Pikante SMS von Söder-Vertrauten

„Passiert nichts“: Corona-Gipfel mit Merkel und Söder in Bayern - Landräte hauen vorab auf den Tisch

  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
    schließen
  • Veronika Mahnkopf
    Veronika Mahnkopf
    schließen

Am Freitag schalten sich Bayerns Lokalpolitiker per Video mit Merkel, Söder und Spahn zusammen. Schon jetzt ist absehbar: Der Ton in Sachen Corona-Maßnahmen wird rau werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Markus Söder sind sich einig: Raus aus dem zweiten Corona-Lockdown geht es nur langsam, vorsichtig, umsichtig. Seit Monaten sind es die immer gleichen Worte, mit denen beide Politiker die Bürger zur Geduld mahnen wollen. Inzwischen aber nicht mehr nur die Bürger.

Auch die Lokalpolitiker in Bayern bedürfen aus Sicht von Merkel und Söder offenbar inzwischen einer Ermahnung. Offiziell heißt es, es gehe bei dem Termin um Dialog, wie die dpa berichtet. Um Austausch, und darum, dass Angela Merkel ein offenes Ohr für die Basis zeigen wolle. Unübersehbar ist aber auch: Es regt sich Widerstand an der sogenannten Basis.

Landräte und Bürgermeister können Corona-Maßnahmen oft nicht mehr vertreten

Zu Beginn der Corona-Pandemie und viele weitere Monate danach ging das Gros der Politiker in Deutschland, ob im Bundestag oder den Gemeinderäten in den Kommunen, den merkelschen und söderschen Weg der Pandemiebekämpfung mit.

Seit Beginn dieses Jahres, noch mitten im zweiten Lockdown dieser Corona-Pandemie, werden die Politiker vor Ort, in den Gremien auf dem Land und in den Städten aber unruhiger. Und fordernder. Ihr Tenor: Wir sind es, die den Menschen die Maßnahmen erklären müssen, warum mit den Inzidenzen nicht auch die Verbote und Vorgaben zurückgehen.

Erdinger Landrat: „Obwohl die Zahlen sinken, passiert nichts.“

Bestes Beispiel: Der Erdinger Landrat Martin Bayerstorfer zum Beispiel rät dringend zu Lockerungen auf Kreisebene* bei Inzidenzen unter 35. Sonst würden „immer mehr Menschen nicht mehr gewillt sein, den Kurs mitzugehen, weil sie feststellen: Obwohl die Zahlen sinken, passiert nichts.“

Sein Stellvertreter, ebenfalls CSU, fordert Schulöffnungen und wirft Söder öffentlich vor, „Kinder zu verachten*“. Der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß kritisiert die neue Zielmarke von 35 und die Haushalt-plus-eins-Kontaktlimits. Die Menschen seien „mürbe“, sagt er.

Vor Bayern-Gipfel mit Merkel: Auf Kritik der Basis folgt harsche SMS von Söder-Vertrauten

Die CSU München fordert mehr Lockerungen. Und mehrere Kreisvorsitzende der Jungen Union, früher nahe am Söder-Jubelclub, verbreiten im Netz offen Kritik. Einige berichten hinterher, von Söders Vertrauten schnell harsche SMS bekommen zu haben. Dämpfend wirkt das aber offenkundig nicht mehr.

Auch in Nordbayern* regt sich Widerstand. Mehrere Landräte und Bürgermeister haben angekündigt, mit einer Liste an drängenden Themen in den Termin am Freitag zu gehen. Sie fordern unter anderem einen „Marshall-Plan“ für die deutschen Innenstädte. Es sei nicht zu erwarten, dass die Kunden nach dem Lockdown wieder einfach so im Einzelhandel einkaufen. Ein anderer Lokalpolitiker wünscht sich eine „weniger apokalyptische“ Sprache beim Thema Corona von den Oberen in Berlin und auch von Markus Söder.

Schweinfurter OB will sich für Lockerungen bei Einzelhandel und Gastro einsetzen

Ganz aktuell hat sich auch der Bürgermeister der Stadt zu Wort gemeldet, die am Mittwoch deutschlandweit den niedrigsten Inzidenzwert aufwies - auch er wird beim digitalen Bayern-Merkel-Treffen morgen dabei sein: Schweinfurts Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU). Die Stadt in Unterfranken liegt bei einer Inzidenz von 5,6 (Stand 17. Februar). Beachtlich, wenn man bedenkt, dass sie noch vor wenigen Monaten als absoluter Corona-Hotspot galt.

Remelé will bei der Videoschalte nicht nur für seine Vorzeige-Stadt einsetzen - sondern strebt eine landesweite Lockerung vor allem in Einzelhandel und Gastronomie an. Und er wünscht sich eine Abkehr vom reinen Inzidenzwert als Richtschnur das weitere Vorgehen. Das Treffen mit der Kanzlerin könne ein Erfolg werden - wenn man gemeinsam „zwischen gebotener Vorsicht und Lockerung einen gangbaren Mittelweg findet.“ *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Foto: Filip Singer / Pool/epa/Pool/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Mehr zum Thema

Kommentare