Messer in Hals gerammt - Angeklagter hat's vergessen

Bayreuth - Wegen versuchten Mordes muss sich seit Montag ein 28-jähriger Mann vor dem Landgericht in Bayreuth verantworten. Er soll seiner Internetbekanntschaft ein Messer in den Hals gerammt haben. 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem arbeitslosen Altenpfleger vor, seine gleichaltrige Lebensgefährtin erst bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und dann mit einem Messer auf sie eingestochen zu haben. Wie durch ein Wunder überlebte die Frau. Eines ihrer beiden Kinder, ein sechsjähriger Junge, war zum Zeitpunkt der Tat in der gemeinsamen Wohnung in Creußen anwesend, hatte das Geschehen zumindest teilweise mitbekommen und wurde durch einen Kratzer mit dem Tatmesser selbst leicht verletzt.

Zum Auftakt der Hauptverhandlung stritt der Angeklagte die Tat nicht ab, bekannte sich aber auch nicht eindeutig dazu und machte stattdessen Erinnerungslücken geltend. Allerdings komme auch kein Dritter als Täter in Betracht, sagte Richter Michael Eckstein. Ursache für die Auseinandersetzung waren finanzielle Streitigkeiten zwischen dem Angeklagten und seiner Lebensgefährtin. Beide hatten erst zwei Wochen zuvor die gemeinsame Wohnung bezogen. Angeklagter und Opfer hatten sich erst ein halbes Jahr zuvor über das Internet kennengelernt.

Opfer findet positive Worte für Angeklagten

“Es war einfach die Wut aus dem Bauch raus“, sagte der Angeklagte. Von der Tat selbst wusste der Mann nur noch einige Details. Nach der Tat hatte der gelernte Altenpflegehelfer die stark blutende Frau sogar fachmännisch versorgt, die Wunde mit Desinfektionsspray gesäubert und einen Wundverband angelegt. Zufällig kamen in diesem Moment seine Stiefmutter und seine Tante vorbei. Die beiden Frauen verständigten sofort den Rettungsdienst. Als die Sanitäter eintrafen, war auch die Polizei gleich mit dabei und nahm den Angeklagten fest.

Das Opfer hatte für den Angeklagten überwiegend positive Worte übrig: “Wir sind super klar gekommen“, sagte die Frau. Sie habe zum ersten Mal das Gefühl gehabt, dass sie jemand versteht.

Die Verhandlung wird fortgesetzt, insgesamt hat das Landgericht sechs Verhandlungstage bis Anfang April anberaumt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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