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Der Münchner Strafprozess gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk (M.) wird nicht eingestellt.

Demjanjuk-Prozess: Gericht lehnt Einstellung ab

München - Der Münchner Strafprozess gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk (89) wird nicht eingestellt. Ein entsprechender Antrag der Verteidigung sei unbegründet.

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Das befand das Landgericht am Montag in einer umfassenden rechtlichen Stellungnahme. Abgewiesen wurde auch der Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls. Laut Anklage hat der gebürtige Ukrainer Demjanjuk im Zweiten Weltkrieg bei der Ermordung von 27 900 Juden im Vernichtungslager Sobibor geholfen. Als Kriegsgefangener soll der vorherige Rotarmist Demjanjuk sich entschieden haben, mit den Deutschen in dem Lager im besetzten Polen zusammenzuarbeiten.

Er soll geholfen haben, die zum großen Teil aus den Niederlanden stammenden Juden in die Gaskammern zu treiben. Die Verteidigung hatte ihre Anträge unter anderem mit Zweifeln an der Rechtmäßigkeit von Demjanjuks Abschiebung aus den USA nach München begründet. Die Kammer hörte am Montag unterdessen eine Reihe von Nebenklägern vor allem aus den Niederlanden an. In bewegenden Worten berichteten sie, wie viele Angehörige jüdischen Glaubens sie im Zweiten Weltkrieg in Sobibor verloren haben. “Ich bin als Nebenkläger hier für meine Eltern“, sagte ein 70-Jähriger.

John Demjanjuk: Der Prozess in München

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Er sei noch ein kleiner Junge gewesen, als seine Eltern nach Sobibor deportiert und dort 1943 in die Gaskammern getrieben wurden. “Meine Mutter war hochschwanger“, sagte der Nebenkläger. “Deshalb bin ich auch hier für meinen ungeborenen Bruder oder für meine ungeborene Schwester.“ Er selbst überlebte den Holocaust in den Niederlanden im Schutze einer anderen Familie. Der Angeklagte hielt während der Verhandlung die Augen wie an den beiden Prozesstagen zuvor fast durchweg geschlossen. Vormittags war er in einem Rollstuhl in den Gerichtssaal gebracht worden.

Nach der Mittagspause durfte er auf einem Bett mit hochgestelltem Kopfteil liegen, weil er über heftige Rückenschmerzen geklagt hatte. Man wolle dem Angeklagten keine unnötigen Beschwerden zumuten, sagte der Gerichtsarzt zur Begründung. “Sobibor ist für mich eine schmerzliche und unheilbare Wunde“, sagte ein 86 Jahre alter Nebenkläger aus Amsterdam. Seine Eltern, seine Schwester und seine Freundin seien in Sobibor ermordet worden, sagte der ehemalige Apotheker unter Tränen.

Er selbst habe rechtzeitig über Belgien, Frankreich, Spanien und Kanada nach England fliehen können. Aber er habe Schuldgefühle, dass er seine liebsten Menschen damals zurückgelassen habe. “Die Ereignisse von damals prägen alle Tage meines Lebens.“ Erst ein paar Monate nach Kriegsende habe er von der Ermordung seiner Angehörigen erfahren. Ein heute 67-Jähriger war gerade ein Jahr alt, als sein Vater nach Sobibor deportiert wurde. Erst als er selbst sechs oder sieben Jahre alt gewesen sei, habe er von der Ermordung des Vaters erfahren. “Ich habe meine Mutter gefragt, warum ich keinen Vater wie andere Jungen zum Fußballspielen habe.“ Erst da habe seine Mutter ihm die schreckliche Wahrheit gesagt. Aus seiner Familie seien 74 Menschen von den Nazis in verschiedenen Konzentrationslagern ermordet worden. Demjanjuks Verteidiger Ulrich Busch stellte die Zulassung der Nebenkläger infrage. Ihre Äußerungen zeigten das große Leid ihrer Familien, dennoch könne sich die Anklage nicht auf ihre Aussagen stützen.

Denn keiner von ihnen sei Tatzeuge gewesen, vielmehr seien sie Hunderte von Kilometern von Sobibor entfernt gewesen. Ihre Zulassung als Nebenkläger beruhe nur auf unbewiesenen oder unbeweisbaren Vermutungen. Auch die Transportlisten nach Sobibor seien kein stichhaltiger Beweis, dass die Angehörigen der Nebenkläger dort wirklich angekommen und ermordet worden seien, sagte der Verteidiger. Das Gericht wies unterdessen auch den Antrag der Verteidigung ab, das Verfahren zumindest auszusetzen, um noch weitere Unterlagen aus dem Ausland beiziehen zu können. Die Kammer sehe keine Veranlassung für die Annahme, dass über die vorhandenen Akten hinaus wichtige Unterlagen fehlen könnten, sagte der Vorsitzende Richter Ralph Alt.

dpa

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