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Das Hochzeitsfoto von 1973 von Ilse und Bruno. Heute ist die 65-Jährige eine Frau.

Im falschen Körper geboren

Mein Mann ist jetzt eine Frau: Wie aus Bruno Beate wurde

Beate Schmittke wurde als Bruno geboren - und hat schon immer die Frau in sich gespürt. 49 Jahre später outete sich der damalige Familienvater. Der Start eines harten Weges. Deshalb sagt sie heute: „Meine Geburt dauerte ein halbes Jahrhundert!“ 

München - Gemerkt hatte sie es schon mit elf Jahren. Als sie die Wiener Sängerknaben im Fernsehen sah, die Mädchenrollen spielten. Und als sie den „innigen Wunsch“ verspürte, in eines dieser Biedermannkleider zu schlüpfen. Geoutet hat Beate sich und ihre Transsexualität erst Jahrzehnte später, als der Vater schon lange tot war. „Ich hatte eine Riesenangst, alles zu verlieren.“ Sie wollte ihr Geheimnis „mit ins Grab nehmen“, erzählt Beate Schmittke, heute 65. Sie trägt ein dezentes Make-up mit Rouge und Lippenstift, dazu Rock und Bluse, Pumps und eine schwere, silberfarbene Halskette. Sie hielt das Versteckspiel, das Leben als Mann, irgendwann nicht mehr aus. „Ich habe immer gehofft, dass es wieder vorbeigeht“, sagt sie. Sie gab den Mann perfekt, den Soldaten, Software-Entwickler, Hoaschdenger Kegler, den Freien Wähler und SV-Heimstetten-Förderer. Den Ehemann und Vater zweier Söhne (32 und 34). 

„Ich wollte ein normales Leben führen“, sagt sie. Und doch war sie in ihrem Körper nie zu Hause, die „Frau immer in mir eingesperrt“. Nur im Fasching ließ sie sie heraus. Mit 45 Jahren trat sie dann das erste Mal als Travestiekünstler auf einer privaten Feier auf, mimte Marilyn Monroe, I wanna be loved by you. Fasching und Travestie wurden zu „meinen Ventilen“. Alles andere fand heimlich statt. 

Als Bruno mit zwölf Jahren das erste Mal die Nylonstrümpfe seiner Mutter berührte, „durchfuhren mich 100 000 Volt“, schreibt Beate Schmittke. Sie hat ihren Weg in dem Buch Von nun an ging’s verarbeitet. Doch zurücklegen konnte der Bub die Strümpfe nicht, „es war ein Zwang, sie anzuziehen“. Immer heimlich. Immer unentdeckt. Seine Frau Ilse hat es nie gemerkt. 28 Ehejahre nicht. Bis zum 6. Januar 2001. Am Dreikönigstag setzt sich Bruno Schmittke zu seiner Ehefrau auf die Couch im gemeinsamen Haus in Heimstetten und erzählt ihr von sich. „Sie ist aus allen Wolken gefallen.“ Dann kam die Wut. Warum hatte Bruno ihr nie etwas erzählt? Danach weinten sie beide, nächtelang, „bis wir keine Tränen mehr hatten“. 

Während der Trennung haben die Frauen gemerkt, „wie sehr sie sich fehlen“

Und dann blieben sie zusammen. Ihren Söhnen offenbarte sich Beate Schmittke erst knapp zwei Jahre später. Der Jüngere war 2001 gerade in der Pubertät, der Zeitpunkt nicht gut. Sie nahmen es später gut auf, „aber es arbeitete natürlich in ihnen“. Als Beate ihren älteren Sohn mit seinen Spezln in der S-Bahn traf, „tat er so, als kennt er mich nicht“. Diese Person in Frauenkleidern. Letztlich aber standen es alle vier zusammen durch: Beates Hormontherapie, das öffentliche Bekenntnis, Anfeindungen, den Verlust von Freunden, den Rückzug aus den Vereinen und ihre Operation zur Frau im Jahr 2004. 

Über ihre Wandlung vom Mann zur Frau hat Beate Schmittke ein Buch geschrieben.

2014 zog Beate Schmittke nach Lübeck. Allein. Ilse und sie „mussten schauen, ob wir noch mal jemand anderen brauchen“. Doch kurz nach Beates 50. Geburtstag reisten die beiden nach Teneriffa. Ins Flugzeug stieg Beate als Mann mit Jeans und T-Shirt, im Urlaub trug sie nur Frauenkleider. Dort wollten die beiden sich das erste Mal als Frauen kennenlernen. Es ging nicht. Dann wollte sie sterben, vom Balkon des Hotelzimmers im sechsten Stock springen. „Ich hatte Todessehnsucht“, sagt Beate. „Ich hab’ gedacht, ich schaffe das nicht.“ Sie sprang nicht, zog aber am nächsten Morgen wieder Jeans und T-Shirt an. Ilse fragte sie, was das soll, und legte ihr die Seidenstrümpfe hin. 

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Während ihrer Trennung haben die Frauen dennoch gemerkt, „wie sehr wir uns fehlen“, sagt Beate. Im Herbst vergangenen Jahres ging Beate Schmittke in Ruhestand - und kehrte zurück zu Ilse. Das Ehepaar zog wieder in das Haus nach Heimstetten. Zu ihren Familien- und Hochzeitsfotos an den Wänden. Nicht nur als platonische Freunde, sondern als tief Verbundene, Vertraute. Ein Bund fürs Leben. Das Buch „Von nun an ging’s - die Geburt eines Schmetterlings“ von Beate Verena Schmittke ist im Juli 2017 erschienen. Sie vertreibt es bislang aus Eigenmitteln als Book-on-Demand. 

Janine Tokarski

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