Joachim Herrmann (CSU) ärgert sich über steigende Zahlen bei der Unfallflucht

Mehr Unfälle, weniger Tote: Verkehrs-Statistik 2010

München - So viele Unfälle gab es schon lange nicht mehr auf Bayerns Straßen: Im vergangenen Jahr krachte es insgesamt 356 872 mal - der bislang höchste Wert in diesem Jahrtausend. 76 450 der Unfälle passierten in Oberbayern. Die gute Nachricht: Sehr häufig blieb es bei harmlosen Blechschäden.

Die Zahl der Verkehrstoten sinkt seit Jahren und hat 2010 einen neuen, historischen Tiefststand erreicht. 697 Menschen verloren ihr Leben, 185 davon in Oberbayern. „So wenige wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gestern in München. Im Vergleich zu 2001 sei das ein Rückgang von 47 Prozent.

Auch die Zahl der Verletzten geht seit Jahren kontinuierlich zurück - im Vergleich zu 2009 um 3,6 Prozent. Wäre der Winter im vergangenen Jahr nicht so streng gewesen, wäre vermutlich auch die Gesamtzahl der Unfälle gesunken. Doch dann kamen Schnee und Eis im Dezember: In diesem Monat krachte es um 15 Prozent häufiger als im Dezember 2009.

Straßenglätte war bei jeder zehnten Karambolage der Auslöser. Die häufigste Ursache ist jedoch nach wie vor zu hohe Geschwindigkeit (23 Prozent). Bei etwa jedem sechsten Zusammenstoß hatte der Fahrer rechts vor links missachtet und in sieben Prozent der Fälle war Alkohol am Steuer schuld.

Trotz einer insgesamt positiven Entwicklung gibt es auch Schatten in der Statistik: Minister Herrmann nannte es „alarmierend“, dass jeder Vierte, der im Auto sein Leben ließ, nicht angeschnallt war. 101 Fahrer starben ohne angelegten Gurt. Laut Herrmann hätten vermutlich viele von ihnen überlebt, wenn sie angeschnallt gewesen wären. Die Polizei erwischte insgesamt 89 173 Gurtmuffel, die meisten in den Großstädten. Bei Erwachsenen wird ein Bußgeld von 30 Euro fällig. Ist ein Kind nicht angeschnallt, kostet es 40 Euro plus einen Punkt in Flensburg.

Mit Sorge betrachtet die Polizei auch den steigenden Trend bei der Unfallflucht: Etwa jeder fünfte Verursacher gab nach dem Aufprall Gas und verschwand. Insgesamt zählte die Polizei rund 66 000 Fluchtfälle, 5 Prozent mehr als noch 2009.

Eine weitere Gefahr auf den Straßen sind immer wieder Geisterfahrer. Die Beinahe-Katastrophe im September 2010, bei der Sozialministerin Christine Haderthauer einem Zusammenstoß um Haaresbreite entging, ist noch lebhaft in Erinnerung. So spektakulär die einzelnen Fälle auch sind - statistisch spielen sie eine untergeordnete Rolle. Im vergangenen Jahr wurden 343 Falschfahrer von Zeugen gemeldet, 90 von ihnen wurden von der Polizei ermittelt. Es kam zu 20 Unfällen, 15 Menschen wurden verletzt, drei getötet. Seit Dezember 2010 läuft auf der A 3 und der A 8 ein Pilotversuch zur Erprobung neuer Geisterfahrer-Warntafeln nach österreichischem Vorbild. In einem zweiten Schritt will die Staatsregierung untersuchen, „ob wir neu gestaltete Fahrbahnmarkierungen an der Nahtstelle Landstraße-Autobahn verbessern können“, so Herrmann.

Bei den meisten tödlichen Unfällen saßen die Opfer in einem Auto als das Unglück geschah - 364 verloren so ihr Leben. Die Zahl der Motorradunfälle ging zwar zurück, dennoch starben vier Personen mehr als noch im Jahr zuvor (134). Die Bauämter versuchen dem Trend entgegen zu wirken und investierten im Jahr 2010 über 1,4 Millionen Euro für Schutzplanken an gefährlichen Kurven.

Die anderen Opfer auf Bayerns Straßen waren meist zu Fuß (89), mit dem Fahrrad (65) oder mit anderen Verkehrsmitteln unterwegs.

Thomas Schmidt

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