Lokführer suspendiert

Anschiebe-Aktion: Railjet auf Gegengleis vorbeigerauscht

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München/Rosenheim – Auf den Lokführer, der Fahrgäste zum Anschieben des Meridian-Zuges animiert hat, kommen ernste arbeitsrechtliche Konsequenzen zu.

Der Mann ist nach Informationen des "Münchner Merkur" durch die Bayerische Oberlandbahn, zu der der Rosenheimer Meridian  gehört, vom Dienst suspendiert worden.

Für das Unternehmen ist der Vorfall, der sich bereits am Montag vor zwei Wochen zwischen Kufstein und Kiefersfelden zugetragen hat, besonders bitter: Denn der Bedienstete ist kein normaler Lokführer, sondern zudem Erster Eisenbahnbetriebsleiter. Der „EBL“ hat bei Eisenbahn-Unternehmen herausgehobene Funktionen. Jedes Unternehmen, das Züge auf eine Strecke schickt, muss zwei „EBL’s“ beschäftigen. Vorläufig hat der Meridian jetzt nur noch einen Betriebsleiter, der zudem nicht in Oberbayern stationiert sein soll.

Bayerische Oberlandbahn schweigt

Das Unternehmen selbst schweigt: „Solange die Untersuchung nicht abgeschlossen ist, äußern wir uns nicht“, sagte die Pressesprecherin. Letztlich wird das Eisenbahnbundesamt entscheiden, welche Konsequenzen dem Unternehmen, aber auch dem betroffenen Mitarbeiter drohen. Für den nun suspendierten Mann ist der Vorfall nachgerade tragisch. Es handelt sich um einen Familienvater aus dem Raum Bad Tölz, der zur Urbelegschaft der Oberlandbahn gehört. Heino Seeger, bis vor eineinhalb Jahren Chef der BOB, spricht von seinem einstigen Mitarbeiter nur in den höchsten Tönen. Es handele sich um einen „sehr guten und hoch zuverlässigen Ingenieur“.

Der Mann war eigentlich nur für einen anderen Lokführer eingesprungen. Durch eine Zwangsbremsung rollte der von ihm übernommene Meridian dann genau an einem Streckentrenner, der das österreichische und deutsche Stromnetz separiert, langsam aus.

Reagierte Meridian-Lokführer panisch?

Jetzt muss der Lokführer panisch reagiert haben. Vielleicht fürchtete er, dass eine lange Störung wieder zu einem Imageschaden für sein Unternehmen führen würde. Anstatt also auf eine Stromüberbrückung zu warten, was offenbar technisch möglich ist, animierte der Lokführer Zugpersonal und einige Fahrgäste zum Anschieben. Die Aufsichtsbehörden sind wegen möglicher Gefährdung der Passagiere höchst alarmiert. Tatsächlich ist auf einem zeitweise im Internet kursierenden Video zu sehen, wie gegen Ende der Anschiebe-Aktion auf dem Gegengleis ein österreichischer Railjet vorbeirauscht.

Hier sehen Sie das Video dazu

Zusätzlich in Schwierigkeiten bringt den Mann offenbar, dass der Vorfall auch betriebsintern zunächst unter der Decke bleiben sollte. Meridian-Chef Kai Müller-Eberstein soll erst drei Tage später davon erfahren haben. Er suspendierte den Mitarbeiter umgehend.

Dirk Walter

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