Chef von BOB und Meridian: Kai Müller-Eberstein.

Kai Müller-Eberstein

Meridian-Chef beantwortet Fragen unserer User

München - Kai Müller-Eberstein ist in Personalunion Chef der Rosenheimer Meridian-Züge sowie der Bayerischen Oberlandbahn (BOB). Hier beantwortet er die Fragen unserer User.

User: Pendler Warngau

Derzeit wird - sicherlich zurecht - viel über die Probleme des Meridian diskutiert. Nicht vergessen werden sollten jedoch auch die Probleme auf der BOB Strecke Lenggries/Tegernsee/Bayrischzell - München, die seit dem Fahrplanwechsel offensichtlich sind. Ich war bis zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember sehr zufrieden mit der Pünktlichkeit auf dieser Strecke, seither bin ich leider an keinem einzigen Tag mehr pünklich in der Arbeit oder zu Hause gewesen - obwohl Sie uns ja eigentlich 5 Minuten mehr Feierabend schenken wollten.

Worin sehen Sie die Ursache für die Verspätungen? Wie wollen Sie in Zukunft sicherstellen, dass vor allem Pendlerzüge morgens und abends wieder pünktlich sind?

Auch wenn die BOB nicht für die Gestaltung des Fahrplanes zuständig ist - der wird ja von der BEG erstellt - waren die Probleme auf der BOB Strecke nicht bereits im Voraus absehbar? Durch die früherer Abfahrtszeit in München Hbf haben die Züge noch weniger Zeit zu wenden - Verspätungen sind also vorprogrammiert. Selbes Problem in Holzkirchen: Da die Züge aus München 5 Minuten früher in Holzkirchen sind, die Gegenzüge aus dem Oberland aber praktisch unverändert fahren, ist in Holzkirchen weniger Puffer für Verzögerungen. Mit Verlaub Herr Müller-Eberstein, solche Probleme sollten doch für einen guten Eisenbahner vorhersehbar sein? Warum musste man das bis dahin einigermaßen funktionierende System ändern? Auch wenn die BOB den Fahrplan von der BEG bekommt, man hätte wohl schon mal früher auf die Probleme aufmerkam machen können? Wenn Sie die Probleme nicht bald in den Griff bekommen, denken Sie dann auch an eine Änderung des Fahrplanes nach? Wenn ja, hoffentlich nicht erst im Dezember 2014?

Antwort Müller-Eberstein: Durch den dichteren Fahrplan sind zusätzliche Fahrzeuge erforderlich, weshalb das bestehende System angepasst werden musste. Bei den hinzugekommenen Talenten kam es zeitweise zu Kuppelproblemen. Die Software muss nach dem Kuppeln den ganzen Zug erkennen, was vor allem in den ersten Tagen nach Fahrplanwechsel leider nicht immer funktioniert hat. Der verdichtete Takt bewirkt dann, dass wir eine größere Verspätung oft über den Tag mitgenommen haben.

User: Weeler

Die BOB von Darching nach München ging vor dem Fahrplanwechsel um 06:16 Uhr, nun um 06:20 Uhr. Leider war dieser seither NIE mehr pünktlich. Es waren immer zwischen 4 und 15 Minuten Verspätung. Von den Verspätungen der Rückfahrt (Trennungsproblem in Holzkirchen) ganz zu schweigen. Sie schenken uns ja „5 Minuten mehr Freizeit“! Kann man sich auf diese stetige Verspätung in Darching nun verlassen und einfach 5 Minuten später zum Bahnhof gehen, oder wir dagegen etwas unternommen?

EU-Urteil: Diese Rechte haben Bahnkunden

Antwort Müller-Eberstein:Der betroffene Zug fährt ab Bayrischzell um 5:36 Uhr und muss dort den Gegenzug von Schliersee nach Bayrischzell abwarten. Aufgrund des Hangrutsches im letzten Jahr gibt es hier allerdings immer noch Langsamfahrstellen, weshalb die Geschwindigkeit der Züge verringert werden muss und es dadurch immer mal wieder zu Verspätungen von wenigen Minuten kommt. Wir sind derzeit aber dabei, eine Lösung zu erarbeiten, damit der Fahrplan stabiler ist.

User: Jugendlicher aus Aßling

Am Fahrkartenautomaten in Aßling sind keine Streifenkarten erhältlich. Hierdurch ist nicht nur die Mobilität beeinträchtigt, da man sich zu Fahrtantritt auf ein endgültiges Ziel festlegen muss, sondern es entfällt zudem der Zonen-Tarif für Jugendliche, welche nun den selben Preis wie Erwachsene zu bezahlen haben. Bei meinem letzen Besuch in München musste ich somit 4,05 Euro pro einfache Fahr mehr zahlen als bislang. Dies entspricht mehr als dem doppelten dessen, was ich bislang bezahlt habe. Bislang genügten für die Fahrt nach München drei Streifen, diese haben einen gemeinsamen Wert von 3,75 Euro. Nun muss ein Sechzehnjähriger Schüler gleich einem Berufstätigen Erwachsenen 7,80 für die einfache Fahrt in die Landeshauptstadt bezahlen. Meine Frage ist schlicht und einfach die, wie worin dies gerechtfertigt ist.

Antwort Müller-Eberstein:Aufgrund des anderen Papierformates der Streifenkarte werden diese von unseren Fahrkartenautomaten nicht ausgegeben. Kunden können aber über den Button „MVV-Tarif“ Fahrkarten für Kurzstrecken und 1 bis 4 Zonen lösen, ohne eine Relation zu definieren und sich in den gewählten Zonen frei bewegen. Wer gern Streifenkarten nutzt, kann diese in Aßling beim personenbedienten Verkaufsschalter auf Vorrat kaufen oder auch an zahlreichen anderen Stellen erwerben.

User: Mobilitätsfreund (1) 

Leider ist der Landkreis Rosenheim, wie viele bayerische Oberzentren auch, sehr schlecht mit ÖV ausgestattet.

Man investiert lieber in mehrspurige Straßen als in den Schienennahverkehr.

1. Zwischen Bad Aibling und Rosenheim besteht ein sehr reges Fahrgastaufkommen. Ein 30`Takt zwischen Bad Aibling - RO ist sicherlich bei den Fahrgästen sehr gerne gesehen. Vor allem am Samstag besteht reger Einkaufsverkehr nach RO. Würden Sie dazu einen eigenwirtschaftlichen Versuchsverkehr einrichten?

und

2. Würden sie in Verbindung mit Nr. 1 auch diese Taktverstärker als Versuchsverkehr bis nach Rohrdorf aufnehmen (Bad Aibling - RO - Rohrdorf)?

Antwort Müller-Eberstein:Zu 1 und 2: Im Nahverkehr eigenwirtschaftlich zu fahren, ist kaum möglich. Deshalb trägt der Freistaat einen Teil der Kosten, insbesondere für die Nutzung der Infrastruktur wie Gleise und Stationen. Der Einsatz des Zuges, die Trassenkosten, das Personal und die weiteren Betriebskosten liegen grundsätzlich deutlich über den Einnahmen, sodass es wirtschaftlich nicht tragbar wäre.

User: Mobilitätsfreund (2)

3. Eine Ausweitung der Durchbindung RO - Holzkirchen - München auch an Samstagen (auch an Oktoberfest und Adventsonntagen) für Besuchs-/ Einkaufsfahrten nach München halte ich für für sehr nützlich für die Fahrgäste.

Vor allem für Partybesucher aus RO - Mangfalltal - Holzkirchen fehlt am Fr/Sa/So eine durchgehende Spätverbindung nach München in die Partymeile. Die Inanspruchnahme darf als sehr gut angenommen werden.

(Anmerkung: Das Echelonkonzert in Bad Aibling nicht vergessen. DB Regio wurde immer sehr heftig vom Fahrgastandrang aus München/Holzkirchen-Mangfalltal überrascht und die Züge waren immer berstend voll (Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: DB Regio wurde nicht vom Veranstalter informiert. Organisierte aber trotzdem kurzfristig für das ganze Wochenende eine Doppeltraktion).

Antwort Müller-Eberstein:Das Fahrplankonzept gibt die Bayerische Eisenbahngesellschaft vor. Aktuell können Fahrgäste aus Holzkirchen mit der BOB, dem MERIDIAN und der S-Bahn nach München fahren. Fahrgäste aus Rosenheim mit dem MERIDIAN und Fahrgäste aus dem Mangfalltal müssen eben nachts in Holzkirchen oder Rosenheim umsteigen. Wenn wir feststellen, dass es einen großen Bedarf für eine Durchbindung gibt, werden wir auch aktiv auf die BEG zugehen. Hinsichtlich Kapazitätserweiterungen werden wir diese natürlich auch kurzfristig betrieblich organisieren, wenn es notwendig ist.

User: Mobilitätsfreund (3)

4. Könnten Sie sich auch eine Versuchsverkehr zwischen Wasserburg-Stadt und Wasserburg Stadt vorstellen, wenn diese Strecke wieder befahrbar ist, aber noch vom Freistaat Bayern noch kein Verkehr bestellt wurde?

Antwort Müller-Eberstein:Die Strecke ist nicht elektrifiziert. Deshalb können wir mit unseren Fahrzeugen hier nicht fahren.

Herzlichen Dank für ihre Antworten.

User: Mangfall-Tal

Frage: Fahrkartenkauf

1. Frage Warum darf man lt. Website auf den Zügen der Mangfalltalbahn nicht im Zug nachlösen? Werden - wenn das entgültige Konzept gefahren wird - keine Zugbegleiter mehr dort eingesetzt wie früher bei der DB? Werden die Dieseltriebwagen bis April fahren?

Antwort Müller-Eberstein:Es werden auf der Mangfalltalbahn Fahrgastbetreuer unterwegs sein, allerdings nicht in jedem Zug. Daher können im Zug auch keine Fahrkarten erworben werden. Der Kauf muss vor Fahrtantritt erfolgen.

2. Frage

Werden die normalen DB Jahresabos für den Fernverkehr auch weiterhin im Meridian gelten?

Antwort Müller-Eberstein:Ja.

In der Print-Ausgabe des Münchner Merkur lesen Sie das ganze Interview mit dem Meridian-Chef. 

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