Kommentierte Ausgabe

Ministerium will keine Schüler-Referate zu „Mein Kampf“

München – Die kommentierte Edition von „Mein Kampf“ erweist sich als Bestseller (aktuell Platz 2 der „Spiegel“-Rangliste) – doch im bayerischen Kultusministerium wird dieser Erfolg mit sehr gemischten Gefühlen gesehen.

Ein Rundbrief des Ministeriums an die Leitungen aller weiterführenden Schulen in Bayern enthält keine Kaufempfehlung für die Edition (Preis: 59 Euro) – die Publikation ziele ja „insbesondere auf den wissenschaftlichen Bereich ab“, heißt es in dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt. Bei der Behandlung der Edition im Unterricht sei Vorsicht geboten, weil die Hetzschrift nicht isoliert betrachtet werden dürfe. Die Lehrpläne „sehen keine vertiefte Auseinandersetzung mit ,Mein Kampf‘ vor“, betont das Ministerium. Allenfalls könne „eine historisch-kritische Quellenarbeit mit Auszügen“ erfolgen. Pläne, das zu ändern, hat das Schulministerium offenbar nicht.

Auch Referate speziell zu „Mein Kampf“ will das Ministerium nicht dulden. „Von einer Behandlung als Ganzschrift im Unterricht, auch in Form von Referaten, wird grundsätzlich abgeraten.“ Außerdem sei weiterhin darauf zu achten, dass Hitlers Buch nicht im Original an Schulen kursiere. Die Gefahr, dass die Schrift „zum geistigen Brandbeschleuniger für Rechtsextremisten“ werde, bestehe weiterhin. Original-Bücher zu verbreiten, sei auch strafbar. „Die Präsenz von ,Mein Kampf‘ in unveränderter Form ist deshalb an den Schulen in Bayern auch weiterhin ausgeschlossen.“

Stattdessen verweist Herbert Püls, als ranghoher Beamter im Ministerium rechte Hand von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), auf eine „Handreichung“, die allerdings die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit erst erstellen müsse. Die Schrift werde praktische Hinweise und pädagogische Beispiele für den Umgang mit „Mein Kampf“ enthalten. Außerdem sei eine neue dreibändige Publikation zur NS-Zeit insgesamt in Arbeit. Ein Datum, wann all diese Bücher verfügbar sein werden, nennt Püls nicht. dirk walter

Rubriklistenbild: © dpa

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