Ursachenforschung schwierig

Mehr Drogentote in Nürnberg und München

München/Nürnberg - Sie spritzen sich Heroin, kauen Fetanyl-Pflaster oder puschen sich mit Crystal Speed: Die Zahl der Todesfälle unter Drogenkonsumenten ist 2013 wieder deutlich gestiegen.

Die Zahl der Drogentoten ist im Jahr 2013 in den bayerischen Großstädten Nürnberg und München gestiegen - zum ersten Mal wieder, nachdem in den Vorjahren die Zahlen rückläufig waren. Im Bereich des Polizeipräsidiums München kamen 2013 bis zum Wochenende 45 Menschen aufgrund von Drogenkonsum ums Leben, 2012 waren es 39. In Nürnberg zählte die Polizei 27 Tote, im Vorjahr waren es 24. Bei einem großen Teil der Todesfälle seien erfahrungsgemäß Heroin oder Fetanyl im Spiel, sagte Bertram Wehner, Geschäftsführer der Mudra-Drogenhilfe in Nürnberg.

Trotz der gestiegenen Zahl verwies ein Sprecher der Münchner Polizei darauf, dass die Tendenz über einen längeren Zeitraum gesehen rückläufig sei. Zwar waren es 2004 laut Statistik noch 65 Tote, 2005 50 Tote sowie 2007 und 2008 wieder jeweils 55 Tote im Bereich des Münchner Polizeipräsidiums. Zwischen 2009 bis 2012 gab es jedoch weniger Drogentote.

„Der Zehnjahresvergleich zeigt auf, dass wir uns momentan eher noch auf einem niedrigeren Niveau befinden, soweit es in den beiden verbleibenden Wochen des Jahres nicht noch zu einem sprunghaften Anstieg nach oben kommt“, sagte der Münchner Polizeisprecher. Durchschnittlich waren die Drogenopfer 35 Jahre alt.

In Nürnberg starben in diesem Jahr 27 Menschen infolge Rauschgiftkonsums, 2010 waren es 54, 2011 und 2012 26 und 24 Drogentote. Allein am ersten Adventswochenende starben nach Polizeiangaben in Nürnberg drei Drogensüchtige. In der Regel hätten die Opfer verschiedene Substanzen genommen, Heroin sei jedoch in den meisten Fällen dabei, so Wehner.

Die Ursachenforschung für den Anstieg der Drogentoten ist schwierig. Jedoch kommt manchmal besonders reines Heroin auf den Markt. „Das sieht ein Konsument dem Stoff jedoch nicht an und spritzt sich versehentlich eine zu hohe Dosis. Dann erleiden sie schnell einen Herzstillstand.“ Deswegen warnt Mudra immer wieder vor der Gefahr durch besonders reines Heroin und führt auch spezielle Notfall-Trainings mit Drogenabhängigen durch.

Häufig griffen Süchtige auf fetanylhaltige Schmerzpflaster zurück, die sie sich von einem Arzt verschreiben ließen oder illegal besorgten. Um an den Wirkstoff zu gelangen, kochen sie die Pflaster Wehner zufolge aus oder kauen sie. Auch hier bestehe die Gefahr einer Überdosierung.

Nicht unterschätzt werden dürfe die Modedroge Crystal Speed, die vor allem in Nord- und Ostbayern verbreitet sei. „Das ist ein regionales Problem, das sich aber zusehends ausbreitet.“ Verwunderlich sei diese Entwicklung nicht: „Crystal macht fit, schnell und leistungsfähig“, sagte Wehner. Deswegen sei die Droge in allen Schichten verbreitet und längst nicht nur bei typischen Drogenjunkies. „Das ist ein Spiegelbild der Gesellschaft.“

dpa

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