Befragung der Handwerkskammer

Mehr Aufträge, mehr Umsatz, mehr Beschäftigung: Oberbayerisches Handwerk boomt

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München - Die Konjunktur brummt: Vor allem Bäcker, Metzger und Konditoren machten gute Geschäfte. Andere Branchen tun sich deutlich schwerer.

Fast alle Betriebe des oberbayerischen Handwerks haben sich im dritten Quartal dieses Jahres über gute oder zufriedenstellende Geschäfte gefreut. Das geht aus der vierteljährlichen Befragung der Handwerkskammer für München und Oberbayern unter 500 Betrieben hervor. Demnach liefen bei 91 Prozent der Handwerksfirmen die Geschäfte rund – fünf Prozentpunkte mehr als im Vorquartal.

Damit hat sich die Stimmung im oberbayerischen Handwerk wieder aufgehellt, nachdem sie sich im Vorquartal leicht eingetrübt hatte. Auch die Zukunftsaussichten bleiben optimistisch: 89 Prozent der befragten Firmen-Chefs gehen davon aus, dass die Geschäftslage im kommenden Quartal auf diesem Niveau bleibt.

„Die gute Lage am Arbeitsmarkt und niedrige Zinsen befeuern weiter die Kauflaune der Verbraucher“, erklärte Georg Schlagbauer, Präsident des Bayerischen Handwerkstages. Da die Handwerksbetriebe stark vom Binnenmarkt abhängig seien, bleibe der Aufschwung stabil, sagte er. Dabei hatte Schlagbauer noch vor drei Monaten befürchtet, die Stimmung in den Betrieben könnte kippen – das Gegenteil ist jetzt der Fall, wie die aktuelle Befragung zeigt.

Allerdings profitierten nicht alle Branchen gleichermaßen vom Aufschwung: Die sogenannten „verbrauchernahen Dienstleister“ – also Friseure, Optiker oder Kosmetiker – beurteilten die Geschäftslage skeptischer: Bei 19 Prozent der befragten Firmen liefen die Geschäfte schlecht. Ähnlich war die Stimmung bei Metallbaufirmen, Landmaschinenmechaniker oder Gebäudereinigern. In diesen Handwerksbetrieben für den gewerblichen Bedarf klagten 17 Prozent über schlechte Geschäfte.

Ganz anders die Stimmung im Lebensmittelgewerbe: Bei Bäckern, Konditoren und Metzgern laufen die Geschäfte gut. Hier herrsche weiterhin Rekordstimmung, sagte Schlagbauer. 95 Prozent der Lebensmittelbetriebe waren den Angaben zufolge mit den Geschäften mindestens zufrieden. Grund sei die gestiegene Kaufkraft und das zunehmende Bewusstsein der Kunden für Herkunft und Qualität, sagte Schlagbauer. Ebenso habe das Ausbaugewerbe – also Fliesenleger, Maler oder Heizungsbauer – von der Binnenkonjunktur profitiert. Einen Stimmungsboom gebe es auch in Kfz-Betrieben.

Insgesamt ist die Kapazitätsauslastung und das Auftragsvolumen im Handwerk gestiegen. Auch die Umsätze legten im dritten Quartal zu. Mit 9,3 Milliarden Euro lagen sie 0,2 Prozent über den Zahlen des Vorquartals. „Als Wachstumsbremse erwies sich einmal mehr die Versorgung der Betriebe mit Fachkräften“, klagte Schlagbauer. Zu hoch sei auch die Abbrecherquote bei Flüchtlingen. Von 144 Flüchtlingen, die 2012 eine Lehre angefangen haben, hätten 70 Prozent ihre Lehre nicht beendet. Inzwischen sei die Quote aber geringer.

Die Beschäftigung im Handwerk ist den Zahlen zufolge im dritten Quartal um 0,2 Prozent auf 302 000 gestiegen. Während mehr Menschen im Handwerk arbeiteten, ging die Zahl der Betriebe leicht zurück. Rund 320 der über 79 800 Firmen stellten ihren Betrieb ein. „Das ist ein Trend, den wir seit Jahren prophezeit haben“, sagte Schlagbauer. Allerdings erfülle ihn die Zahl nicht mit Sorge. Oft handele es sich um Ein-Mann-Betriebe ohne Meistervoraussetzung oder Subunternehmer.

Rubriklistenbild: © dpa

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