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Heiß begehrt: Schreckschusswaffen werden in Bayern verstärkt gekauft. Hier eine „Walther P22“

Irritierende Zahlen des Innenministeriums

Mehr Waffenbesitzer in Bayern? Zweifel an Statistik wächst 

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Die Zahl der Waffenbesitzer in Bayern steigt wieder. Vor allem Schreckschusswaffen sind gefragt, aber auch Schusswaffen werden vermehrt gekauft. Die Grünen sprechen von einer erschreckenden Entwicklung.

München – Bayern rüstet auf – aber nicht überall gleich stark. Regional gibt es gerade in Oberbayern einige Auffälligkeiten, wie aus den Zahlen ersichtlich wird, die das Innenministerium nach einer Landtags-Anfrage der Grünen offen legte. Insgesamt gibt es 1,16 Millionen Schusswaffen, die 230 000 Personen in Bayern besitzen. Dabei ist die Zahl der Waffenbesitzer im Oberland überproportional hoch. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen wurden 3525 männliche und 364 weibliche Waffenbesitzer registriert, mit insgesamt 19 513 Schusswaffen. Zum Vergleich: Im weit einwohnerstärkeren Landkreis Fürstenfeldbruck sind es insgesamt nur 2669 Waffenbesitzer – Männer und Frauen zusammengerechnet.

Völlig aus dem Rahmen fällt die Zahl für den Landkreis Miesbach – das Landratsamt hatte 12 518 Waffenbesitzer an das Innenministerium gemeldet, wie Pressesprecher Gerhard Brandl auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte. Das würde bedeuten, dass etwa jeder achte Miesbacher – vom Baby bis zum hochbetagten Senior – eine Waffe besitzen würde. Im Landratsamt erklärt man dies mit „der großen Anzahl der Gebirgsschützen, die häufig Waffenträger sind“. Martin Haberfellner, stellvertretende Landeshauptmann der bayerischen Gebirgsschützen, bezweifelt dies aber: „Es gibt nur 12 000 Gebirgsschützen in ganz Bayern“ – und allenfalls einige hundert im Landkreis Miesbach seien mit erlaubnispflichtigen Karabinern ausgestattet. „Vielen ist das zu heiß, sie marschieren mit schieß-unfähigen Waffen.“

Innenministerium selbst zweifelt an der Richtigkeit

Auch im bayerischen Innenministerium wird die Zahl, die immerhin in die offizielle Antwort der Grünen-Landtagsanfrage eingeflossen ist, mittlerweile angezweifelt. Das Ministerium sicherte zu, die Frage am Montag mit der Regierung von Oberbayern und dem Landratsamt zu klären.

Die hohe Zahl im Nachbar-Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ist indes plausibel – neben Gebirgsschützen gibt es hier auch eine rege Szene an Sportschützen und wohl auch sehr viele Jäger.

Auch bei der starken Zunahme der kleinen Waffenscheine – plus 428 Prozent – gibt es regionale Besonderheiten. Überdurchschnittlich viele Bürger in den Landkreisen Fürstenfeldbruck (703), Rosenheim (550), Dachau (558) und Traunstein (624) verlangten nach Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen. Die bayerische Gesamtzahl von 33 198 neu ausgestellten kleinen Waffenscheinen allein im vergangenen Jahr nennt Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze erschreckend.

Grüne fordern Verschärfung der Waffengesetze

Den Grünen ist angesichts der vielen Waffen, die sich in privaten Händen befinden, generell nicht wohl. Fraktionschefin Schulze verweist auch auf 41 Personen, die 2016 in Bayern durch Schusswaffen starben oder schwer verletzt wurden – darunter sind auch die neun Opfer des Münchner Amoklaufs sowie der Polizist, der durch einen Reichsbürger im fränkischen Georgensgmünd erschossen wurde. 19 Personen starben durch Suizid mittels einer Schusswaffe, durchwegs übrigens mit illegalen Waffen.

Katharina Schulze verlangt nun schärfere gesetzliche Bestimmungen, etwa eine gesonderte Überprüfung der Personen bei den kleinen Waffenscheinen. Sie dürfte damit jedoch kaum auf Zustimmung beim Innenministerium stoßen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte zuletzt erklärt, die Waffengesetze seien ausreichend und müssten nicht nachgebessert werden.

Zuletzt lehnte Bayern den Vorschlag ab, Waffenerlaubnisse generell zu befristen und bei den Waffenbesitzern eine medizinische Untersuchung zur Pflicht zu machen, wie es aus der Antwort auf die Landtags-Anfrage hervorgeht. Begründung: Beides sei zu bürokratisch.

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