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Den Blick über die Alpen genießen immer mehr  Sportler und Erholungssuchende.

Bündnis für mehr Sicherheit in den Alpen

München - Der Berg ruft - und das offenbar immer lauter. Die Zahl der Sportler und Erholungssuchenden in den bayerischen Alpen nimmt zu - und damit auch die Zahl der Unfälle. Das soll anders werden.

Die allermeisten Unfälle wären vermeidbar. Die Ursachen lägen meist bei den Betroffenen selbst, sagt Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein (DAV). „Ausrüstungsdefekte oder tragische Zufälle höherer Gewalt sind dagegen selten.“

Ein Bayerisches Kuratorium für Alpine Sicherheit soll nun Unfälle systematisch erfassen, analysieren und Gegenstrategien entwickeln. „Die Menschen sollen die Berge genießen, aber sie sollen dabei möglichst nicht zu Schaden kommen“, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Dienstag bei der Vorstellung des Bündnisses aus rund einem Dutzend Verbänden und Organisationen. Einen benennbaren Finanzrahmen für die Arbeit des Kuratoriums gibt es freilich nicht; die Arbeit soll aus Mitteln der Mitglieder finanziert werden.

Jedes Jahr verunglücken nach Angaben von Herrmann in den bayerischen Alpen rund 50 bis 70 Menschen tödlich. Das Bündnis will erfassen, wie viele Menschen überhaupt in Bayerns Bergen unterwegs sind und wie oft es aus welchen Gründen zu Unfällen kommt. „Wir wollen in diesem Rahmen Standards entwickeln“, sagt der Kuratoriumsvorsitzende und CSU-Landtagsabgeordnete Roland Richter. „Wir wollen aber auch dem Gast, der zu uns nach Bayern kommt, diese Information an die Hand geben, damit dieser in unserer Bergwelt sicherer unterwegs ist.“ Dabei trifft es keineswegs nur den Fremden, der die Bergwelt nicht kennt: Die Frauen, die am Teisenberg im Schnee steckten, waren Einheimische.

Der neue Verband hat sich viel vorgenommen - die Gefahren reichen vom Lawinenunglück über Unfälle beim Canyoning bis zum Sturz in Höhlenschächte. Schneearme Winter bringen hier ungeahnte Gefahren, denn die Zugänge sind nicht wie früher von Schnee verschlossen. Erst vor zwei Wochen sei am Dachstein ein Snowboarder in eine Höhle gerutscht, berichtet der Vize-Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Höhlen- und Karstforscher, Andreas Wolf. Solche Unfälle seien nicht neu, häuften sich aber. „Das hat uns schon ein bisschen überrascht.“

Risikoreiche Schnitzeljagden

Auch neu: Bei übers Internet organisierten Schnitzeljagden („Geocaching“) kommen Teilnehmer in Not. Dabei werden „Schätze“ versteckt - gerade für Kinder ein aufregendes Spiel. „Da werden die Leute schnell verleitet“, sagt Wolf. Sogar ein Mitglied einer US-Eliteeinheit musste aus einer Höhle in der Fränkischen Schweiz gerettet werden - er hatte sich mit einem Freund bei dem Spiel in eine Höhle abgeseilt und kam nicht mehr heraus.

Unvorsicht ist häufige Unfallursache. Immer wieder laufen Bergsteiger unangeseilt über Gletscher, steigen ohne Sicherung Klettersteige hinauf oder überschätzen sich, immer wieder stürzen Touristen auf einfachen Routen in die Tiefe. „Stolpern, Ausrutschen, Hängenbleiben - das sind die häufigsten Ursachen“, sagt Winter. Der Trend laut DAV-Statistik allgemein: Tödliche Unfälle nehmen ab, die Unfallzahlen insgesamt aber steigen.

Debatte um das Skitourengehen

Kaum Unfälle, aber dafür eine umso heftigere Debatte gab es um das Skitourengehen auf Pisten. Seilbahnbetreiber sehen zu große Gefahren und sperrten bestimmte Pisten für den Aufstieg, Tourengeher pochen auf das Recht an der freien Natur. Dabei boomt Skifahren weiter, auf den Pisten wird es immer enger. Der Vorsitzende des Deutschen Skilehrerverbandes, Wolfgang Pohl, findet bei Kindern bis 14 Jahren wie in Italien eine Helmpflicht sinnvoll. Bei Erwachsenen hingegen setzt er mehr auf das, „was sich unter dem Helm abspielt“. Nicht nur auf der Piste dürfte gelten: „Entscheidend ist die Software, nicht die Hardware.“

dpa

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