma aus Arnbach (Kreis Dachau). Er kam vor einem Jahr einem Fahrgast in der S-Bahn in Neufahrn zur Hilfe, als er von aggressiven Jugendlichen angegriffen wurde. Er habe nicht nachgedacht, erzählt er – und er würde jederzeit wieder eingreifen. „Vielleicht ist die Auszeichnung heute ja auch für andere ein Ansporn, hinzuschauen, wenn vor ihren Augen jemand in eine Notsituation gerät“, wünscht er sich. Denn Augenblicke, in denen aus Beobachtern Helden werden könnten, wird es noch genug geben. Vermutlich sogar jeden Tag.

Katrin Woitsch

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