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Der mutmaßliche NS-Verbrecher John Demjanjuk (89) wird ins Gericht gebraucht.

Demjanjuk-Prozess: Bewegende Zeugenaussagen

München - Im Mordprozess gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk haben Holocaust-Überlebende mit bewegenden Aussagen über das Schicksal ihrer ermordeten Familien schilderten.

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Mehrere Zeugen brachen im Münchner Schwurgericht in Tränen aus, als sie über die Deportation ihrer Eltern und Geschwister und deren Weg in die Gaskammern berichteten. Demjanjuks Wahlverteidiger Ulrich Busch rief erneut Empörung hervor, als er einen Überlebenden fragte: “War nach Ihrem Eindruck die Judenpolizei schlimmer als die Nazis?“ Er habe gelesen, dass der jüdische Ordnungsdienst im holländischen NS-Sammellager Westerbork schlimmer als die SS gegen zum Abtransport nach Sobibor festgenommenen Juden vorgegangen sei, sagte Busch. Auf Nachfragen des Gerichts und der aufgebrachten Anwälte der Nebenkläger nannte er aber keine Quelle. “Wenn Sie's googeln, finden Sie's“, sagte Busch. Schon am ersten Prozesstag hatte er mit mit der Gleichsetzung Demjanjuks und der jüdischen KZ-Häftlinge als Opfer der Nazis Empörung ausgelöst. Demjanjuk ist angeklagt, als Wachmann im Vernichtungslager Sobibor 1943 Beihilfe zum Mord an 27.900 Juden geleistet zu haben. Der 89-Jährige nahm mit geschlossenen Augen im Rollstuhl sitzend am dritten Verhandlungstag teil. Am 2. Dezember war die Verhandlung ausgefallen, weil er Fieber hatte.

“Ich wollte auch deportiert werden“

Der 87-jährige Nebenkläger Philip Jacobs aus Amsterdam sagte vor Gericht, seine Eltern und seine 21-jährige Verlobte Ruth seien von Westerbork deportiert und sofort nach ihrer Ankunft in Sobibor am 23. Juli 1943 vergast worden. “Ich habe die Liebe meines Lebens verloren“, sagte Jacobs weinend. Seine 23-jährige Schwester sei in Auschwitz, seine Freunde in Mauthausen umgebracht worden. “Ich peinige mich oft mit dem Gedanken, warum ich am Leben geblieben bin, warum ich meine Familie allein gelassen habe“, sagte der 87-Jährige. Der 83-jährige Robert Cohen sagte, er habe in Westerbork Strohmatratzen stopfen müssen, während seine Eltern und sein Bruder nach Sobibor gebracht wurden. “Ich wollte auch deportiert werden. Wir waren sehr naiv damals. Ich dachte, ich würde meine Familie dann wiedersehen“, sagte Cohen, der später nach Auschwitz-Birkenau kam.

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Der Nebenkläger Max Degen aus Amsterdam berichtete, er sei als Dreijähriger bei einer nichtjüdischen Tante versteckt und, als er entdeckt wurde, von Widerstandskämpfern “in einen Koffer gesteckt, über eine Mauer geschmissen“ und gerettet worden. Sein dreijähriger Bruder, seine Eltern und seine Großeltern wurden in Sobibor vergast. Der Holocaust-Überlebende Leon Viera aus Amstelveen berichtete, sein Vater und 73 Verwandte seien in verschiedenen Konzentrationslagern ermordet worden. Seine Mutter habe zwar überlebt, sei aber frustriert und böse geworden und habe bis an ihr Lebensende immer eine Pistole bei sich getragen, um sich verteidigen zu können. Rund 40 Holocaust-Überlebende nehmen als Nebenkläger an dem Prozess teil. Demjanjuk bestreitet, in Sobibor gewesen zu sein. Wichtigstes Beweismittel der Staatsanwaltschaft sind sein Dienstausweis und Listen der SS für die als Kriegsgefangene rekrutierten KZ-Wachmänner. Das Urteil soll im Mai verkündet werden.

dapd

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